Eine Reise ins Herz des Glaubens – das klingt nach einem spannenden Abenteuer, oder? Der Thurgauer Regierungsrat hat genau das erlebt, als er nach Rom reiste, um an der Vereidigung der Päpstlichen Schweizergarde teilzunehmen. Zum ersten Mal war der Thurgau als Gastkanton bei dieser ehrwürdigen Zeremonie vertreten. Am 6. Mai, einem Tag mit historischem Gewicht, legte Regierungspräsident Dominik Diezi einen Kranz zum Gedenken an die 147 gefallenen Gardisten nieder, die 1527 während der Plünderung Roms ihr Leben ließen. Man kann sich die Atmosphäre vorstellen – ein Moment der Ehrfurcht und des Gedenkens, der die Geschichte lebendig werden ließ.
Die Reise war nicht nur eine symbolische Geste. Ganze 400 Thurgauerinnen und Thurgauer begleiteten die Delegation und erlebten die Vereidigung von 28 neuen Schweizergardisten hautnah. Diese Männer schworen, dem Papst „treu, redlich und ehrenhaft zu dienen“ – ein feierlicher Schwur, der den Kern ihrer Aufgabe als Leibwache des Pontifex prägt. Und das ist nicht irgendein Job: In einem Ernstfall wäre die Schweizergarde die einzige Schweizer Armee, die tatsächlich ihren Auftrag erfüllen könnte. Klingt nach einer verantwortungsvollen Aufgabe, oder?
Ein Blick hinter die Kulissen
Bevor es zur Vereidigung kam, hatte die Thurgauer Regierung noch einen besonderen Termin: ein persönliches Treffen mit Papst Leo XIV. Während der wöchentlichen Generalaudienz traf man auf den Oberhaupt der katholischen Kirche. Man kann sich vorstellen, wie aufgeregt die Delegation war – ein Treffen, das sicherlich in die Annalen der Thurgauer Geschichte eingehen wird.
Nach dem Treffen wurden die Thurgauer mit einem exklusiven Besuch der Sixtinischen Kapelle und des päpstlichen Palastes belohnt. Wer hätte gedacht, dass ein solcher Einblick in die Schatzkammer des Vatikans auf dem Programm steht? Die Schweizergarde, gegründet 1506 von Papst Julius II., hat eine lange und bewegte Geschichte. Vom ersten Kontingent von Schweizer Reisläufern, das zum Schutz des Vatikans eingestellt wurde, bis hin zu den heutigen Gardisten, die unter strengen Voraussetzungen in die Garde eintreten können – das ist eine Tradition, die für viele Schweizer eine besondere Bedeutung hat.
Kritische Stimmen und finanzielle Überlegungen
Doch nicht alle waren von der Reise begeistert. Kritische Stimmen im Thurgau hinterfragten die Notwendigkeit, dass der gesamte Regierungsrat nach Rom reist. Immerhin, im Jahr 2023 hatte die Aargauer Regierung 700.000 Franken an den Vatikan überwiesen, ohne dass eine Volksabstimmung stattfand. Im Thurgau entschied man sich, auf weitere Geschenke zu verzichten, um die finanziellen Gegebenheiten des Kantons zu berücksichtigen. Es ist ein Balanceakt – die Ehrfurcht vor der Tradition und die Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern.
Die Vereidigung der Schweizergarde ist mehr als nur ein festlicher Anlass. Sie ist ein Gedenktag, der jährlich gefeiert wird und die Verbindung zwischen der Schweiz und dem Vatikan symbolisiert. In einer Zeit, in der die Welt immer komplexer wird, bleibt die Schweizergarde als letzte militärische Formation des Heiligen Stuhls ein faszinierendes Relikt vergangener Zeiten. Ein Stück Geschichte, das bis heute lebendig ist und die Menschen in seinen Bann zieht.