Luchse im Wallis: Zwischen Rückkehr und Regulierung
Im Wallis, wo die Berge sich himmelhoch türmen und die Natur in voller Pracht erblüht, gibt es gerade heiße Diskussionen über die Zukunft der Luchse. Der Kanton plant, ein Abschussgesuch zur Regulierung dieser faszinierenden Raubkatzen einzureichen. Das wäre ein Novum in der Schweiz! Der Staatsrat Christophe Darbellay von der Mitte hat bereits bestätigt, dass die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere an diesem Gesuch arbeitet. Es gibt Stimmen, die besagen, dass die Luchs-Population im Wallis zu stark wächst, was die örtlichen Wildbestände gefährden könnte.
Vor über hundert Jahren galt der Luchs in der Schweiz als ausgestorben, doch dank erfolgreicher Wiederansiedlungsprojekte in den 1970er Jahren hat sich die Art wieder einen Platz in unseren Wäldern erobert. Heute sind Luchse in verschiedenen Regionen der Schweiz verbreitet, und im Wallis hat sich die Zahl in den letzten Jahren regelrecht vervielfacht. Von nur drei Luchsen im Oberwallis im Jahr 2020 ist die Zahl auf mindestens 13 gestiegen. Im Unterwallis gab es 2017 noch rund 20, aber 2022 waren es bereits über 40. Diese Entwicklung ist beeindruckend, aber auch besorgniserregend.
Ein Spannungsfeld zwischen Ökologie und Jagd
Der Rückgang von Rehen und Gämsen wird als alarmierend wahrgenommen. Viele sind der Meinung, dass die Luchse und Wölfe eine Rolle dabei spielen könnten. Alexandra Lengen, Präsidentin des Oberwalliser Jägerverbands, hat zwar von vermehrten Luchs-Sichtungen berichtet, sieht jedoch keinen direkten Zusammenhang mit dem Rückgang des Schalenwilds. Diese unterschiedlichen Sichtweisen schaffen ein Spannungsfeld, das die Gemüter erhitzt.
Jérémy Savioz von den Grünen sieht die Luchsbestände hingegen als nicht problematisch an. Er ist überzeugt, dass diese Tiere eine wichtige ökologische Rolle für gesunde Wälder spielen. Ein gewisses Maß an Wildtieren ist notwendig, um das Gleichgewicht in der Natur zu halten. Das Gesuch des Wallis muss wissenschaftliche Beweise für die Schädigung der Wildbestände durch Luchse vorlegen. Ob das gelingt? Das bleibt abzuwarten. Die Prüfung durch den Bund wird sicher genau sein.
Ein Blick auf die Luchszahlen
Zur Schätzung der Luchszahl in der Schweiz werden Ergebnisse aus Fotofallen-Erhebungen genutzt. Pro Winter werden drei bis vier von zwölf Referenzgebieten untersucht, um die Dichte der Luchse zu bestimmen. Diese Schätzungen basieren auf den letzten Erhebungen, und es ist nicht zu übersehen, dass die Schweiz eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Luchses in Europa trägt. Im biologischen Jahr 2024/2025 wurden 364 (± 10) unabhängige Luchse gezählt, verteilt auf verschiedene Regionen: 86 im Jura, 246 in den Alpen und 32 in der Nordostschweiz.
Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Wissenschaft, Naturschutz und den Interessen der Jäger. Der Luchs ist gemäß dem Jagdgesetz geschützt und hat sich, seit seiner Wiederansiedlung ab 1971, stabilisiert. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob und wie man mit dieser Art umgehen sollte. Das Luchskonzept des Bundes regelt die Grundlagen des Artenschutzes und der Schadensverhütung und sieht auch Entschädigungen vor, sollte es zu Problemen mit landwirtschaftlichen Nutztieren kommen.
Die Jagd auf Luchse ist ein heikles Thema, das nicht nur im Wallis, sondern auch in anderen Teilen der Schweiz und den angrenzenden Alpenländern diskutiert wird. Es gibt internationale Zusammenarbeit, um die Luchspopulationen zu überwachen und zu fördern. Die Schweiz plant sogar sporadisch Umsiedlungen von Luchsen in andere Länder, um die genetische Vielfalt und das Überleben dieser majestätischen Raubkatzen zu sichern. Die Natur bleibt ein komplexes, dynamisches System, in dem jeder Eingriff weitreichende Folgen haben kann. Ob der Kanton Wallis mit seinem Abschussgesuch den richtigen Weg einschlägt? Das bleibt spannend zu beobachten.
