Im malerischen Thurgau hat die Initiative von Pro Natura Thurgau zur Förderung von Naturgärten ein neues Kapitel aufgeschlagen. Im Rahmen dieses Projekts wird der Rückgang der Artenvielfalt im Siedlungsraum bekämpft, und Gartenbesitzer haben die Möglichkeit, ihre Gärten naturnah zu gestalten und dafür sogar zertifiziert zu werden. Ein herausragendes Beispiel ist der Garten von Hans-Ueli Wellauer in Weinfelden, der nicht nur mit einheimischen Pflanzen wie Buschwindröschen, Nachtviolen und Wiesensalbei geschmückt ist, sondern auch ein aktives Habitat für Insekten und Wildbienen bietet. Ein Wildbienenhotel sorgt zusätzlich für ein reges Treiben in diesem kleinen Paradies.
Das nationale Projekt „Bonjour Nature“, das von Pro Natura Schweiz organisiert und finanziert wird, soll bis 2028 landesweit ausgeweitet werden. Damit können nun auch Gartenbesitzer in Zürich, St.Gallen und im Waadtland ihre Gärten zertifizieren lassen. „Bonjour Nature“ zielt darauf ab, die natürliche Vielfalt in Gärten zu fördern und bietet kostenlose Beratungen an, bei denen Gartenbesitzer lernen, wie sie Wildhecken, Blumenwiesen und Tümpel anlegen können. Und das Beste daran: Vorkenntnisse sind nicht erforderlich! Oftmals genügen einfache Maßnahmen, wie selteneres Mähen, um einen großen Unterschied zu bewirken.
Das Zertifizierungssystem
Das Zertifizierungssystem von Pro Natura vergibt Schmetterlinge an naturnahe Gärten – maximal drei. Um einen Schmetterling zu erhalten, müssen mindestens zwei Drittel des Gartens mit einheimischen Pflanzen gestaltet sein. Hans-Ueli Wellauer hat gleich drei Schmetterlinge für seinen fast vollständig naturnahen Garten erhalten. Damit ist er Teil einer wachsenden Gemeinschaft von Gartenbesitzern, die sich aktiv für die Biodiversität einsetzen. Diese zertifizierten Gärten erhalten nicht nur eine Plakette zur Sensibilisierung der Nachbarschaft, sondern können auch Teil eines Netzwerks von Schaugärten werden, was die Sichtbarkeit und das Bewusstsein für solche Projekte weiter erhöht.
Die Bedeutung von Naturgärten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie machen mehr als 1% der Fläche der Schweiz aus und entsprechen damit in etwa der Größe des Bodensees oder sind dreimal so groß wie der Nationalpark. In Zeiten zunehmender Verbauung ist es essenziell, dass wir grüne Trittsteine in unseren Städten und Dörfern schaffen. Studien zeigen, dass Vogelgezwitscher das Gemüt erhellt und eine hohe Artenvielfalt die Verbundenheit mit der Natur fördert. So können Naturgärten ein wertvolles Mosaik an Lebensräumen bilden, von dem viele Arten, wie Igel und viele andere, profitieren.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die Pflege eines Naturgartens erfordert zwar etwas Aufwand und Lenkung, doch der Einsatz lohnt sich. So mäht Wellauer seinen Garten nur zweimal im Jahr, was nicht nur der Vielfalt der Pflanzen, sondern auch der Tierwelt zugutekommt. Sein Garten beherbergt eine Vielzahl von Lebewesen, darunter Zauneidechsen, Frösche, Molche und Fische. Zudem hat Wellauer Schilder aufgestellt, die auf seinen Naturgarten hinweisen, um illegale Müllentsorgung zu verhindern. Dies zeigt, wie wichtig das Bewusstsein für Natur und Umwelt ist und wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, unsere Lebensräume zu schützen.
Pro Natura setzt sich weiterhin für mehr Biodiversität in unseren Dörfern und Städten ein. Mit Projekten wie „Bonjour Nature“ und der Unterstützung von Gartenbesitzern wird ein wertvoller Beitrag zum Erhalt unserer natürlichen Umgebung geleistet. Das Wochenende der Offenen Schmetterlingsgärten, das anlässlich des Internationalen Tages der Biodiversität vom 22. bis 24. Mai stattfindet, ist eine hervorragende Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen und selbst aktiv zu werden. Lassen Sie uns gemeinsam die grüne Vielfalt in unseren Gärten fördern und einen Unterschied machen!