Heute ist der 16.06.2026, und wir befinden uns in Zug – ein Ort, der für viele einfach nur ein Haltepunkt auf dem Weg zum Ziel ist. Doch für Lasse Stolley, einen 19-jährigen Zugnomaden, ist es weit mehr. Seit fast vier Jahren lebt er im Zug, ein Leben, das viele für verrückt halten würden, aber für ihn ist es die Freiheit pur. Mit seiner BahnCard 100, die ihm unbegrenzte Fahrten im deutschen Bahnnetz ermöglicht, hat er sein städtisches Leben gegen das Abenteuer auf Schienen eingetauscht. Das klingt spannend, oder?

Im August 2022, mit gerade mal 16 Jahren, legte Lasse seine Ausbildung zum Fachinformatiker auf Eis und wurde von einer YouTube-Dokumentation inspiriert. Die Welt der Züge faszinierte ihn so sehr, dass er beschloss, als digitaler Nomade zu leben. Keine feste Adresse, kein geregelter Alltag – stattdessen die Freiheit, mit dem Zug durch Deutschland zu reisen. Lasse, der in den ersten Monaten mit einer Luftmatratze in der Gepäckablage übernachtete, hat mittlerweile sein Schlafarrangement auf Zweier- und Viererplätze in den Zügen umgestellt.

Ein Leben im Zug

Als selbstständiger Softwareentwickler hat Lasse einen Laptop, der sein treuer Begleiter ist. Damit entwickelt er Apps, unter anderem eine, die freie Plätze im Zug anzeigt – ein echter Lebensretter für einen Zugreisenden wie ihn. Pro Tag legt er etwa 1000 Kilometer zurück und hat laut der Reiseplattform Träwelling bereits über 850.000 Kilometer und mehr als 8800 Stunden in Zügen verbracht! Das sind Zahlen, die einem den Atem rauben.

Seine 1. Klasse BahnCard 100 hat ihn 5999 Euro gekostet – ein ordentliches Sümmchen für viele, aber Lasse sieht es als Investition in seine Freiheit. Er genießt die Annehmlichkeiten der DB-Lounge, nutzt das Buffet, und duscht in öffentlichen Schwimmbädern. Wer hätte gedacht, dass das Leben eines Zugreisenden so viele Facetten hat? Was die Wäsche angeht, die wird oft auf der Zugtoilette gewaschen, und alles, was er braucht, passt in einen 35-Liter-Rucksack.

Der Sprung ins Berufsleben

In August 2025 begann Lasse seine Ausbildung zum Zugführer bei TRI Train Rental, einem Dienstleister für Sonderverkehre. Seit Januar 2026 ist er nun fest angestellt und verbringt etwa fünf Nächte pro Woche in Hotels, was einen interessanten Kontrast zu seinem vorherigen Leben darstellt. Trotz dieser neuen Verpflichtungen fühlt er sich immer noch zu seinem nomadischen Lebensstil hingezogen. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals wirklich sesshaft werden will,“ verrät er.

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Die Erfahrungen, die er in den Zügen gesammelt hat, helfen ihm jetzt in seiner neuen Rolle als Zugführer. Lasse ist ein Mann der Praxis. Er sieht die Dinge nicht nur aus der Sicht eines Reisenden, sondern kennt auch die Herausforderungen aus der anderen Perspektive. Eine seiner Forderungen ist eine bessere Informationspolitik der Bahn, insbesondere bei Verspätungen und Baustellenankündigungen. Er kritisiert den Zustand des Schienennetzes und den Mangel an Lokführern und Fahrdienstleitern.

Ein Blick in die Zukunft

Deutschland hat eines der besten Bahnsysteme in Zentraleuropa, dessen hohe Zugdichte und moderne Züge oft gelobt werden. Lasse hat das Glück, in diesem System unterwegs zu sein. Eine prägende Erfahrung war die positive Reaktion der Pendler während seiner Einsätze im Ersatzverkehr für die Hannoveraner S-Bahn. Es ist diese Art von Interaktion, die seinen Alltag bereichert und ihm zeigt, wie wichtig die Bahn für viele Menschen ist.

Ob Lasse Stolley eines Tages sein Nomadendasein aufgeben wird? Wer weiß das schon. Für den Moment genießt er die Freiheit, die sein Leben im Zug ihm bietet. Ein Leben, das so ungewöhnlich ist, dass es nahezu wie ein Abenteuerroman klingt. Vielleicht ist die nächste Station für ihn einfach nur der Anfang einer weiteren spannenden Reise.