Die Stadt Kreuzlingen hat eine überraschende Wendung in ihrer Jahresrechnung 2025 erlebt. Anstatt, wie ursprünglich budgetiert, mit einem Defizit von 3,1 Millionen Franken abzuschließen, kann die Stadt nun einen Überschuss von 2,5 Millionen Franken vermelden. Ein Grund zur Freude, könnte man sagen. Besonders erfreulich sind die höheren Steuererträge, die sich auf stolze 4,2 Millionen Franken belaufen. Sowohl natürliche als auch juristische Personen haben dazu beigetragen. Auch die Abnahme der Veranlagungsrückstände hat das positive Ergebnis unterstützt. Das Parlament hat die Jahresrechnung mit nur einer Gegenstimme genehmigt und beschlossen, den Ertragsüberschuss auf die neue Rechnung vorzutragen. Ein Schritt, der sicher viele Bürger aufatmen lässt.
Doch nicht alles war rosig in Kreuzlingen. Die Jahresrechnung von Energie Kreuzlingen schloss mit einem Aufwandüberschuss von 352’000 Franken, vor allem im Bereich Wasser. Die Nettoinvestitionen von 12,1 Millionen Franken, insbesondere für das geplante Betriebsgebäude, zeigen jedoch, dass die Stadt weiterhin in die Zukunft investiert. Hierfür wird das Baugesuch noch im Sommer 2025 eingereicht. Trotz dieser Investitionen sind die Sorgen um die finanziellen Mittel nicht ganz unbegründet. Der Stadtrat hatte das Budget 2025 ursprünglich mit einem Steuerfuss von 64 Prozent und einem erwarteten Defizit von 3,2 Millionen Franken vorgelegt. Investitionen in Höhe von 14,4 Millionen Franken, darunter bedeutende Projekte wie die Sanierung des Bad Egelsee, stehen auf der Agenda. Eine schwierige Balance zwischen Ausgaben und Einnahmen, die eine ständige Herausforderung darstellt.
Politische Entscheidungen und Volksabstimmungen
Im Parlament gab es rege Diskussionen über den Finanzplan, trotz der flüssigen Mittel. Themen wie das Bauprojekt Bushof Bärenplatz und die Einführung einer neuen 50-Prozent-Stelle in der Bauverwaltung wurden hitzig debattiert. Auch die Abgabe von Energie Kreuzlingen an die Stadt in Höhe von 500’000 Franken sorgte für Gesprächsstoff. Die Fraktionspräsidenten äußerten Besorgnis über das Defizit, und die Stimmen im Parlament waren gespalten. So wurde beispielsweise eine Motion zur Einführung einer Stellvertreterregelung für den Gemeinderat mit 27 Ja- zu 11 Nein-Stimmen als erheblich erklärt, auch wenn der Stadtrat den Aufwand als nicht gerechtfertigt ansieht. Eine kritische Haltung, die sowohl von der SVP als auch von der SP geteilt wird.
Ein weiteres heiß diskutiertes Thema war die Verlängerung des Ein-Franken-Bus, der bis 2028 mit jährlichen Kosten von voraussichtlich 920’000 Franken fortgeführt werden soll. Hier muss jedoch eine Volksabstimmung her, um die endgültige Einführung zu ermöglichen. Die Verlängerung des Versuchs wurde mit 35 Ja- zu 2 Nein-Stimmen beschlossen, was ein Zeichen dafür ist, dass die Bevölkerung hinter dieser Initiative steht. Und wie es aussieht, gibt es auch im Gemeinderat Veränderungen: Der Rücktritt von Gemeinderat Stefan Klauer wurde akzeptiert, und seine Nachfolgerin Monika Semeraro wurde in die Einbürgerungskommission gewählt. Alle Einbürgerungsgesuche wurden ebenfalls ohne Diskussion genehmigt, was zeigt, dass hier ein gewisses Vertrauen in die neuen Strukturen herrscht.
Ökonomische Herausforderungen und Perspektiven
Die finanziellen Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Ab 2026 wird eine Steuerfusserhöhung um zwei Prozentpunkte notwendig sein, um die städtischen Projekte finanzieren zu können. „Budgetdisziplin“ wird zum Schlagwort der Stunde, und die Forderung nach einer Priorisierung von Projekten wird immer dringlicher. Thomas Dufner, Präsident der Finanz- und Rechnungsprüfungskommission, spricht hier eine klare Sprache. Das Kult-X-Projekt, das über sieben Millionen Franken genehmigt wurde, zeigt, dass es auch in der Kultur ein hohes Investitionsbedürfnis gibt. Aber auch die Sparbemühungen sind spürbar: Eine Reduktion von 117.000 Franken wurde erzielt, und Planungskredite für verschiedene Projekte wurden gestrichen.
Christoph Lengwiler, ein Experte für Gemeindefinanzen, hat in seinen Artikeln die Auswirkungen von Schulden, Zinsen und Finanzhaushalten auf Gemeinden thematisiert. Er betont die Notwendigkeit, mehrere Kreditangebote einzuholen und auf die nachhaltige Entlastung der Finanzhaushalte zu achten. In einer Zeit, in der die Zinsen niedrig sind, birgt dies sowohl Chancen als auch Risiken für Gemeinden wie Kreuzlingen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die finanzielle Lage weiterentwickeln wird und welche Entscheidungen in Zukunft getroffen werden, um die Stadt auf Kurs zu halten.