In einem unscheinbaren Fabrikgebäude in Stabio, Tessin, schlägt das Herz der Schweizer Hemdenmanufaktur Bruli. Hier, wo die Nähmaschinen ein sanftes, rhythmisches Klopfen von sich geben, zeigt Marco Brülisauer, der Besitzer und Chef, seine Leidenschaft für edle Stoffe und hochwertige Hemden. Er ist ein Mann, der auf Qualität setzt – und das ganz bewusst. In Zeiten, in denen viele Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, bleibt Bruli seiner Heimat treu. Jedes Hemd wird hier in der Schweiz genäht, und das hat seinen Preis. Für ein Standard-Hemd zahlt man 390 Franken, maßgeschneiderte Stücke schlagen mit 65 Franken mehr zu Buche. Ein echtes Luxusprodukt also, aber einer, der weiß, was er tut.

„Un soffio“ – das ist der Name eines Gewebes, das Brülisauer besonders schätzt. Es ist bekannt für seine Leichtigkeit und wird aus hochwertigen Stoffen gefertigt, die vor dem Zuschnitt gewaschen werden. Jedes Stück wird erst nach Bestellung gefertigt. Damit bleibt das Lager leer, und das Unternehmen produziert nur, was auch wirklich verkauft wird. Eine kluge Strategie, gerade in Zeiten von Globalisierung und Preisdruck von großen Modeketten wie H&M oder Zara, die unsere Städte mit ihren Filialen überfluten und die Modewelt mit einer Flut von Kollektionen überhäufen.

Der Kampf um Qualität

Brülisauer hat in der Vergangenheit erlebt, wie viele Nähereien schließen mussten – ein trauriger Trend, der durch die Massenproduktion und die damit verbundenen Umweltprobleme verstärkt wird. Er hat seine Firma 1993 neu ausgerichtet, auf hochwertige Kleidung für eine ausgewählte Kundschaft. Dabei ist er auf eine der letzten Schweizer Hemdenmanufakturen geblieben, was nicht nur ein Zeichen von Tradition, sondern auch von Überzeugung ist. Es ist ein Kampf gegen den Strom, denn die großen Unternehmen produzieren oft unter fragwürdigen Bedingungen und setzen auf Fast Fashion, die nur darauf abzielt, schnell und günstig zu sein.

Die Modeindustrie hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. Globale Marken dominieren den Markt und setzen auf Vereinheitlichung statt auf lokale Traditionen. Das führt nicht nur zu einem Verlust an Vielfalt, sondern auch zu einem massiven Anstieg von Textilabfällen. In der Schweiz werden pro Kopf und Jahr ganze 18 Kilogramm Textilabfälle produziert. Das sind horrende Zahlen, wenn man bedenkt, dass nur etwa 6 % der Kleidung nachhaltig hergestellt werden.

Ein neues Bewusstsein für Mode

Die Schweizer konsumieren im Schnitt mehr Kleidung als fast jeder andere Nation – nur Luxemburg liegt noch vor uns. Und während die großen Konzerne mit ihren einheitlichen Filialen und massenhaft produzierten Kollektionen glänzen, bleibt der Blick auf die kleinen, feinen Manufakturen wie Bruli oft verborgen. Brülisauer kritisiert scharf die Verwendung des Begriffs „Swiss made“ durch Unternehmen, die ihre Produkte nicht in der Schweiz fertigen. Er sieht es als seine Mission, echte Schweizer Handwerkskunst zu fördern und den Kunden die Bedeutung von Qualität und echtem Handwerk näherzubringen.

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Die Zukunft seiner „Swiss made“-Hemden sieht Brülisauer optimistisch, denn er glaubt fest an die Kraft von Qualität und individuellem Service. In einer Welt, die sich immer schneller dreht und wo die Menschen oft in der Masse untergehen, bietet er etwas Einzigartiges: Produkte, die mit Liebe und Sorgfalt hergestellt werden. Maßanfertigungen sind bei ihm keine Seltenheit, und er reist regelmäßig zu seinen Kunden, um neue Kollektionen vorzustellen. Das schafft nicht nur eine persönliche Verbindung, sondern auch ein Bewusstsein für die Wertigkeit von Kleidung.

Am Ende des Tages bleibt die Herausforderung bestehen, den Konsumenten von der Notwendigkeit eines Wandels in der Modeindustrie zu überzeugen. Ein Umdenken ist notwendig. Die Fashion Revolution fordert einen Paradigmenwechsel, der auch in der Agenda 2030 des Bundes eine Rolle spielen sollte. Längeres Tragen und weniger Waschen von Kleidung könnten dazu beitragen, die Emissionen zu senken und die Umwelt zu schonen. Es liegt an uns, weniger und besser zu kaufen und auf die Produktionsbedingungen zu achten. Die Zukunft der Mode könnte so vielversprechend sein – wenn wir bereit sind, umzudenken.