Die Brandkatastrophe in Crans-Montana am Silvesterabend 2025 hat nicht nur unermessliches Leid über 41 Familien gebracht, sondern auch eine Welle an rechtlichen und politischen Konsequenzen ausgelöst. Gemeindepräsident Nicolas Féraud hat sich nun der Staatsanwaltschaft gestellt, um in einem zwölfstündigen Verhör, das am 13. April 2026 stattfand, die Fragen zu beantworten, die im Zusammenhang mit dieser schrecklichen Tragödie stehen. Die Vorwürfe des Versagens der Behörden liegen schwer im Raum und werfen ein grelles Licht auf die Brandschutzpraktiken im Kanton Wallis.
Die Walliser Verordnung sieht jährliche Brandschutzkontrollen für öffentlich zugängliche Gebäude vor. Doch im Fall des «Constellation», dem Ort des Unglücks, wurden diese Kontrollen seit 2019 vernachlässigt. Féraud, selbst Beschuldigter in diesem Verfahren, hat die Verantwortung für die versäumten Kontrollen weitgehend auf den Kanton geschoben, der seiner Meinung nach eine übergeordnete Aufsicht hätte führen müssen. «Die Beteiligung des Kantonalen Amts für Feuerwesen (KAF) an den Brandschutzaufgaben war quasi inexistent», so Féraud.
Ein System im Versagen?
Die Ermittlungen richten sich gegen elf kommunale Beamte und Politiker, einschließlich Féraud. Die Staatsanwaltschaft hat bereits zahlreiche Berichte erhalten, die belegen, dass zwischen 2018 und 2021 Hunderte von Kontrollen versäumt wurden. Ein ehemaliger Sicherheitskontrolleur hat zudem bestätigt, dass er wiederholt auf fehlende Mittel für die notwendigen Kontrollen hingewiesen hatte. Féraud äußerte, dass er nichts von den Mängeln bei den Kontrollen gewusst habe, was jedoch angezweifelt wird.
In einem emotionalen Auftritt bat er um Verzeihung bei den Opfern, die Angehörige verloren haben, sowie bei den 115 schwer verbrannten Personen. Doch die Spannungen zwischen der Gemeinde und dem KAF sind hoch, und Féraud berichtete sogar von Morddrohungen gegen ihn und seine Familie. Er kritisierte zudem, dass das KAF nie eine Rückmeldung zu den Sicherheitsberichten der Gemeinde gegeben habe.
Gesetzliche Rahmenbedingungen und Verantwortung
Wie die gesetzlichen Brandschutzvorschriften vorsehen, sind Betreiber und Eigentümer von öffentlichen Gebäuden für die Einhaltung der Brandschutzauflagen verantwortlich. Diese beinhalten nicht nur die Ausstattung mit Feuerlöschern und Notbeleuchtung, sondern auch die regelmäßige Schulung von Brandschutzhelfern. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist entscheidend für sicheren Betrieb und Genehmigungsfähigkeit. Die Rolle der Gemeinden und des Kantons muss in diesem Kontext klar definiert werden, um zukünftige Katastrophen zu vermeiden.
Die tragischen Ereignisse in Crans-Montana werfen somit nicht nur Fragen zur Verantwortlichkeit auf, sondern auch zur Notwendigkeit einer umfassenden Reform der Brandschutzpraktiken im Kanton Wallis. Im Mai und Juni sind weitere Anhörungen durch die Staatsanwaltschaft geplant, um die offenen Fragen zu klären. Ein Treffen zwischen dem Walliser Staatsratspräsidenten und dem italienischen Botschafter soll ebenfalls zur Klärung beitragen.
Die Brandkatastrophe ist ein schmerzhafter Weckruf für die Verantwortlichen und die gesamte Gesellschaft, die Bedeutung des Brandschutzes nicht nur als gesetzliche Pflicht, sondern als grundlegende Sicherheitsmaßnahme zu begreifen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich solch eine Tragödie nicht wiederholt.