Solothurns wegweisende Entscheidung: Mutterschaftsvertretung für mehr Gleichstellung im Kantonsrat
Heute ist der 14.06.2026, und in Solothurn gibt es Grund zur Freude! Die Stimmberechtigten haben am Sonntag für die Einführung einer Mutterschaftsvertretung im Kantonsrat gestimmt. Mit 58 Prozent der Stimmen fiel die Entscheidung deutlich aus. Ein Schritt in die richtige Richtung, könnte man sagen – sowohl für die Frauen im politischen Leben als auch für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die neue Regelung erlaubt es Kantonsrätinnen, während ihres Mutterschaftsurlaubs, der zwischen drei und zwölf Monaten liegen kann, eine Stellvertretung zu wählen. Diese Stellvertretung ist freiwillig – das ist wichtig zu betonen – und wird von der ersten nicht gewählten Person auf der entsprechenden Wahlliste übernommen. Es ist ein cleverer Schachzug, um sicherzustellen, dass die Mehrheitsverhältnisse im Parlament nicht durcheinandergeraten und gleichzeitig die Sitze während längerer Abwesenheiten besetzt bleiben.
Ein Schritt zur Gleichstellung
Die Unterstützung für diese Regelung kam vor allem von Mitte- und linken Parteien. Die Befürworter argumentieren, dass diese Maßnahme eine bessere Vereinbarkeit von Familie und politischem Amt ermöglicht. Schließlich war die Debatte über die Gleichstellung und die Förderung der politischen Teilhabe von Frauen in der Schweiz schon längst überfällig. Kritiker hingegen, darunter Vertreter bürgerlicher Parteien, sehen die Vorlage als unnötig und kritisieren, dass sie eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Abwesenheitsgründen darstellt. Vor allem die FDP und die SVP lehnten die Regelung ab und empfinden sie als undemokratisch.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Über 53 Prozent der stimmberechtigten Solothurnerinnen und Solothurner haben sich an der Abstimmung beteiligt. Das ist ein starkes Zeichen! Die Verfassungsänderung zur Mutterschaftsvertretung wurde mit 56’188 Ja-Stimmen und 39’578 Nein-Stimmen angenommen. Ein Erfolg, der besonders in den kleineren Gemeinden des Bezirks Thal und im Schwarzbubenland auf Widerstand stieß, wo die Regelung in rund 20 Orten abgelehnt wurde.
Der Weg zur Umsetzung
Die Idee für diese Stellvertretungslösung stammt von der Mitte-Kantonsrätin Sarah Schreiber, die aus eigener Erfahrung als Mutter spricht. Sie betont, wie wichtig es ist, die Stimme der Parlamentarierin im Parlament zu erhalten, auch wenn sie eine Auszeit für die Familie nimmt. Und das ist auch ein zentraler Punkt: Die Stellvertretung soll die politische Partizipation von Frauen fördern und gleichzeitig den Druck auf Mütter verringern, die oft das Gefühl haben, zwischen Karriere und Familie wählen zu müssen.
Die Unterstützung für diese Regelung ist nicht nur ein politischer Schachzug, sondern ein gesellschaftlicher. Viele sehen darin einen Weg, um die Anerkennung von Care-Arbeit zu steigern und die Hürden für junge Frauen in der Politik abzubauen. Angela Petiti von der SP hebt hervor, wie wichtig diese Vorlage für die Gleichstellung ist. Frauen sind im Solothurner Kantonsrat nach wie vor unterrepräsentiert; der Frauenanteil liegt aktuell bei etwas über 30 Prozent. Das muss sich ändern!
Insgesamt zeigt die Annahme dieser Regelung, dass Solothurn bereit ist, einen neuen Weg zu gehen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich diese Entscheidung auf die politische Landschaft im Kanton auswirkt und ob sie als Vorbild für andere Regionen in der Schweiz dienen kann. Fest steht, dass die Stimmen der Mütter im Parlament nicht länger ignoriert werden können – und das ist ein Grund, um optimistisch in die Zukunft zu blicken.
