Heute ist der 22.04.2026. In Deutschland erhebt die Jurastudentin und Aktivistin Theresia Crone schwere Vorwürfe gegen das Jurastudium: Ein zentrales Thema, das in der Ausbildung von Juristen sträflich vernachlässigt wird, ist das Sexualstrafrecht. Trotz der steigenden Zahl erfasster Sexualdelikte, die allein im Jahr 2024 einen neuen Höchststand von rund 128.000 Fällen erreicht hat, ist das Thema in den Lehrplänen der Hochschulen kaum verankert. Crone fordert, dass Sexualstrafrecht Pflichtstoff im Studium werden sollte, um zukünftige Juristen besser auf die Realität der sexuellen Gewalt vorzubereiten.

Im Kontext dieser Debatte sind die Vorwürfe gegen den Moderator Christian Ulmen von besonderer Brisanz. Seine Ex-Partnerin Collien Fernandes beschuldigt ihn, Fake-Profile erstellt und pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Während Ulmen seine Unschuld beteuert und rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung angekündigt hat, zeigt dieser Fall deutlich, wie relevant und dringend das Thema digitale sexuelle Gewalt ist. Crone selbst hat in der Vergangenheit unter Fakeprofilen und Deepfakes gelitten und hat deshalb eine Demonstration gegen digitale sexuelle Gewalt in Berlin organisiert.

Ein Mangel an Sensibilisierung im Jurastudium

Der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften (BRF) hat festgestellt, dass Sexualstraftaten in keiner Justizprüfungsordnung der Bundesländer als Pflichtstoff aufgeführt sind. Einige Universitäten bieten zwar freiwillige Veranstaltungen zu diesem Thema an, jedoch erreichen diese nicht alle Studierenden. Janina Heeg vom Deutschen Anwaltverein betont die Notwendigkeit, dass Jurastudenten lernen, ab wann Handlungen strafbar sind. Tatsächlich sind die meisten Delikte im Bereich Sexualstrafrecht, und die Bandbreite reicht von sexuellem Missbrauch über Verbreitung pornografischer Inhalte bis hin zu „Upskirting“ und Vergewaltigungen.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete im letzten Jahr 131.335 erfasste Sexualdelikte, und die Zahlen steigen weiterhin. In Deutschland sind rund 91 Prozent der Opfer von Sexualstraftaten weiblich, bei Vergewaltigungen sogar etwa 94 Prozent. Besonders gefährdet sind jugendliche und junge Frauen zwischen 14 und 20 Jahren. Der Anstieg der Meldungen könnte auf eine größere Sensibilität und Anzeigebereitschaft zurückzuführen sein, doch es bleibt ein hohes Dunkelfeld nicht bekannter Fälle, da viele Opfer aus Angst vor Schuldvorwürfen oder aufgrund von Traumatisierung zögern, Taten zu melden.

Die Rolle der Feminist Law Clinic

Ein Lichtblick in dieser düsteren Thematik ist die Feminist Law Clinic, eine von Studentinnen gegründete Rechtsberatung, die im letzten Jahr über 6.000 Anmeldungen erhielt. Diese Initiative zeigt, dass es ein starkes Bedürfnis nach rechtlicher Unterstützung und Aufklärung gibt. Studierendenvertreter erkennen die gesellschaftliche Relevanz von sexueller digitaler Gewalt an, fordern aber gleichzeitig eine Reduzierung des Pflichtstoffs im Studium. Dies steht jedoch im Widerspruch zur Notwendigkeit, angehende Juristen umfassend auf die Herausforderungen der Praxis vorzubereiten.

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Abschließend lässt sich sagen, dass das Fehlen von Sexualstrafrecht im Jurastudium nicht nur die Ausbildung der Juristen in Deutschland beeinträchtigt, sondern auch die berufliche Praxis erschwert. Der gesellschaftliche Druck, tradierte Denkmuster und Verhaltensweisen zurückzudrängen, ist höher denn je. Es ist an der Zeit, dass Hochschulen und Entscheidungsträger die Zeichen der Zeit erkennen und das Sexualstrafrecht als essentiellen Bestandteil der juristischen Ausbildung etablieren.