Schweizer Gefängnisse am Limit: Wie kreative Rekrutierung gegen die Überbelegung ankämpft
In den Gefängnissen der Schweiz, insbesondere im Kanton Waadt, schlägt das Pendel der Überbelegung alarmierend aus. In den letzten zehn Jahren hat sich die Situation mehr als verschärft. Immer häufiger wird das Thema Haftbedingungen laut, und nicht nur die Inhaftierten sind betroffen. Das Kantonsparlament in Lausanne hat die Umstände als „unmenschlich und entwürdigend“ kritisiert. Das ist schon ein starkes Stück! Aber nicht nur die Bedingungen sind kritisch, auch der akute Personalmangel im Strafvollzug macht den Verantwortlichen zu schaffen.
Geografieprofessorin Julie de Dardel bringt es auf den Punkt: Es sind nicht die fehlenden Plätze, die das Problem sind, sondern vielmehr die hohe Anzahl an Inhaftierungen. Und wie will man das ändern? Der Kanton Waadt hat sich eine kreative Lösung einfallen lassen: Infoabende zur Rekrutierung von Gefängnispersonal. Statt herkömmlicher Stellenanzeigen sollen diese Veranstaltungen potenzielle Kandidaten anlocken. Allen voran, Menschen aus anderen Berufen – wie etwa Kinderbetreuerinnen – die sich vorstellen können, in der Justiz zu arbeiten. Der erste Informationsabend in Cossonay, wo etwa 40 Interessierte erschienen sind, war ein Schritt in die richtige Richtung. Besonders positiv: Ein Viertel der Anwesenden waren Frauen, was in einem traditionell männerdominierten Beruf ein hoffnungsvolles Zeichen ist.
Ein Beruf mit Herausforderungen
Fatih Yaman, ein Personalberater, beschreibt die Rekrutierung als echte Herausforderung. Und das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Anforderungen für den Job hoch sind. Ein Schweizer Pass oder eine Niederlassungsbewilligung C, eine abgeschlossene Berufslehre und ein blütenweißer Strafregisterauszug sind Pflicht. Jacques, ein erfahrener Aufseher, spricht von einem dreijährigen Ausbildungsprogramm für Justizvollzugsbeamte und betont, dass die Arbeit immer anspruchsvoller wird. Die individuelle Betreuung der Inhaftierten wird als besonders wichtig angesehen, denn die Fähigkeit, mit menschlichem Leid umzugehen, ist in diesem Beruf unerlässlich.
Die Überbelegung in Schweizer Gefängnissen ist ein weit verbreitetes Problem. Die aktuelle Belegungsrate liegt bei 94,5%, dem höchsten Wert seit 2014. Das ist nicht nur ein statistischer Wert, sondern hat auch praktische Auswirkungen. In vielen Einrichtungen wird versucht, mit Containern und Klappbetten zusätzliche Plätze zu schaffen. Und so kommt es, dass die Situation in der Westschweiz noch kritischer ist, wo teilweise deutlich überbelegt wird. In Zürich etwa müssen die Gefängnisse einen Sondereffort leisten, um die Gefangenen unterbringen zu können.
Stress und Frustration
Die Überbelegung hat nicht nur Auswirkungen auf die Inhaftierten, sondern auch auf die Mitarbeitenden. Sie müssen mehr Gefangene betreuen, was zu erhöhtem Stress führt. Wartezeiten verlängern sich, was zu Frustration und aggressivem Verhalten unter den Inhaftierten führen kann. Das ist eine explosive Mischung, die niemanden kalt lässt. Die Lage ist angespannt, und eine Entspannung ist laut KKLJV nicht in Sicht.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass durch die Infoabende im Kanton Waadt mehr Menschen für diesen herausfordernden, aber auch erfüllenden Beruf gewonnen werden können. Vielleicht wird die nächste Generation von Justizvollzugsbeamten ja sogar aus den Reihen der Kinderbetreuerinnen rekrutiert. Ein interessanter Gedanke, oder? Die Situation ist komplex, aber der Wille zur Verbesserung ist spürbar. Wer mehr über den Zustand der Justizvollzugsanstalten in der Schweiz erfahren möchte, findet weitere Informationen auf bfs.admin.ch.
