Am 3. Mai wurde im malerischen Staldenried ein Wolf von Wildhütern erlegt. Ein Vorfall, der nicht nur im Wallis, sondern auch weit darüber hinaus für Aufregung sorgt. Der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay hatte zuvor den Abschuss des Tieres genehmigt, was sich jetzt als ein heiß diskutiertes Thema herausstellt. Denn kaum war das Tier tot, legte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) Beschwerde gegen die Abschussbewilligung ein. Ein rechtlicher Konflikt, der die Gemüter erhitzt.
Das Bafu argumentiert, dass der Kanton Wallis eigenmächtig gegen Bundesrecht verstossen hat. Während die Walliser von einem Wolfspaar sprechen, sieht das Bafu das getötete Tier als Teil des Nanztal-Rudels. Und das ist entscheidend, denn Rudel dürfen nur mit Zustimmung des Bafu und in bestimmten Zeiträumen reguliert werden. Der Wolf war bereits tot, als die Beschwerde eingereicht wurde, was die Sache noch komplizierter macht. Jagdchef Nicolas Bourquin erwähnte, dass ein Wolfswelpe 2025 im Nanztal beobachtet wurde, doch eine Reproduktion im gleichen Zeitraum sei nicht dokumentiert.
Widersprüchliche Stimmen
Darbellay selbst kritisierte das Bafu als überbürokratisch und hebt hervor, wie stark der Wolfsdruck auf die Landwirtschaft ist. Laut ihm wurden 20 Prozent der Walliser Schafalpen aufgegeben, und die Wölfe haben auch Lamas gerissen. David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz sieht den Abschuss als Rechtsbruch und fordert die Rückkehr zum bundesrechtlichen Rahmen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Abschüsse von erwachsenen Wölfen im Frühjahr eigentlich verboten sind, da sie häufig für den Nachwuchs sorgen.
Doch diese Debatte ist nicht nur auf das Wallis beschränkt. Die Bundesregierung in Deutschland hat kürzlich die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz beschlossen. Ziel ist die Erleichterung des Abschusses sogenannter Problemwölfe. In Regionen mit hohen Wolfszahlen sollen Länder die Kontrolle der Bestände über die Jagd ermöglichen. Doch Umweltschützer kritisieren diese Änderungen, denn die bestehenden Naturschutzrechte erlauben bereits Maßnahmen gegen auffällige Wölfe. Ein Dilemma, das viele Weidetierhalter betrifft.
Herdenschutz und seine Herausforderungen
Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland rund 1.100 Vorfälle, bei denen Wölfe etwa 4.300 Nutztiere rissen oder verletzten. Das ist eine erhebliche Belastung für die Weidetierhalter. Dabei wurden für Herdenschutzmaßnahmen etwa 23,4 Millionen Euro ausgegeben – eine stattliche Summe! Und dennoch, Herdenschutz ist nicht überall umsetzbar, was die Situation weiter verkompliziert.
Der Deutsche Bauernverband und der Deutsche Jagdverband fordern eine Wende in der Wolfspolitik. Sie appellieren an die politischen Verantwortlichen, die bestehenden Spielräume für eine Wolf-Regulierung zu nutzen. Es braucht ein Sofort-Programm zur Änderung des Naturschutz- und Jagdrechts, um den Wolfsbestand zu reduzieren. Denn der Wolf ist nicht mehr gefährdet, aber er stellt ein ernsthaftes Problem für die Weidetierhaltung dar.
Wie geht es nun weiter mit der Wolfspolitik, sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland? Es bleibt abzuwarten, ob die Stimmen der Weidetierhalter Gehör finden und welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden. Die Diskussion ist lebhaft, und die Herausforderungen sind unübersehbar. Irgendwie wird es spannend bleiben.