Am Dienstagabend war es soweit: In Amriswil wurde der Verein Behindertenkonferenz Thurgau (Beko Thurgau) ins Leben gerufen. Knapp 60 Menschen fanden sich zusammen, um diese bedeutende Initiative zu unterstützen, darunter 45 Mitglieder mit Stimmrecht. Roger Lieberherr, ein bekanntes Gesicht in der Region, wurde zum ersten Präsidenten gewählt – ein Schritt, der vielen als Symbol für Hoffnung und Veränderung gilt. Unter der Leitung von Hansueli Salzmann, der als Tagespräsident durch die Gründungsversammlung führte, wurde über die Statuten des Vereins diskutiert. Einige Stimmen forderten eine Ablehnung, doch letztlich wurde der Vorschlag angenommen, die Statuten im kommenden Jahr zu überarbeiten. Einigt man sich darauf, soll der Beko Thurgau religiös und politisch neutral bleiben und sich auf gemeinnützige Zwecke konzentrieren.
Das Ziel des Vereins ist klar: die Interessen von Menschen mit Behinderungen zu fördern und ihre gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu sichern. Geplante Maßnahmen umfassen den Abbau von Barrieren im Alltag, wie etwa die Anpassung von Halteknöpfen an Bahnhöfen und die Sicherstellung geeigneter Hilfsmittel in Schwimmbädern. Die Vielfalt der Mitglieder im Vorstand, zu dem auch Susi Rutishauser und Daniel Wapp gehören, zeigt, wie viele unterschiedliche Perspektiven für die Umsetzung der Vereinsziele zusammenkommen.
Inklusion im Alltag
Doch das Thema Inklusion geht weit über die Gründung eines Vereins hinaus. Es ist ein zentrales gesellschaftliches Anliegen, das unsere beruflichen und privaten Lebensbereiche durchdringt. Menschen mit und ohne Behinderungen sollen selbstbestimmt zusammenleben und barrierefrei an allen Lebensbereichen teilnehmen können – sei es in der Arbeit, der Bildung oder in der Freizeit. Um diesen Wandel voranzutreiben, stehen im Kanton Thurgau von Mitte Mai bis Mitte Juni 2024 die Aktionstage „Behindertenrechte“ auf der Agenda. Hier sind Kantone und Bund gemeinsam am Zug, um Hindernisse im Alltag sichtbar zu machen und praktisches Wissen zu vermitteln. Das Motto „Zukunft Inklusion“ wird von über 40 Aktionen getragen und ermutigt die Bevölkerung, aktiv teilzunehmen.
Regierungsratspräsident Urs Martin wird am 17. Mai 2024 die Medienkonferenz eröffnen und auf die bisherigen Fortschritte im Kanton Thurgau zurückblicken. Ein Grundlagenbericht aus dem Jahr 2022 zur Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention von 2014 hat bereits aufgezeigt, wie wichtig ein breiteres gesellschaftliches Verständnis für die Inklusion ist. Susanne Ruthishauser, die von ihren eigenen Erfahrungen berichtet, betont, wie wichtig Unterstützung für ein selbstständiges Leben ist. Auch Charlotte Mäder von „TAB Freizeit und Bildung“ hat mehrere Aktionen initiiert, um Inklusion in den Fokus zu rücken.
Rechte und Chancen weltweit
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat das Ziel, die Menschenrechte und Grundfreiheiten für Menschen mit Behinderungen zu fördern und zu schützen. Sie verschafft rund 1 Milliarde Menschen weltweit Zugang zu verbrieften Rechten. Doch die Realität sieht oft anders aus. Nur etwa 40 Staaten, vor allem in den Industrienationen, haben nationale Gesetzgebungen zur Behindertenpolitik. Die meisten Menschen mit Behinderungen leben in Entwicklungsländern, wo die Herausforderungen noch größer sind. Die UN-BRK konkretisiert Rechte, die den Zugang zu Bildung, Arbeitswelt und kulturellem Leben betreffen. Ein Ausschuss überwacht die Umsetzung dieser Rechte und sorgt dafür, dass die Vertragsstaaten regelmäßig über ihre Fortschritte berichten.
Die Gründung des Beko Thurgau ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Lichtblick in einem oft trüben Alltag. Es ist die Hoffnung auf einen Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik, der nicht nur lokal, sondern auch international Wirkung zeigen kann. Mehr denn je ist es wichtig, dass wir alle unseren Teil dazu beitragen, dass niemand am Rande steht und alle die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Der Aufbruch ist spürbar und die Gemeinschaft ist bereit, sich für eine inklusive Zukunft einzusetzen.