Die Wurzeln der AgriViva reichen bis ins Jahr 1946 zurück, als sie unter dem Namen Landdienst gegründet wurde. Die damalige Gründung war nicht einfach eine Idee aus dem Nichts; sie basierte auf den schmerzlichen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Man wollte eine Brücke schlagen zwischen der Bevölkerung und der Landwirtschaft, um das Bewusstsein für die einheimische Lebensmittelproduktion zu stärken. Heute, 80 Jahre später, feiert AgriViva nicht nur eine bewegte Geschichte, sondern auch eine wichtige Modernisierung. Mit einem frischen Corporate Design und einer neuen Webseite, die ein integriertes ERP- und Vermittlungsportal beinhaltet, wird die Vermittlungstätigkeit nun schweizweit vereinfacht und digitalisiert. Die zentrale Datenbewirtschaftung erlaubt es, regionale Stellen gezielt zu unterstützen und sicherzustellen, dass die Qualität hoch bleibt.
Die neue Plattform ist ein wahrer Gewinn für die Bauernfamilien, die ihren Betrieb authentisch präsentieren und sich vernetzen können. Und das ist noch nicht alles! Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren finden in ihrem AgriViva-Konto die notwendigen Informationen zu ihren Einsätzen. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich das Engagement junger Menschen im ländlichen Raum positiv auf deren Verständnis für die Landwirtschaft auswirkt. Der direkte Kontakt zwischen den Bauernfamilien und den Jugendlichen fördert nicht nur die Verständigung, sondern auch ein Bewusstsein für die Natur und die Bedeutung von regionalen Produkten.
Das Engagement junger Menschen
AgriViva bietet den Jugendlichen eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, praktische Erfahrungen zu sammeln und neue Perspektiven zu gewinnen. Über 775 Jugendliche haben im Jahr 2025 mehr als 12.100 Einsatztage auf Schweizer Bauernhöfen geleistet. Im Durchschnitt verbrachten sie 15,5 Tage auf einem Betrieb – nicht gerade ein Kurztrip, aber eine wertvolle Zeit, in der sie aktiv mithelfen konnten. Besonders gefragt sind Einsätze, die mit einem Sprachaufenthalt kombiniert werden. Die Jugendlichen aus der Schweiz und dem EU/EFTA-Raum melden sich begeistert an, um einen Alltag abseits von Schule und Stadt zu erleben.
Die Gastfamilien wiederum profitieren von der Unterstützung im Alltag und der frischen Begeisterung junger Menschen für die Landwirtschaft. Oft halten die kulturellen Austauschprozesse über die Einsätze hinaus an. Viele Jugendliche absolvieren ihren Einsatz im Rahmen eines von der Schule vorgeschriebenen Sozialpraktikums. Das ist eine Win-Win-Situation, die sowohl die Jugendlichen als auch die Bauernfamilien näher zusammenbringt.
Herausforderungen und Chancen
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Es ist nicht immer leicht, genug Jugendliche für die Einsätze zu begeistern, während gleichzeitig genügend Gastfamilien gefunden werden müssen, um die Nachfrage zu decken. Viele Bäuerinnen und Bauern haben zusätzlich einen Job außerhalb des Hofes, was die Bereitstellung von Einsätzen erschwert. Dennoch gibt es ein enorm großes Interesse, besonders von Seiten der Jugendlichen aus der Deutschschweiz, die gern in die Romandie reisen.
AgriViva sucht ständig nach neuen Gastfamilien, um die Anzahl der Einsatzplätze zu erhöhen. Die Zahl der Teilnehmer steigt, und im Jahr 2024 haben bereits über 900 Jugendliche einen Agriviva-Einsatz absolviert. Das zeigt, wie wichtig es ist, den Austausch zwischen Stadt und Land zu fördern und das Bedürfnis junger Menschen nach einer aktiven Zeit in der Natur zu unterstützen.
Digitalisierung in ländlichen Regionen
In einer Zeit, in der der digitale Wandel auch vor ländlichen Regionen nicht haltmacht, spielt AgriViva eine entscheidende Rolle. Die Initiative „Land.Digital“ fördert den digitalen Wandel in diesen Gebieten und testet verschiedene Konzepte, um moderne Informations- und Kommunikationstechnologien zu nutzen. Dies könnte auch für AgriViva von Bedeutung sein, da die Ergebnisse solcher Projekte zeigen, wie wichtig es ist, die Zielgruppen frühzeitig einzubinden und sich mit Finanzierungsmöglichkeiten zu beschäftigen.
Die Herausforderungen sind vielfältig, aber die Erfolge sind ebenfalls beeindruckend. Ein Beispiel ist das Projekt „Dorfkonsum Plus“, das Dorfläden als Online-Shops digitalisiert, um dem Dorfladensterben entgegenzuwirken. Solche Projekte könnten auch für die Landwirtschaft von Bedeutung sein, um den direkten Kontakt zwischen den Bauern und der urbanen Gesellschaft zu stärken und gleichzeitig die Bedeutung der einheimischen Landwirtschaft zu vermitteln. Das ist ein spannendes Feld, in dem noch viel Potenzial steckt!