Am 1. Juli wird es im beschaulichen Écône, Schweiz, einen ganz besonderen Anlass geben – die Weihe von vier Priesterkandidaten der Piusbruderschaft Sankt Pius X. zu Bischöfen. Das klingt nach einem feierlichen Ereignis, und doch schwebt ein Schatten über dieser Zeremonie: Der Vatikan hat vehement Einspruch erhoben. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die Situation entwickelt, denn die Piusbruderschaft steht – wie immer – im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Die vier Kandidaten sind ein buntes Quartett, das sich durch ganz unterschiedliche Hintergründe auszeichnet. Da haben wir zum Beispiel Pascal Schreiber, einen 53-jährigen Priester aus der Schweiz. Aufgewachsen in einer katholischen Familie im Kanton Aargau, trat er 1992 ins Priesterseminar der Piusbrüder ein. Seine Reise führte ihn durch verschiedene Tätigkeiten in Deutschland und der Westschweiz, bevor er seit 2020 als Seminarleiter in Zaitzkofen wirkt. Auch seine Sprachkenntnisse können sich sehen lassen: Deutsch, Französisch, Englisch – er ist gut aufgestellt!
Die anderen Kandidaten
Der zweite im Bunde ist Michael Goldade, 45 Jahre alt und aus den USA. Dieser Priester hat eine ganz besondere Kindheit in einer Familie mit zehn Kindern verbracht. Nach seiner Priesterweihe 2004 in Minnesota führte ihn sein Weg über Armada, Michigan, nach Virginia, wo er seit Sommer 2023 als Direktor eines Priesterseminars tätig ist. Auch er spricht Englisch und Französisch und hat sich Grundkenntnisse in Spanisch angeeignet – ganz schön fleißig!
Weiter geht es mit Michel Poinsinet de Sivry, einem 42-jährigen Priester aus Frankreich, der in einer Familie mit sieben Kindern aufwuchs. Nach seiner Priesterweihe 2008 war er unter anderem für Schuldienste in Südfrankreich und als Leiter einer Pariser Grundschule aktiv. Jetzt ist er Distriktoberer für Benelux. Er beherrscht Französisch und Englisch und lernt gerade Deutsch und Niederländisch – was für ein sprachliches Talent!
Last but not least ist da noch Marc Hanappier, ein 1990 geborener Priester aus Frankreich, der ebenfalls in einer großen Familie mit zehn Kindern aufwuchs. Nach seiner Priesterweihe 2013 hat er sich im Schulwesen und als Dozent in Virginia engagiert. Auch er bringt ein breites Spektrum an Sprachkenntnissen mit: Französisch, Englisch und hat sich zusätzlich Deutsch und Spanisch beigebracht.
Der Hintergrund der Weihe
Die Weihe selbst wird von Bischof de Castro Mayer und mehreren anderen Anwesenden zelebriert. Trotz der Vorfreude auf diesen festlichen Anlass hat der Vatikan bereits seine Bedenken geäußert. Ein Brief des Papstes, überbracht durch einen Abgesandten der Nuntiatur in Bern, hat deutlich gemacht, dass die Weihe als kritischer Punkt im Verhältnis zwischen der Piusbruderschaft und Rom gesehen wird. Der Redner während der Zeremonie wird betonen, dass diese nicht als Schisma verstanden werden soll. Vielmehr soll sie die Verbundenheit mit Rom und der katholischen Tradition bekräftigen – eine Art Brücke in stürmischen Zeiten.
Es wird auch auf die Lehren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingegangen, die von den Piusbrüdern als Irrtümer bezeichnet werden. Der Redner sieht die Kirche in einem Zustand des Notstandes und kritisiert die gegenwärtigen Verhältnisse. Trotz aller Widrigkeiten betont er, dass die Tradition der Kirche bewahrt werden muss. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Konflikt weiter entfalten wird.
Ein schwieriger Dialog
In der Zwischenzeit hat die Piusbruderschaft einen „spezifisch theologischen“ Dialog mit dem Heiligen Stuhl abgelehnt. Generaloberer Davide Pagliarani informierte Kardinal Víctor Manuel Fernández über diese Entscheidung. Die Bruderschaft plant, am 1. Juli die neuen Bischöfe zu weihen, und sieht darin eine Notwendigkeit für das Überleben ihrer Tradition. Fernández hatte einen Dialog vorgeschlagen, um die Bischofsweihen auszusetzen und klar definierte Themen zu besprechen – doch Pagliarani wies diesen Vorschlag zurück. Die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Liturgiereform dürfen nicht in Frage gestellt werden, so seine Meinung.
Die Piusbruderschaft sieht sich selbst als Hüter der wahren Lehre und hat das Gefühl, dass die Anklagen gegen sie ungerechtfertigt sind. Es bleibt zu hoffen, dass die tiefen Gräben, die zwischen Rom und der Piusbruderschaft entstanden sind, eines Tages überwunden werden können – vielleicht durch eine Rückkehr zur Tradition, die in Rom wieder anerkannt wird. Bis dahin bleibt das Geschehen in Écône ein spannendes und emotional aufgeladenes Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche.