In den letzten Tagen gab es in der Westschweiz eine interessante, ja fast schon historische Aktion. Die Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Waadt wurde in der kleinen Gemeinde Siviriez FR leicht angepasst. Ein eher unscheinbares Ereignis, könnte man meinen, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich das ganze Gewicht dieser Maßnahme. Im Rahmen einer Güterzusammenlegung wurden mehrere historische Grenzsteine versetzt – und das ist nicht einfach nur ein bürokratischer Akt, sondern ein Stück lebendige Geschichte.

Einige Vertreter der beiden Kantone bezeichneten die Aktion als „seltenes Ereignis von historischem, territorialem und technischem Interesse“. Geometer Pierre Dumas erklärte, dass solche Eingriffe eher selten sind. Die letzte Anpassung der Grenzen fand vor rund zehn Jahren statt. Ziel ist es, die Eigentumsgrenzen und die Kantonsgrenze wieder in Einklang zu bringen. Und das ist, ehrlich gesagt, keine kleine Sache. Die Territorien der beiden Kantone bleiben zwar unverändert, doch die versetzten Grenzsteine – die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert – tragen Geschichten in sich, die weit über Zahlen und Karten hinausgehen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Ein kleiner Exkurs in die Geschichte kann nicht schaden. Der Kanton Freiburg lag ab 1536/1555, nach der Eroberung der Waadt und dem Kauf der Grafschaft Greyerz, im alten bernischen Staatsgebiet. Erst 1798 wurde die Helvetische Republik gegründet, und 1803 kam der Kanton Waadt hinzu. Die Grenzsteine, die nun versetzt wurden, stammen teilweise ebenfalls aus dieser Zeit. Die meisten, die in Siviriez umgelegt wurden, sind sogar aus dem Jahr 1727. Historische Zeugnisse, die Wappen, Nummern und Jahreszahlen tragen, und die trotz der modernen Zeiten, in denen wir leben, immer noch eine Verbindung zur Vergangenheit herstellen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Bestandsaufnahme der Kantonsgrenzsteine, die von 2016 bis 2018 stattfand. Dabei wurden 406 historische Grenzsteine an der rund 300 Kilometer langen Grenze zwischen Freiburg und Waadt erfasst. Diese Steine erzählen nicht nur von den territorialen Veränderungen, sondern auch von der Stabilität der Freiburger Seite über die Jahrhunderte hinweg. Leider zeigt ein Vergleich mit einem interkantonalen Grenz-Verbal von 1855, dass über 1000 Objekte verloren gegangen sind. Vor 150 Jahren zählte man noch 1483 Grenzsteine.

Der Wert der Grenzsteine

Grenzsteine sind nicht nur einfache Monumente aus Stein; sie sind wichtige Zeugen der Vergangenheit und zeigen die Grenzen zwischen ehemaligen Herrschaften. Sie spiegeln Machtverhältnisse wider, die bis in die Gegenwart nachwirken. Komischerweise verschwinden viele dieser Hoheitssteine aus ihrem historischen Kontext, was das Nachvollziehen der Geschichte erschwert. Es gibt sogar Menschen, die diese Steine als Einzelkunstwerke betrachten und sie in Lapidariums ausstellen. Das Projekt „Historische Grenze“ widmet sich der Forschung und dem Denkmalschutz dieser wertvollen Objekte. Es ist spannend zu sehen, wie viel Engagement in die Erhaltung und den Schutz dieser steinernen Zeitzeugen gesteckt wird.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Arbeiten in Siviriez waren ursprünglich für Juni 2025 geplant, wurden jedoch aufgrund des Wetters vorgezogen. Ein bisschen Ironie liegt darin, dass die Natur, die sonst oft für Verzögerungen sorgt, hier nun dazu beigetragen hat, dass wir einen Blick auf die Geschichte werfen konnten, die uns umgibt. Die versetzten Grenzsteine stehen nun wieder am richtigen Platz und bewahren damit nicht nur die Grenzen zwischen Freiburg und Waadt, sondern auch die Geschichten ihrer Zeit.