Heute ist der 18.07.2026 und die Situation in den Thurgauer Gewässern ist alles andere als rosig. Der Sommer hat seine heiße Umarmung über die Region gelegt und die Flüsse leiden sichtbar unter der Trockenheit. Kaum Wasser fließt mehr durch die Kanäle, die einst lebendig und sprudelnd waren. Der Kanton Thurgau hat daher reagiert und ein neues Kaltwasserrefugium an der Mündung des Mülibachs in den Hochrhein errichtet. Dieser tiefere Pool ist für die Fische ein willkommener Rückzugsort, wo sie der Hitze entkommen können.

Die Hitzewellen und die damit verbundenen hohen Wassertemperaturen haben in den letzten Wochen zu einem besorgniserregenden Anstieg der Notabfischungen geführt – insbesondere in den Kantonen St. Gallen und Appenzell Innerrhoden. Über 1000 Fische wurden allein in der ersten Juli-Woche in St. Gallen umgesiedelt! Ein echter Stresstest für die Tierwelt. Robert Dünner, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, hat klargemacht, dass das Abfischen und der Transport für die Fische alles andere als angenehm sind. Der Kanton Thurgau hat sich jedoch bisher zurückhaltend gezeigt, was die Notabfischungen angeht.

Die Notwendigkeit von Kaltwasserrefugien

Die Idee hinter dem Kaltwasserrefugium ist simpel – und doch genial! In Zeiten von extremen Temperaturen, die das Wasser aufheizen und das Wachstum von Algen und Bakterien begünstigen, benötigen die Fische einen Platz, wo sie sich zurückziehen können, um nicht zu leiden. Die Arbeiten an diesem Refugium sind inzwischen abgeschlossen, und erste Berichte deuten darauf hin, dass sich bereits während des Baus einige Fische in den kühleren Gewässern niedergelassen haben. Das ist ein kleiner Lichtblick in einer schwierigen Zeit.

Leider gibt es noch viele offene Fragen. Es ist unklar, wie viele Fische und andere Wasserlebewesen dem Stress und der Hitze bereits erlegen sind. Die Dunkelziffer könnte dabei mehr als besorgniserregend sein. Die Flüsse im Thurgau sind vielerorts nur noch ein Schatten ihrer selbst. Auch der Pegelstand des Bodensees ist alarmierend tief. Ein Teufelskreis, der sich kaum auflösen lässt.

Ein Blick nach vorne: Nationale Wasserstrategie

Im Kontext dieser Herausforderungen hat die Nationale Wasserstrategie, die am 15.03.2023 im Bundeskabinett verabschiedet wurde, einen klaren Fahrplan für die Zukunft aufgezeigt. Ihr Ziel? Ein nachhaltiger Umgang mit unseren Wasserressourcen bis 2050 und darüber hinaus. Der Klimawandel, die Globalisierung und andere Einflussfaktoren machen eine verantwortungsvolle Wasserbewirtschaftung mehr denn je notwendig. Die Strategie umfasst 78 Maßnahmen, die bis 2030 schrittweise umgesetzt werden sollen und sich in zehn strategische Themen gliedern.

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Die Themen reichen von der Sicherung eines naturnahen Wasserhaushalts bis hin zur Entwicklung gewässerverträglicher Flächennutzung. Die Herausforderungen sind groß, und die Zeit drängt. Die Schaffung von Kaltwasserrefugien ist nur ein Teil des Puzzles. Dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung, um der Natur und damit auch uns Menschen eine Chance zu geben, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen nicht nur in Thurgau, sondern überall in der Schweiz und darüber hinaus umgesetzt werden, um die Lebensräume unserer Wasserbewohner zu schützen.