Heute ist der 13. Mai 2026 und das Thema Wolf im Wallis sorgt für ordentlich Gesprächsstoff. Die Gruppe Wolf Schweiz hat die Regierung des Kantons Wallis aufgefordert, das Wolfsmanagement strikter an den bundesrechtlichen Vorgaben auszurichten. Ein bisschen wie ein Schlag ins Gesicht für die Walliser, die sich auf ein vermeintliches Wolfspaar berufen, das sie als Grund für einen Einzelabschuss ansahen. Doch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) sieht das anders und hat bereits am 6. Mai eine Beschwerde beim Walliser Staatsrat eingereicht. Man könnte meinen, die Sache ist klar, doch so einfach ist es nicht.
Die Situation ist vertrackt. Während der Kanton Wallis auf die Existenz eines einzelnen Wolfspaares pocht, geht der Bafu davon aus, dass dieses Paar die Elterntiere des Nanztal-Rudels sind. Ein Rudel darf nur mit vorheriger Zustimmung und innerhalb eines festgelegten Zeitraums, von Juni bis Januar, reguliert werden. Die Beschwerde des Bafu ist noch hängig, was bedeutet, dass der Kanton Wallis sich möglicherweise auf rechtlich wackeligen Beinen bewegt. Die Gruppe Wolf Schweiz ist sich sicher: Der Abschuss im Gebiet Nanztal-Visperterminen-Staldenried war nicht rechtmäßig, da dort seit 2023 ein Wolfsrudel lebt, das sich sogar fortpflanzt. Das Nanz-Rudel hat auch 2025 Jungtiere gehabt und wurde nicht reguliert. Die Fragen, die sich hier auftun, sind mehr als nur theoretisch. Was geschieht, wenn die Faktenlage wackelt und sich die Ansichten der Beteiligten unversöhnlich gegenüberstehen?
Rechtliche Grauzonen und fragwürdige Entscheidungen
Das Walliser Kantonsgericht hat bereits 2020 entschieden, dass auch im Folgejahr von einem Rudel auszugehen ist, wenn zuvor ein Rudel nachgewiesen wurde. Das Urteil basierte auf einer Beschwerde des Bafu. Zudem hätte der Kanton ausschließen müssen, dass sich das Wolfspaar im laufenden Jahr fortpflanzt – was offensichtlich nicht geschehen ist. Die Gruppe Wolf Schweiz bezeichnet die Abschussbewilligung als rechtswidrig und weist auf eine Reihe rechtlich fragwürdiger Abschussbewilligungen im Wallis hin. Ein weiteres Beispiel: Im vergangenen Sommer wurde unter ähnlichen Umständen eine mutmaßliche Einzelwölfin geschossen, obwohl sich später die Präsenz eines Rudels bestätigte. Man fragt sich, ob die Behörden hier nicht besser auf die Faktenlage hätten reagieren müssen.
Ein weiterer Aspekt, der nicht ignoriert werden kann, ist das Gesuch des Kantons Wallis beim Bafu zur proaktiven Regulierung der Wolfspopulation für die Jahre 2025-2026. Ziel ist es, Konflikte in Problemgebieten, wo Wölfe Nutztiere reißen, zu minimieren. Dabei wird ein Antrag auf vollständige Entnahme von zwei der neun Wolf-Rudel im Wallis gestellt – konkret vom Simplon und Chablais. Eine Basisregulierung von drei weiteren Rudeln ist ebenfalls angedacht, um zwei Drittel der diesjährigen Jungtiere zu entnehmen. Man könnte fast meinen, der Wolf wird hier zum Politikum, das mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Die Sömmerungssaison dauert schließlich noch einige Wochen und die Situation der Wolfspopulation verändert sich laufend.
Ein Blick nach vorn
Die neue Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSV) tritt am 1. Februar 2025 in Kraft. Regulierungsmassnahmen durch Abschüsse sollen von den Vollzugsorganen des Kantons vom 1. September 2025 bis 31. Januar 2026 durchgeführt werden. Jagdberechtigte werden die Behörden dabei unterstützen, natürlich alles in Abstimmung mit dem Bafu. Einige spezialisierte Jäger sollen in die Unterstützungsgruppe Jagd (UGJ) integriert werden, und eine spezifische Ausbildung für die Wolfsregulierung fand bereits 2025 für alle angemeldeten Jäger statt. Das zeigt, dass die Behörden ernsthaft an einer Lösung arbeiten, um das Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier zu wahren.
Auf der anderen Seite bleibt die Umsetzung der Herdenschutzmaßnahmen wichtig. In einer Welt, in der sich Wölfe immer mehr in die Nähe menschlicher Siedlungen wagen, sind die Bürger aufgefordert, Wolfssichtungen dem zuständigen Wildhüter zu melden. Hier schwingt ein Gefühl von Verantwortung mit, das nicht ignoriert werden kann.
Es ist ein schmaler Grat zwischen Schutz und Regulierung, und die Entwicklungen der kommenden Monate werden zeigen, ob die Maßnahmen tatsächlich Früchte tragen. Ob die Wölfe im Wallis ein friedliches Miteinander mit den Menschen finden können oder ob weitere Konflikte vorprogrammiert sind, bleibt abzuwarten. Die Diskussion über die Wölfe wird uns sicherlich noch eine Weile begleiten. Wer weiß, vielleicht wird das Thema bald wieder auf die Agenda gesetzt.