Die eindrucksvollen Berglandschaften des Wallis, besonders um den Oigschtchummun-Gletscher, stehen derzeit im Fokus der Aufmerksamkeit. In den letzten Monaten hat sich hier einiges getan. Der Gletscher oberhalb der Fafleralp, der seit langem als potenzielles Risiko gilt, bewegt sich seit dem vergangenen Winter merklich talwärts. Das klingt nicht nur gefährlich, es ist es auch! Eis und Geröll drohen, die Kantonsstrasse zwischen Blatten und der Fafleralp zu gefährden. Ein Szenario, das die Vorbereitungen für den bevorstehenden Neustart des Tourismus auf der Fafleralp erheblich beeinflussen könnte, denn Hotels und Gastbetriebe planen, am 4. Juli wieder zu öffnen. Doch wie es aussieht, könnte die Natur hier ein Wörtchen mitreden.
Die Gemeinde Blatten hat bereits Maßnahmen ergriffen und eine umfassende Überwachung des Gletschers angeordnet. Das ist auch dringend notwendig, denn wir erinnern uns alle noch an die tragischen Ereignisse des letzten Jahres. Am 28. Mai 2025 kam es zu einem katastrophalen Abbruch des Birchgletschers, bei dem große Teile der Gemeinde verschüttet wurden und eine Person ihr Leben verlor. Die Geschehnisse haben die Gemeinde sensibilisiert und die Bürger:innen sind alarmiert. Der Oigschtchummun-Gletscher, der südlich der Fafleralp im Schatten des Breitlauijochs liegt, ist nicht gerade ein unbekannter Akteur in der Gletscherforschung – seine Gletscherfront thront auf etwa 2600 Metern Höhe und wird seit Jahren intensiv beobachtet.
Die Risiken der Gletscherschmelze
Besonders auffällig: In den letzten Monaten wurden am Oigschtchummun-Gletscher bereits einzelne Abbrüche beobachtet. Auch wenn der Abschnitt der Kantonsstrasse zwischen Blatten und der Fafleralp beim Abbruch im Mai 2025 unbeschädigt blieb, bleibt die Frage nach dem Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Strasse und des Wanderwegnetzes unklar. Das lässt die Vorfreude auf die Sommersaison im Wallis etwas gedämpft erscheinen. Die Gemeinde hat angekündigt, Ende Mai aktuelle Informationen zur Lage auf ihrer Website zu veröffentlichen – das ist sicher eine gute Sache, denn Transparenz ist in Krisenzeiten wichtig.
Die Situation hier ist nicht isoliert zu betrachten. Weltweit gibt es mehr als 275.000 Gletscher, die durch den Klimawandel stark gefährdet sind. Immer wieder lesen wir von Gletscherschmelze und ihren verheerenden Folgen. Laut einer Studie der Universität Zürich haben Gletscher seit 2000 jährlich etwa 273 Milliarden Tonnen Eis verloren. Besonders die Alpen, die Anden und der Himalaya sind betroffen. Hier könnte die Hälfte der Gletscher bis zum Ende des Jahrhunderts verschwinden! Das ist nicht nur eine Herausforderung für die touristische Infrastruktur, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf die Wasserversorgung, Ökosysteme und das Klima insgesamt.
Ein Gletscher, wie der Oigschtchummun, speichert etwa 70 Prozent des globalen Frischwassers. Über drei Milliarden Menschen sind auf Schmelzwasser angewiesen. Wenn wir uns die Daten von 2023 und 2024 anschauen, dann wird schnell klar, dass die Schmelze dramatische Auswirkungen auf den Meeresspiegel hat – und damit auf die Küstenregionen, die immer mehr von Überschwemmungen bedroht sind. Der Rückgang der Gletscher destabilisiert nicht nur Klimazyklen, sondern gefährdet auch die biologische Vielfalt.
Mit 2025 steht das Internationale Jahr des Gletschererhalts vor der Tür. Forscher hoffen auf Investitionen in die Gletscherüberwachung, denn ohne präzise Messnetze können wir die Naturgefahren nicht richtig einschätzen. Die Zeit drängt und es braucht sofortige Maßnahmen, um den Gletscherschwund zu verlangsamen. Aber es gibt auch Hoffnung. Der konsequente Klimaschutz könnte vielleicht das Ruder herumreißen, auch wenn viele Gletscher in den Alpen in den nächsten 50 Jahren verschwinden könnten, selbst bei optimistischen Prognosen.
Es bleibt spannend, wie sich die Lage am Oigschtchummun-Gletscher entwickeln wird und welche Auswirkungen dies auf die Region haben wird. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, und manchmal müssen wir uns einfach anpassen.