Im Wallis ist die Natur nicht nur schön, sondern auch ein bisschen bockig. Seit 2022 gibt es keine neuen größeren Umweltverschmutzungen zu vermelden. Doch das Bild ist nicht ganz so rosig, denn rund 100 alte Industrieareale und Deponien sind nach wie vor mit Altlasten belastet. Schätzungen zufolge könnten die Sanierungskosten auf mehrere Milliarden Franken steigen. Ja, genau – Milliarden! Das ist eine Zahl, bei der einem schwindelig werden kann.
Von den 1386 Standorten, die im kantonalen Kataster erfasst sind, wurden bisher 728 unter die Lupe genommen. Und was sagt uns das? Nur 190 davon konnten erfolgreich saniert werden. Etwa 580 Standorte stehen auf der Liste für genauere Prüfungen, bevor dort irgendwelche Bauprojekte starten können. Und nicht zu vergessen: Rund 100 Standorte brauchen weiterhin Sanierungsmaßnahmen. Das Hauptproblem sind die berüchtigten Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, kurz PFAS, die in der Umwelt wie ein ungebetener Gast verweilen.
Die Herausforderung PFAS
Ein ganz spezieller Fall ist die ehemalige Raffinerie in Collombey-Muraz. Hier laufen gerade Gespräche zwischen der Gemeinde, dem Kanton und dem verantwortlichen Unternehmen – ein echter Balanceakt! Die Chemieareale in Evionnaz, Monthey und Visp sind ebenfalls betroffen. Besonders in Evionnaz macht sich Arsen bemerkbar, und das ist alles andere als erfreulich. Die Sanierungskosten für all diese Standorte werden bis 2045 auf rund eine Milliarde Franken geschätzt. Wer bezahlt das? Nun, nach dem Verursacherprinzip sind die Unternehmen oder deren Rechtsnachfolger an der Reihe. Wenn die Verantwortlichen jedoch nicht mehr ausfindig gemacht werden können, muss die öffentliche Hand einspringen.
In Visp hat man bereits rund 450 Kilogramm PFAS aus einem ehemaligen Übungsplatz entfernt. Das klingt nach einer Menge, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit den 2000er-Jahren wurden bereits etwa 900.000 Tonnen belastetes Material ausgehoben. Die betroffene Fläche der Deponie Gamsenried ist übrigens so groß wie rund 29 Fussballfelder – das ist eine Menge Erde, die dort bewegt werden muss!
Langfristige Sanierungen und ihre Komplexität
Was die Sanierungen angeht, laufen an mehreren Standorten bereits Arbeiten, aber – Überraschung! – die Dinge verzögern sich oft aufgrund komplexer Planungs- und Umsetzungsfragen. Langfristige Sanierungen, wie die mit Quecksilber im Oberwallis, könnten sich sogar über ein bis zwei Generationen hinziehen. Das klingt nach einem Marathon, nicht nach einem Sprint.
Doch PFAS sind nicht nur ein Problem im Wallis. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien finden sich in vielen Alltagsprodukten wie Solarzellen und beschichteten Pfannen. Ihre Verbreitung in der Umwelt könnte zu enormen Sanierungskosten führen. In Deutschland wird beispielsweise geschätzt, dass die jährlichen Gesundheitskosten aufgrund von PFAS mehrere Milliarden Euro betragen. Und wenn man bedenkt, dass einige dieser Chemikalien von der WHO als krebserregend eingestuft werden, wird die Sache umso ernster.
Eine Studie prognostiziert, dass die Reinigung von PFAS in 31 europäischen Ländern in den nächsten 20 Jahren rund zwei Billionen Euro kosten könnte. Ja, das ist richtig – zwei Billionen! In Düsseldorf hat sich die PFAS-Verschmutzung über etwa drei Kilometer ausgebreitet, nachdem PFAS-haltige Löschschäume bei einem Brand verwendet wurden. Eine Reinigungsanlage zur Filterung des Grundwassers läuft dort bereits seit etwa acht Jahren, und Experten schätzen, dass die Reinigung von PFAS Jahrzehnte dauern könnte.
So viel passiert also im Wallis und darüber hinaus – und die Herausforderungen sind gewaltig. Die Frage bleibt, wie lange wir noch mit diesen „Ewigkeitschemikalien“ leben müssen und wer letztendlich die Rechnung dafür zahlt.