Heute ist der 9.06.2026 und wir blicken auf spannende Entwicklungen im Thurgau, insbesondere wenn es um die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen geht. In Bern wird im Oktober eine Behindertensession stattfinden, an der Susi Rutishauser, Peer-Mitarbeiterin bei der Weinfelder Stiftung Hofacker, teilnehmen wird. Ihr Ziel? Die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen voranzutreiben! In diesem Zusammenhang wird auch Sarah Arquint, die Leiterin der Koordinationsstelle in Zürich, über die Einbeziehung von Betroffenen in die Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) berichten.

Die Schweiz hat die UN-BRK zwar 2014 ratifiziert, doch der erste Staatenbericht 2022 brachte ernüchternde Kritik an der bestehenden Umsetzung mit sich. Über 80 Empfehlungen wurden ausgesprochen, die eine Verbesserung der Situation fordern. Umso wichtiger ist es, dass Veranstaltungen wie die kommende Podiumsdiskussion in Kreuzlingen stattfinden, bei der acht Gäste, darunter zwei kantonale Amtsleiter und der Präsident des Verbands Thurgauer Gemeinden (VTG), zusammenkommen. Organisiert von Insos, dem Branchenverband für Dienstleister für Menschen mit Behinderung, wird hier ein offener Dialog gefördert.

Der Weg zur Inklusion

Die Behindertenrechtskonvention fokussiert sich auf die uneingeschränkte Teilnahme aller Menschen an gesellschaftlichen Aktivitäten. Dies geht über die einfache Integration von „Ausgegrenzten“ hinaus. Es geht um ein gemeinsames Leben aller Menschen – mit und ohne Behinderungen. Die Gesellschaft muss von Grund auf für alle zugänglich sein. Ein guter Ansatz, oder? Umso bedauerlicher ist es, dass bei der offiziellen Übersetzung der Konvention für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein der Teilhabe-Gedanke oft vernachlässigt wurde. Menschen mit Behinderungen waren hierbei nicht an der Umsetzung der deutschen Übersetzung beteiligt, was in vielen Kreisen als problematisch angesehen wird.

Besonders in Kreuzlingen wird die Barrierefreiheit in den Verwaltungsgebäuden kritisch betrachtet. Thomas Niederberger, Stadt- und VTG-Präsident, hat das kürzlich scharf kritisiert. „Es kann nicht sein, dass wir in einer Zeit leben, in der solche Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden!“, sagte er. Martin Leemann hingegen hebt hervor, dass bei neuen Sportanlagen vorbildliche Ansätze zur Barrierefreiheit verfolgt werden. Diese unterschiedlichen Perspektiven zeigen, wie wichtig der Dialog ist.

Ein neuer Weg für den Thurgau

Der Thurgau hat bereits einige Schritte in Richtung einer neuen Behindertenkonferenz unternommen, die als Ansprechpartner für den Kanton fungieren soll. Sozialamtsleiter Max Steiner betont, dass die Einbeziehung betroffener Menschen in Umfragen zur Verbesserung von Institutionen unerlässlich ist. Dabei gibt es jedoch nach wie vor Herausforderungen: Fehlende Koordinationsstellen und verbindliche Vorgaben für die Umsetzung von Inklusion sind nach wie vor festzustellen. Leemann fordert daher strengere Ansprüche und Konsequenzen für nicht behinderte-gerechte Bauweisen. Ein kleiner Lichtblick – Niederberger schlägt vor, eine verantwortliche Person für Inklusion zu benennen. Das klingt nach einem vielversprechenden Ansatz!

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Artikel 24 der UN-BRK behandelt die „inklusive Bildung“ und garantiert ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen. Das Ziel ist der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern in Regelschulen als „Normalfall“. Diese Zielsetzung wird von einigen als zu weitgehend kritisiert, aber die Grundidee ist klar: Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung und Teilhabe.

Die Entwicklungen im Thurgau sind daher nicht nur lokal, sondern spiegeln ein gesellschaftliches Anliegen wider, das weit über die Grenzen hinausgeht. Die Frage bleibt: Wie gestalten wir die Zukunft der Inklusion? Ein aktiver Dialog, wie er in Kreuzlingen angestoßen wird, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die kommenden Monate könnten entscheidend sein für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft.