Am letzten Freitagabend, in der Kellerbühne St. Gallen, erlebte das Publikum den italienisch-schweizerischen Komiker Massimo Rocchi in Hochform. Er feierte sein 50-jähriges Bühnenjubiläum mit der Tour «Live – 50 Jahre Bühnenpräsenz». Ein besonderes Event, das nicht nur seine schauspielerischen Fähigkeiten, sondern auch seinen ganz eigenen Humor in den Mittelpunkt stellte. Mit seinen über zwei Stunden fesselnden Auftritt zog der 69-Jährige die Zuschauer in seinen Bann. Dabei sprudelten die Pointen nur so aus ihm heraus, während er in mehreren Sprachen – Französisch, Italienisch, Hochdeutsch und Schweizerdeutsch – das Publikum unterhielt.

Rocchi, ein Meister der Pantomime, gewährte Einblicke in seinen persönlichen Werdegang – von seinen Wurzeln in Italien über Paris bis in die Schweiz. Er schaffte es, seinen Lebensweg mit humorvollen Einlagen zu verbinden. Doch nicht alles, was er zum Besten gab, fand ungeteilte Zustimmung. Eine Passage über die Sandwiches in Brig sorgte für einige verhaltende Reaktionen im Publikum. Besonders heikel war jedoch ein Witz über das tragische Feuerinferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, bei dem 41 Menschen starben und viele verletzt wurden. Rocchi bemerkte die angespannte Stimmung und merkte an, dass man über gewisse Dinge besser nicht lachen sollte.

Ein Leben für die Bühne

Massimo Rocchi wurde 1976 am Gymnasium Vincenzo Monti in Cesena mit dem Abitur abgeschlossen und studierte anschließend Theaterwissenschaften an der Universität Bologna. Sein Werdegang als Mime begann 1978, als er Unterricht bei Étienne Decroux in Frankreich nahm. Rocchi besuchte die École Internationale Marcel Marceau und schloss 1982 mit dem Diplom ab. Seine ersten Programme waren rein pantomimisch, bevor er sich zum sprechenden Pantomimen und Sprachakrobaten entwickelte. Er spielt mit Sprache und Körpersprache und karikiert dabei kulturelle Archetypen sowie sprachliche Eigenheiten.

Seine Theaterproduktionen sind zahlreich und vielfältig – von „Spiagge Italiane“ bis zu „rocCHipedia“. 2003 übernahm er die Titelrolle im Jubiläumsprogramm des Schweizer Circus Knie und sorgte damit für viel Aufsehen. Auch als Regisseur hat er sich einen Namen gemacht, unter anderem 2012 mit Joseph Haydns „Lo speziale“ im Theater Basel und 2014 mit Donizettis „Don Pasquale“.

Ein umstrittener Künstler

Rocchi ist nicht nur für seinen Humor bekannt, sondern auch für seinen Umgang mit Sprache. Er wechselt oft zwischen verschiedenen Sprachen innerhalb eines Programms, was ihn zu einem einzigartigen Künstler macht. 2011 wurde er in einer Diskussion wegen einer Äußerung, die als antisemitisch interpretiert wurde, angezeigt, jedoch wurde das Verfahren 2019 eingestellt, da er sich nicht antisemitisch geäußert hatte. Trotz solcher Kontroversen hat er sich in der Kulturszene der Schweiz fest etabliert und lebt heute in Basel.

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Sein Auftritt in St. Gallen war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie er das Publikum auch mit den schmerzhaften Themen unserer Zeit konfrontiert, während er gleichzeitig die Kunst der Unterhaltung zelebriert. Ein Balanceakt, der nicht immer gelingt, der aber auch zeigt, wie facettenreich und herausfordernd die Welt der Bühne ist.