Im Kanton Solothurn bewegt sich was! Ein Komitee hat sich zusammengefunden, um der „Keine 10-Millionen-Initiative“ der SVP den Kampf anzusagen. Und das ist nicht einfach nur irgendein Gremium, sondern eine schlagkräftige Truppe aus Wirtschaftsverbänden, dem Gastroverband, dem Baumeisterverband, einer Tourismusorganisation, einem Landwirt und mehreren National- sowie Ständeräten. Ein bunter Mix, der sich gegen eine Initiative formiert, die als echte Bedrohung für die Grundlagen des Standorts Schweiz angesehen wird.

Die Unterstützung für die Nein-Position kommt von den Parteien FDP, Mitte, GLP und EVP. Alle sind sich einig: Ein starrer Bevölkerungsdeckel könnte nicht nur den Zugang zu Fachkräften erschweren, sondern auch die Beziehungen zur EU gefährden. Und wir sprechen hier nicht von theoretischen Ängsten. Aktuell bleiben in den Betrieben zahlreiche Stellen unbesetzt, während die Anzahl der Menschen, die in Pensionsalter gehen, stetig steigt. Das Bild, das sich hier abzeichnet, ist alles andere als rosig. Ein starrer Deckel könnte die Situation nur noch verschärfen, wodurch Unternehmen noch mehr Schwierigkeiten hätten, die offenen Stellen zu besetzen.

Die Gewerbekammer spricht sich klar aus

In einer Sitzung der Gewerbekammer des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Solothurn, die am 23. April 2026 bei der HAKAMA AG in Bättwil stattfand, wurde am 24. April eine klare Parole gefasst: Nein zur Volksinitiative „Keine 10-Millionen-Schweiz!“ Die Abstimmung steht für den 14. Juni 2026 an. Die Gewerbekammer sieht in der Initiative keine praktikablen Lösungen. Stattdessen wird die Sorge geäußert, dass starre Bevölkerungsgrenzen und automatische Mechanismen die Situation nur verschärfen und den bereits vorhandenen Fachkräftemangel weiter anheizen könnten. Insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bau und Technik gibt es bereits jetzt einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

Die Initiative thematisiert zwar wichtige Punkte wie Wohnraum, Verkehr und Infrastruktur, doch die Gewerbekammer ist überzeugt, dass diese Aspekte mit anderen Maßnahmen viel effektiver angegangen werden könnten. Die Gefahr, dass die Initiative das Personenfreizügigkeitsabkommen und den bilateralen Weg mit der EU gefährdet, ist für viele Betriebe ein weiteres starkes Argument gegen die Initiative. Schließlich sind es gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die auf Planungssicherheit und qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind.

Ein Blick auf den Fachkräftemangel

Wie es um den Fachkräftemangel in der Schweiz steht, zeigt ein Blick in die Zahlen vom 27. November 2025: Der Fachkräftemangel-Index liegt 22 % unter dem Vorjahreswert und verzeichnet den Rückgang nun im zweiten Jahr in Folge. Besonders gefragt sind Fachkräfte im Gesundheits-, Bau- und Technikbereich. Gleichzeitig ist die Nachfrage in Büro-, ICT- und Finanzberufen rückläufig. Die Arbeitslosenquote ist von 2,3 % im Jahr 2024 auf 2,8 % im Jahr 2025 gestiegen. Ein Rückgang der offenen Stellen um 8 % und eine Zunahme der Stellensuchenden um 17 % im Vergleich zum Vorjahr zeichnen ein spannendes Bild des Arbeitsmarktes.

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Es ist klar, dass der demografische Wandel den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen verstärkt. Man könnte fast sagen, es ist wie ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel. Während in der Deutschschweiz der Fachkräftemangel in den genannten Berufen spürbar bleibt, zeigt sich die Lage in der lateinischen Schweiz weitgehend entspannt, abgesehen von den Gesundheitsberufen. Die Stabilität im Baugewerbe bietet immerhin eine kleine Lichtquelle in dieser ansonsten etwas düsteren Prognose.

Insgesamt zeigt sich, dass der 14. Juni 2026 ein wichtiger Tag für den Kanton Solothurn sein wird. Die Abstimmung über die „Keine 10-Millionen-Initiative“ könnte weitreichende Folgen für die wirtschaftliche Zukunft der Region haben. Die Diskussion ist in vollem Gange, und es bleibt abzuwarten, wie die Bevölkerung auf die Argumente der verschiedenen Seiten reagieren wird.