Am 21. Juli 2026 versammelten sich rund 30 Menschen in Bellinzona, um ein starkes Zeichen gegen die wachsende Gewalt an Frauen zu setzen. Inmitten von lauten Rufen und bewegenden Reden wurde die Dringlichkeit des Themas deutlich. Die Demonstration fand an einem Ort und zu einer Zeit statt, an der man eigentlich eine entspannte Sommernacht erwartet. Doch stattdessen wurde der Platz von einer ernsten Stimmung geprägt, die den Protestierenden ins Gesicht geschrieben stand. Der Fokus lag klar auf den Femiziden, die im Tessin in letzter Zeit leider wieder zugenommen haben.

In diesem Jahr wurden bereits drei Frauen im Tessin ermordet – ein grausamer Rekord, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur schockierte, sondern auch antrieb. Der letzte Vorfall ereignete sich am 9. Juli in Faido, als eine Frau von ihrem Ex-Mann getötet wurde, der danach in einer Explosion starb. Diese Tragödien sind nicht nur Zahlen, sie sind Schicksale, die in der Gesellschaft tiefere Wunden hinterlassen. Die Bewegung für den Sozialismus (MPS) unterstützte die Veranstaltung und gab den Protestierenden eine Plattform, um ihre Stimmen zu erheben und auf die unzureichenden Schutzmaßnahmen für Frauen hinzuweisen.

Ein Aufruf zur Sensibilisierung

Die Kundgebung war nicht nur ein Schrei der Verzweiflung, sondern auch ein leidenschaftlicher Aufruf zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Die Organisatorinnen und Organisatoren kritisierten die anhaltende sexistische Kultur im Tessin, die sich auch im öffentlichen Raum manifestiert. „Gedenken reicht nicht aus“, betonte das feministische Kollektiv „Io l’8 ogni giorno“. Sie forderten eine verstärkte Prävention und garantierte schnelle Interventionen, um gefährdete Frauen zu schützen. Ein klarer Fokus soll auf die Opfer gelegt werden, nicht auf die Täter. Ein eindringlicher Wunsch nach mehr Mitteln vom Kanton zur Bekämpfung häuslicher Gewalt schwang in ihren Worten mit.

In der Schweiz ereigneten sich in diesem Jahr bereits 17 Femizide, und die Zahlen steigen. Im Schnitt stirbt alle zwei Wochen eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt. Diese erschreckenden Statistiken machen deutlich, wie dringend Veränderungen notwendig sind. Der Bundesrat hat die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zur höchsten Priorität erklärt. Seit 2022 werden Instrumente zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen weiter ausgebaut. Das Engagement von Bund, Kantonen, Gemeinden und Zivilgesellschaft ist entscheidend, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Schweiz hat im April 2018 die Istanbul-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ratifiziert und muss regelmäßig einen Staatenbericht an den Europarat vorlegen. Im Juni 2022 wurde der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention 2022–2026 verabschiedet. Um den Opfern zu helfen, wird im Mai 2026 eine zentrale dreistellige Telefonnummer für die Opferhilfe in Betrieb genommen. Außerdem ist für November 2025 eine nationale Präventionskampagne gegen Gewalt geplant.

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Doch die Frage bleibt: Reichen diese Maßnahmen aus, um den Frauen in der Schweiz wirklich zu helfen? Die Sorgen und Ängste sind spürbar, und die Kundgebung in Bellinzona hat deutlich gemacht, dass der Kampf gegen Gewalt an Frauen noch lange nicht vorbei ist. Es braucht mehr als nur Worte – es braucht Taten. Und die Menschen in Bellinzona haben dies laut und deutlich verkündet. Ihre Stimmen sind ein Teil des Wandels, der kommen muss.