Im Wallis brodelt es – und das nicht nur wegen der atemberaubenden Bergkulisse! Mehrere Interessengruppen fordern einen Regulierungsabschuss des Luchses. Nationalrat Benjamin Roduit von der Partei Die Mitte hat sich bereits mit dem Kantonalen Walliser Jägerverband über die Schäden, die der Luchs anrichten könnte, ausgetauscht. Dabei sind die Diskussionen alles andere als neu. So plant der Kanton mit Zustimmung des Bundesamts für Umwelt ein Pilotprojekt in einer Zielregion, um die Situation zu beobachten. Jean-Frédéric Sierro, der Präsident des Jagdverbands Diana Romande, hat den Wunsch geäußert, die Debatte endlich zu entfachen. Aber was steckt wirklich hinter diesem Wunsch nach Abschuss?

Eine anonym bleibende Quelle spricht von einem „geräumten“ Gebiet. Die Faktenlage ist jedoch komplexer. Im Wallis ist der Luchs – ein majestätisches Tier – kaum zurückgekehrt. In den 2010er-Jahren lebten dort schätzungsweise nur 5 bis 8 Tiere, mit lediglich zwei nachgewiesenen Würfen. Doch seit 2020 zeigt sich ein erfreulicher Trendwechsel: Im Winter 2024/2025 wurden rund 30 unabhängige Luchse und 8 Würfe mit mindestens 11 Jungtieren dokumentiert. Das klingt doch nach einem kleinen Erfolg, oder? Dennoch stuft die Stiftung KORA den Luchs weiterhin als stark gefährdet ein.

Wilderei und ihre Schattenseiten

Ein düsteres Kapitel ist die Wilderei. Eine Studie der Universität Bern aus dem Jahr 2020 hat den Verdacht erhärtet, dass im Wallis Luchse illegal gejagt werden. Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass im Jahr 2016 bereits ähnliche Vermutungen aufgestellt wurden. Wissenschaftler fanden heraus, dass die Bestandsdichte des Luchses in den letzten fünf Wintern außergewöhnlich niedrig war. Es gibt sogar Hinweise, dass ein Angestellter der Walliser Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere (DJFW) in diese Machenschaften verwickelt sein könnte. Ein echter Skandal! Nach der Veröffentlichung der neuesten Studie verurteilte Staatsrat Jacques Melly die Wilderei scharf.

Die Argumentation, Luchse würden Nutztiere reißen, hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Laut den Daten sind 88% der Luchsbeute Rehe und Gämsen, und Übergriffe auf Schafe oder Ziegen sind eher lokal und zeitlich begrenzt. Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Hobby-Jäger konkurrieren um die gleichen Rehe und Gämsen wie die Luchse. Eine Untersuchung von KORA zeigt zudem, dass der Einfluss der Hobby-Jagd auf die Gämspopulation größer ist als der des Luchses. Das bringt uns zum Kern des Problems: Der Ruf nach einem Abschuss kommt häufig von denen, die der Rückkehr des Luchses seit Jahrzehnten entgegenstehen.

Rechtliche Grauzonen und Entschädigungen

Ein neues Pilotprojekt ist rechtlich nicht notwendig – das Jagdgesetz erlaubt bereits die Entnahme einzelner Tiere bei erheblichen Schäden. Dennoch bleibt die Situation angespannt. Schäden an Nutztieren werden zu 80% vom Bund und zu 20% vom Kanton entschädigt. Doch das BAFU hat keine Informationen über mögliche Luchsabschüsse im Wallis. Der Status des Luchses blieb nach der jüngsten Revision von Jagdgesetz und Jagdverordnung unverändert, was die Diskussionen über den Umgang mit diesen Tieren weiter anheizt.

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Aktuelle Schätzungen zeigen, dass es in der Schweiz etwa 343 selbständige Luchse gibt. Die Mehrheit davon, 261, gehört zur Alpenpopulation, die sich entlang des Alpenbogens erstreckt. Der Luchs ist also keineswegs vom Aussterben bedroht, aber die Herausforderungen sind vielseitig. Die Zunahme des Bestands seit 2010 ist erfreulich, aber weitere Faktoren wie genetische Variabilität und Gesundheit sind ebenfalls entscheidend. In den letzten Erhebungen wurden vermehrt Nachweise im südlichen Rhonetal und im Mittelland verzeichnet. Das zeigt, dass sich die Luchse ausbreiten – und das ist ein Grund zur Hoffnung!