Am 7. Mai 2026 fand im Thurgau eine bedeutende Tagung des Netzwerks Asyl Thurgau statt, die sich der Unterstützung geflüchteter Kinder und Jugendlicher widmete. Hier wurde eine Plattform geschaffen, um die Herausforderungen und Bedürfnisse dieser jungen Menschen sichtbar zu machen. Die Veranstaltung zog Freiwillige, Behördenvertreter und Fachleute an, die gemeinsam über Lösungen diskutierten, um eine sichere Umgebung und eine gelingende Integration zu fördern. Es war klar, dass die Anliegen dieser Kinder nicht nur durch Worte, sondern durch konkretes Handeln unterstützt werden müssen.

Besonders eindrucksvoll war die Ansprache von Milena Gehrig von „Save the Children“. Sie teilte ihre Bedenken über die Lebensbedingungen in Kollektivunterkünften, die oft alles andere als kindgerecht sind. Stress für die Eltern, fehlender Raum zum Spielen und eine unzureichende Infrastruktur sind nur einige der Herausforderungen, die die Kinder stark belasten. Verhaltensänderungen wie Unkonzentriertheit und Rückzug sind keine Seltenheit. Um dem entgegenzuwirken, hat „Save the Children“ bereits Spielzimmer in Bundesasylzentren eingerichtet – eine Maßnahme, die verlässliche Strukturen bieten soll. Der Fokus liegt darauf, traumatisierte Kinder nicht zu überfordern und ihnen ein Stück Normalität zu ermöglichen.

Der Weg zur traumazentrierten Unterstützung

Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Notwendigkeit, traumatisierte Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Reto Ammann vom SBW – Haus des Lernens sprach über die Berufsausbildung für geflüchtete Jugendliche und betonte, wie wichtig es ist, diesen jungen Menschen Perspektiven zu bieten. Doch nicht nur das: Es wurde auch deutlich, dass die Unterstützung von Schulgemeinden für eine ganzjährige Betreuung in Schulen gefordert wird, um den Kindern eine dauerhafte Anlaufstelle zu bieten.

Die Herausforderungen sind vielfältig. Umfragen zeigen, dass nur 20% der Jugendlichen in der Schweiz Vertrauen in die staatliche Krisenbewältigung haben. Das mag auf den ersten Blick alarmierend erscheinen, aber es gibt auch Hoffnung. Rund 600 freie Lehrstellen in der Schweiz stehen zur Verfügung – eine Chance, die genutzt werden muss. Freiwillige können hierbei eine entscheidende Rolle spielen, sei es durch Unterstützung bei Ausbildungsbetrieben oder im Berufsschulunterricht. Die gemeinschaftliche Verantwortung für die Aufzucht von Kindern wurde auch von Susanne Müller, der Moderatorin der Tagung, stark betont.

Die Bedeutung traumazentrierter Ansätze

Aber wie geht man mit den traumatischen Erfahrungen um, die diese jungen Menschen gemacht haben? Hier kommen spezielle Schulungen ins Spiel. Ein Online-Seminar, das Grundlagen einer traumasensiblen Haltung vermittelt, richtet sich an Fachkräfte in Schule, Jugendhilfe und Sozialarbeit. Themen wie die Definition von Trauma und die unterschiedlichen Wirkungen belastender Erfahrungen stehen im Fokus. Leo Teigler, ein Experte auf diesem Gebiet, wird in diesen Seminaren darauf eingehen, wie Fachkräfte typischen Signalen und Reaktionsmustern begegnen können, ohne sofort Diagnosen zu stellen.

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Die Schaffung von Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit im Kontakt ist von größter Bedeutung. Damit die Fachkräfte dies auch umsetzen können, wird auch die eigene Selbstfürsorge thematisiert – schließlich ist der Umgang mit traumatisierten Menschen nicht nur eine Herausforderung, sondern kann auch an die eigenen Grenzen gehen. Auch die Reflexion über strukturelle Belastungen und politische Rahmenbedingungen wird als wichtig erachtet.

Ein Recht auf Schutz und Würde

In diesem Kontext darf nicht vergessen werden, dass alle geflüchteten Menschen das Recht auf menschenwürdige Unterbringung und Schutz vor Gewalt haben. Bund und Länder sind verpflichtet, diesen Schutz sicherzustellen, besonders für traumatisierte und vulnerable Geflüchtete. Die Notwendigkeit von Schutzkonzepten in Unterkünften und klaren Leitlinien für Mitarbeiter*innen ist unabdingbar. Ein Praxisleitfaden, der speziell für den traumazentrierten und empowernden Umgang mit geflüchteten Menschen entwickelt wurde, bietet Fachkräften und Ehrenamtlichen wertvolle Informationen und Handlungsvorschläge. Er deckt alles ab, von der Erkennung von Traumasymptomen bis hin zur Selbstreflexion über die eigene Position.

Die Tagung im Thurgau war nicht nur ein Treffen von Fachleuten, sondern ein Aufruf zur gemeinsamen Verantwortung. Es liegt an uns allen, diesen Kindern und Jugendlichen ein Stück Hoffnung und Perspektive zu bieten. Durch Empathie, Zuhören und konkrete Maßnahmen können wir dazu beitragen, dass sie in einer neuen Heimat aufblühen. Es bleibt zu hoffen, dass die Diskussionen und Ideen, die hier entstanden sind, nicht nur Worte bleiben, sondern in Taten umgesetzt werden.