Zuger Chriesisturm: Ein Fest der Tradition und des Genusses
Am 22. Juni, pünktlich um 12 Uhr, beginnt in Zug ein Spektakel, das die Herzen der Einheimischen höher schlagen lässt: Der Zuger Chriesisturm! Ein Ereignis, das nicht nur die Kirschernte im Kanton Zug eröffnet, sondern auch tief in der Tradition verwurzelt ist. Die engen Gassen der Altstadt verwandeln sich in ein Wettkampfarena, wo Zweierteams mit langen Leitern um die Wette rennen, während Schülerinnen und Schüler in Stafetten den Weg meistern. Ein Anblick, der einfach zum Schmunzeln einlädt, wenn man die Frauen sieht, die ihre Hutten am Rücken tragen. Und all das beginnt feierlich mit dem Läuten der «Chriesigloggä» der Pfarrkirche St. Michael – ein Klang, der in Zug schon seit 1711 zu hören ist!
Doch das Event ist nur der Auftakt. Nach den schweißtreibenden Rennen erwartet die Teilnehmer und Zuschauer ein fröhliches Volksfest auf dem Landsgemeindeplatz, wo man sich mit Chriesiwurst und der berühmten Kirschtorte stärken kann. Ein Hoch auf das 400-Jahr-Jubiläum des Zuger Kirschwassers! Schließlich wurde dieses schmackhafte Destillat 1626 erstmals urkundlich erwähnt. Wie die Zeit vergeht! Parallel dazu findet der Zuger Chriesimärt statt, der die besten Tafelkirschen und regionale Kirschenprodukte präsentiert. Ein wahres Fest für alle Sinne.
Die Kirschernte und ihre Bedeutung
Die ersten Zuger Kirschen wurden bereits am 15. Juni verkauft und die Landwirte sind optimistisch: Trotz einer nasskalten Regenperiode zu Beginn des Monats erwarten sie eine Ernte von rund 2400 Tonnen. Der Kirschenanbau hat im Kanton Zug eine lange, bedeutungsträchtige Geschichte. Er war nicht nur ein wichtiger landwirtschaftlicher Produktionsbereich, sondern entwickelte sich auch zum identitätsstiftenden Merkmal der Region. Früheste Quellen belegen Kirschenkulturen aus dem 17. Jahrhundert, und 1627 wurde ein Kirschenmarkt in der Stadt Zug nachgewiesen.
Die Zuger Kirschtorte, die wir heute kennen, wurde 1915 vom Konditor Heinrich Höhn erfunden. Ein Genuss, der ohne die Zuger Kirschen, die für die Produktion von über 60.000 Litern Kirsch jährlich benötigt werden, nicht denkbar wäre. Übrigens: Für die Kirschtorten allein werden rund 15.000 Liter Kirsch verwendet! Doch all das steht auf der Kippe. Im 20. Jahrhundert nahm der Bestand an Kirschbäumen durch Bautätigkeit und einen Rückgang der Landwirtschaft ab. Seit 2008 setzt sich jedoch eine Interessengemeinschaft dafür ein, mit gezielten Anpflanzungen die Tradition am Leben zu halten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Vorfreude auf den nächsten Ägeritaler Chriesitag, der für den 11. Juli 2026 geplant ist, ist bereits spürbar. Künftig soll die Tradition des Kirschenanbaus noch mehr ins Bewusstsein rücken. Schließlich sind rund drei Viertel der über 400 Bauernbetriebe im Kanton aktiv im Kirschenanbau tätig. Das ist nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Leidenschaft, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Mit jedem Bissen von einer saftigen Zuger Kirsche schmeckt man die Geschichte und die Tradition, die dahintersteckt – und das ist es, was diese Region so einzigartig macht.
