Der Winter hat sich in den letzten Jahren und Monaten ganz schön verändert. Das merkten auch die Bergbahnen in der Schweiz, die mit einer bescheidenen Bilanz in die Saison 2023/2024 gestartet sind. Laut dem Branchenverband Seilbahnen Schweiz (SBS) gab es bis zur Mitte Dezember 2023 einen Rückgang von satten 37 Prozent bei den Gästezahlen. Und auch während der Feiertage bis zum 15. Januar 2024 ließ die Nachfrage zu wünschen übrig: 14 Prozent weniger Menschen nutzten die Bahnen im Vergleich zum Vorjahr. Das ist ja fast schon ein Grund, den Glühwein etwas wärmer zu servieren!
Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ende März verwandelten starke Schneefälle die Pisten in ein Winterwunderland – die Bedingungen waren einfach traumhaft! Da könnte man fast meinen, die Skigebiete würden sich erholen. Tatsächlich gab es ab Mitte März einen Anstieg von 28 Prozent bei den Ersteintritten, was den schwachen Saisonstart fast kompensierte. Aber wie man so schön sagt: „Der Schein kann trügen.“ Denn die Anzahl der Gäste war stark abhängig von der Höhenlage der Skigebiete. Oberhalb von 2000 Metern blieb die Zahl auf dem Niveau des Vorjahres, während in den niedrigeren Lagen zwischen 1500 und 2000 Metern ein Rückgang von drei Prozent und unterhalb von 1500 Metern sogar ein Minus von sechs Prozent zu verzeichnen war.
Die Herausforderungen der Schneesicherheit
Ein entscheidender Faktor für die Gästezahlen ist die Schneesicherheit, die in vielen kleineren Skigebieten einfach nicht gegeben war. Das hat die Situation für die Betreiber nicht gerade einfacher gemacht. In der Regionalbetrachtung sieht es auch nicht viel rosiger aus: Während Wallis, Waadt und Freiburg jeweils ein Plus von zwei Prozent verzeichnen konnten, musste die Ostschweiz ein Minus von neun Prozent hinnehmen. Zentralschweiz meldete ein Minus von fünf Prozent – das ist alles andere als erfreulich.
In der DACH-Region, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sind die Wintersportbegeisterten zwar nach wie vor zahlreich, aber die Nachfrage nach Urlaub bei Eis und Schnee ist leicht gesunken. Rund 13 Millionen Deutsche planen, in diesem Winter in die Berge zu fahren. Doch der Klimawandel tut sein Übriges: Die Wintersaison wird immer kürzer, und viele Regionen sind zunehmend auf künstlichen Schnee angewiesen. Über ein Drittel der Deutschen macht einmal jährlich Skiurlaub, und ein weiteres Drittel hat auch schon für die nächste Wintersaison 2024/2025 Pläne geschmiedet.
Ein Blick in die Zukunft der Skigebiete
Der Dezember bleibt der beliebteste Reisemonat für die Winterurlauber; ab April zieht es viele in wärmere Gefilde. Was uns besonders ins Auge sticht: 22 Prozent der Reisenden wählen ihren Zeitpunkt nach der Schneesicherheit im Reiseziel aus. Österreich ist dabei das beliebteste Ziel für 53 Prozent der deutschen Wintersportler. Im Vergleich dazu planen nur etwa sieben Prozent, in Deutschland Urlaub zu machen, obwohl die heimischen Skigebiete im internationalen Vergleich preisgünstig sind – so ist Balderschwang mit 85 Euro pro Tag und der Feldberg mit 86 Euro die günstigsten Optionen.
Die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, sind für die Skigebiete in den Alpen nicht zu unterschätzen. Eine aktuelle Datenauswertung zeigt, dass die Liftkapazitäten in Deutschland seit 1993 um etwa 15 Prozent gestiegen sind, während sie in Österreich um 56 Prozent zulegten. Die Pistenlängen in Deutschland sind nahezu unverändert geblieben, während sie in Österreich um 30 Prozent gewachsen sind. Modernisierungen, wie der Austausch von Schleppliften durch komfortable Sessellifte, sind zwar wichtig, aber die technischen Lösungen alleine werden nicht ausreichen, um die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern.
Ein Ausweg könnte sein, die Sommermonate stärker zu nutzen. Immer mehr Skigebiete setzen auf ein Sommergeschäft, um ihre Abhängigkeit vom Winter zu reduzieren. In Tirol, Salzburg und Vorarlberg machen ausländische Besucher bereits die Mehrheit der Übernachtungen aus – eine Entwicklung, die es zu fördern gilt. So wird der Wintertourismus zwar vor Herausforderungen gestellt, aber die Zukunft könnte dennoch erhellend sein – wenn auch nicht ohne die nötige Anpassung an die Gegebenheiten der Natur.