Am 28. Mai 2025 rollte ein gewaltiger Bergsturz über das malerische Dorf Blatten im Walliser Lötschental und verschüttete rund 90 Prozent des Ortes. Die Kirche, etwa 130 Häuser – alles versank unter den tonnenschweren Schuttmassen. Ein durch den Schutt aufgestauter See sorgte dafür, dass das, was nicht begraben wurde, auch noch unterging. Ein richtiges Desaster, das viele Fragen aufwirft.

Glücklicherweise blieben die meisten Menschenleben verschont, doch ein Schäfer gilt als vermisst. Unter den Betroffenen ist auch Jean-Marc Tétaz, ein Philosoph und Theologe, dessen gesamte Bibliothek mit 5000 Büchern durch die Naturgewalt zerstört wurde. Tétaz fordert nun vom Kanton Wallis rund 200.000 Franken Schadenersatz. In seinem Schlichtungsgesuch verlangt er 211.900 Franken für Schäden, die nicht von seiner Haftpflichtversicherung gedeckt sind. Neben den Büchern und Manuskripten verlor er auch die Memoiren seines Großvaters, die aus 700 handgeschriebenen Seiten bestanden.

Ein schwieriger Weg zur Entschädigung

Tétaz kritisiert, dass er nur zwei Stunden Zeit hatte, um seine wertvollen Besitztümer in Sicherheit zu bringen. Am Tag der Evakuation sprach er noch mit einem Kantonsgeologen, der ihm versicherte, sein Chalet sei nicht bedroht. Ein fatales Missverständnis, das die Tragik der Situation nur noch verstärkt. Der Schlichtungsantrag liegt mittlerweile bei den Walliser Behörden in Sitten, doch der Kanton Wallis hält sich mit Kommentaren zu laufenden Verfahren bedeckt.

Parallel zu Tétaz’ Klage diskutiert das Walliser Kantonsparlament ein dringliches Dekret zur Unterstützung der Gemeinde Blatten. Das Ziel ist klar: schneller Wiederaufbau des Dorfes und eine Auslegung der Gesetze, die weniger streng ist. Für die nächsten fünf Jahre soll die Walliser Regierung bis zu 30 Millionen Franken ohne Zustimmung des Parlaments für den Neubau der Kantonsstraße, eine provisorische Luftseilbahn und Schutzbauten einsetzen können. Zuvor waren es gerade einmal 4 Millionen Franken. Das Eintreten für dieses Dekret wurde mit 119 zu 8 Stimmen beschlossen – ein deutlicher Wille, die Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Dennoch gibt es Vorbehalte, vor allem von der FDP und den Grünen, die eine Überarbeitung des Dekrets fordern.

Ein Blick in die Zukunft

Die Diskussion über das Dekret wird am Donnerstag fortgesetzt. Die Hoffnung ist, dass dieses auch anderen Gemeinden in ähnlichen Situationen zugutekommen kann. Schließlich ist Blatten nicht der einzige Ort, der mit den Folgen von Naturereignissen kämpfen muss. Laut dem Bundesamt für Statistik sind die Schäden durch Naturereignisse in der Schweiz ein ernsthaftes Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Daher ist es wichtig, dass aus den Erfahrungen in Blatten Lehren gezogen werden, um zukünftige Katastrophen besser zu bewältigen.

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Es bleibt abzuwarten, wie die Situation weiterverläuft und ob Tétaz die Entschädigung erhält, die er fordert. Eines ist sicher: Die Natur hat ihre eigene Sprache, und sie ist manchmal sehr, sehr laut.