Die Tragödie in Crans-Montana hat nicht nur menschliches Leid und massive Sachschäden verursacht, sondern auch eine ganze Reihe von unpassenden Kommentaren ausgelöst. Gerade jetzt, wo es um die Verantwortung der öffentlichen Hand und die Sicherheit der Bürger:innen geht, wird deutlich, dass die Fingerzeigerei und die Schuldzuweisungen an die Adresse der Eigentümer des Constellation nicht nur unangebracht, sondern auch gefährlich sind. Mathias Reynard, der Präsident des Walliser Staatsrats, hat sich schon moralisch geäußert und betont, wie wichtig das Vertrauen in die Institutionen ist. Aber kann man das in dieser Situation wirklich aufrechterhalten?

Die Eigentümer des Constellation werden zunehmend als profitorientiert und regelmissachtend gesehen, was nicht von der Hand zu weisen ist. Der Keller des Constellation galt als unsicher, und die letzte Kontrolle fand bereits 2019 statt. Das wirft Fragen auf, denn nur weniger als ein Drittel der öffentlichen Betriebe in Crans-Montana wurden 2025 kontrolliert. Mangelnde Kontrollen sind ein weit verbreitetes Problem, nicht nur in Crans-Montana, sondern im gesamten Wallis und der Schweiz. Schätzungen zufolge entsprechen mindestens 50% der Gebäude nicht den Brandschutzvorschriften. Und das ist nicht alles – die bundesrechtlichen Regelungen für Brandschutz und Arbeitssicherheit lassen extrem zu wünschen übrig.

Die Rolle der Gemeinde

Ein zentraler Aspekt in dieser Diskussion ist die Rolle der Gemeinde im Brandschutz. Gemäß dem kantonalen Brandschutzrecht muss die Gemeinde als zentrale Vollzugsbehörde agieren. Das bedeutet, dass sie für die Prüfung von Baugesuchen, die Anordnung von Auflagen sowie die Durchführung von Brandschutzkontrollen zuständig ist. Man könnte meinen, das sei selbstverständlich, nicht wahr? Doch die Realität sieht oft anders aus. Die Gemeinde ist gesetzlich verpflichtet, Kontrollen regelmäßig und systematisch durchzuführen. Mängel in der Organisation können zu ernsthaften Haftungsfragen führen.

Die Brandkatastrophe hat nicht nur Fragen zur Verantwortung aufgeworfen, sondern auch die Unzulänglichkeiten im präventiven Brandschutz offengelegt. Wenn man bedenkt, dass die Gemeinde Crans-Montana ähnliche Regelungen wie der Kanton Uri hat, wird deutlich, dass hier Handlungsbedarf besteht. Es ist nicht nur eine Frage des Gesetzes, sondern auch eine Frage des Schutzes von Personen, Tieren und Sachwerten. Der Brandschutz basiert auf dem Gesetz zum Schutz gegen Feuer und Naturelemente (GSFN), und die Verantwortung bleibt bei der Gemeinde, auch wenn Aufgaben delegiert werden.

Öffentliche Debatte und politische Verantwortung

In der aktuellen Debatte gibt es Stimmen, die eine klare Forderung nach einem Paradigmenwechsel stellen. Soziale Bedürfnisse sollten Vorrang vor der Gewinnmaximierung haben. Nicolas Féraud hat die Aussage, dass die Eigentümer als Opfer der Tragödie gesehen werden, als unangemessen kritisiert. Es sind nicht nur die Ereignisse in Crans-Montana, die alarmierend sind – auch ähnliche Vorfälle, wie der Einsturz eines Baugerüsts in Prilly, zeigen, dass die Probleme tief verwurzelt sind. Die Staatsanwaltschaft steht in der Kritik, und die Verbindungen zwischen Ermittlern und politischen Akteuren werfen Fragen zur Unparteilichkeit auf.

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Ein weiterer Punkt, der nicht unbeachtet bleiben sollte, ist die unzureichende Ausstattung der Gemeinden mit Personal und finanziellen Mitteln für die notwendigen Kontrollen. FDP-Nationalrätin Patricia von Falkenstein hat darauf hingewiesen, dass es an der Zeit ist, mehr Ressourcen für die Gemeinden bereitzustellen. Aber wie kann man das erreichen? Die Diskussion über die Einführung einer obligatorischen kantonalen Gebäudeversicherung in weiteren Kantonen könnte einen Ansatz bieten, um verschiedene Aufgaben zu bündeln und die Qualität der Kontrollen zu sichern.

Egal, wie man es dreht und wendet, die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat eine Welle der Besorgnis ausgelöst. Während die Verletzten behandelt werden und man dem medizinischen Personal für ihren unermüdlichen Einsatz dankt, bleibt die Politik in einem Dilemma gefangen – Sparmaßnahmen stehen im Raum, während die grundlegenden Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen und im Brandschutz weiterhin zu wünschen übrig lassen. Es bleibt zu hoffen, dass aus dieser Tragödie nicht nur Lehren gezogen werden, sondern auch konkrete Maßnahmen ergriffen werden, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.