Zukunftsfragen: Wie Lokaljournalismus in der digitalen Ära überleben kann
Heute ist der 11.06.2026, und ich sitze hier in Wallis und denke über die Zukunft des Journalismus nach. Ein Thema, das längst nicht nur die Medienlandschaft betrifft, sondern uns alle angeht. Der Medientalk im Polit-Forum Bern hat genau das thematisiert: das Überleben des Journalismus in Zeiten sinkender Werbeeinnahmen und veränderter Nutzungsgewohnheiten. Vertreter aus Medien, Politik und Verwaltung haben sich ausgetauscht – und ja, es war ein echter Schlagabtausch! Der Druck auf den Lokaljournalismus, der immer mehr zu kämpfen hat, wurde unmissverständlich deutlich.
Samuel Studer, der Leiter der Medienforschung beim BAKOM, hat uns mit seinem Medienstrukturbericht 2025 einen tiefen Einblick gegeben. Die Zahlen zeigen einen Nutzungsrückgang, den Aufstieg von Social Media und die bedrohlichen Werbeeinbrüche. Das ist nicht nur ein Problem für große Medienhäuser, sondern auch für die kleinen, feinen Lokalblätter, die oft die Stimme der Region sind. Joël Widmer, Mitgründer von «Hauptstadt», warnt vor einer „Implosion“ der regionalen Medienlandschaft, wenn wir nicht bald staatliche Finanzierungsquellen für unabhängige digitale Angebote finden. Ja, das ist ein Weckruf!
Die Rolle des Lokaljournalismus
Die Diskussion war lebhaft und brachte einige interessante Perspektiven auf den Tisch. Barbara Schaffner, die Nationalrätin der Grünliberalen, plädiert für ein modernes, kanalunabhängiges Fördersystem. Ihre Botschaft war klar: Qualität der Recherche ist entscheidend, nicht die Verbreitungsform. Das ist ein Punkt, den viele von uns nachvollziehen können. Wer mag schon oberflächliche Berichterstattung? Simon Koch brachte die Bedeutung indirekter Fördermodelle ins Spiel und verwies auf die kantonale Unterstützung für Nachrichtenagenturen. Es ist eine Einsicht, die viele geteilt haben: Die bestehenden Förderinstrumente müssen dringend weiterentwickelt werden.
Besonders spannend war die Erkenntnis, dass jüngere Altersgruppen – 14 bis 29 Jahre – eher bereit sind, lokaljournalistische Angebote indirekt zu nutzen. 55% der Befragten möchten sich künftig über Social Media lokal informieren. Das zeigt, dass die Sensibilität für lokale Themen nach wie vor hoch ist. 85% der Menschen wollen wissen, was um sie herum passiert. Das ist eine starke Aussage. Und es gibt sogar noch mehr: 62% empfinden lokale Medien als verbindend mit ihrer Region. Hier wird klar, wie wichtig die lokale Berichterstattung für das Gemeinschaftsgefühl ist.
Die Zukunft des Lokaljournalismus
Wir müssen uns jedoch auch den Herausforderungen stellen. Peter Müller, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, hat es auf den Punkt gebracht: Jammern nützt nichts. Es braucht ein „Level Playing Field“, damit Lokaljournalismus nicht nur überlebt, sondern auch gedeiht. Chefredakteure tragen die Verantwortung für die Richtigkeit der Inhalte, und das ist eine riesige Aufgabe. Markus Knall, Chefredakteur von Ippen Digital, fordert Veränderungen: Lokaljournalismus soll jünger, frischer, digitaler und weiblicher werden. Das klingt nach einem spannenden Ansatz!
Der Medientalk endete mit der Hoffnung auf kreative Initiativen und das Engagement junger Medienschaffender. Ohne politisches Handeln und eine gesellschaftliche Debatte über den Wert unabhängiger Berichterstattung könnte die Vielfalt in der Schweizer Medienlandschaft verloren gehen. Der Verlust dieser Vielfalt wäre nicht nur ein Rückschritt für den Journalismus, sondern auch für unsere Demokratie.
Wer mehr über die Diskussion erfahren möchte, kann sich die vollständige Diskussion und das BAKOM-Referat im YouTube-Livestream anschauen. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen.
