In den letzten Wochen hat sich in den Waadtländer Jura eine ganz besondere logistische Herausforderung abgespielt, die selbst die geduldigsten Bewohner der Region auf Trab gehalten hat. Ein Konvoi mit 18 enormen Rotorblättern, die stolze 57,5 Meter lang und 19 Tonnen schwer sind, macht sich auf den Weg zum Windpark Sur Grati. Diesen Windpark, der zwischen den charmanten Orten Vaulion, Premier und Vallorbe gelegen ist, wird der zweitgrößte in der Schweiz nach Mont Crosin BE sein. Das Projekt hat die gesamte Region in Aufregung versetzt!

Die Rotorblätter haben ihren Ursprung in Portugal, wo sie gefertigt wurden, bevor sie über die Wasserstraße nach Deutschland verschifft wurden. Von dort aus ging es weiter per Bahn nach Basel und schließlich mit Speziallastwagen zur Baustelle. Ein ziemlich aufwendiger Transport, der nur nachts durchgeführt werden kann. Denn bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3 km/h – das ist nicht viel schneller als ein gemütlicher Spaziergang – dauert die Fahrt etwa zehn Stunden. Da haben sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen: Ein selbstfahrender Anhänger hebt die Rotorblätter bis zu 45 Grad an, um die kurvenreiche und steile Strecke über den Col du Mont d’Orzeires zu meistern. Man kann sich das gut vorstellen: 50 motivierte Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz, um sicherzustellen, dass alles reibungslos abläuft.

Ein großer Schritt in Richtung erneuerbare Energien

Der Windpark Sur Grati wird mit sechs neuen Windenergieanlagen ausgestattet, die eine Gesamthöhe von bis zu 210 Metern erreichen. Die jährliche Produktionskapazität wird zwischen 44,5 und 49,2 Gigawattstunden liegen – genug, um den Stromverbrauch von etwa 11.000 Haushalten zu decken. Das Projekt wird von den Gemeinden Premier, Vallorbe und Vaulion sowie der Gesellschaft VOé éole getragen. Die Montage der ersten Windkraftanlage soll bis Ende August 2026 abgeschlossen sein, während die Inbetriebnahme der gesamten Anlage für den Herbst 2027 geplant ist. Das kommt einem fast wie ein Wettlauf gegen die Zeit vor!

Doch die Geschichte des Windparks ist nicht ganz so einfach. Ein 17 Jahre dauernder Rechtsstreit hat den Bau erheblich verzögert. Erst vor einem Jahr wies das Bundesgericht die Beschwerde der Umweltschutzvereinigung Paysage-Libre Vaud gegen die Baubewilligung ab. Nun kann endlich mit den Arbeiten begonnen werden, und die Vorfreude in der Region ist greifbar. Die Wanderwege auf der Alp bleiben während der Bauarbeiten zugänglich und sicher, sodass die Naturfreunde nicht ganz auf ihre gewohnte Umgebung verzichten müssen.

Ein Blick in die Zukunft der Windkraft

Windenergieanlagen nutzen die kinetische Energie der Luft, um ihre Flügel in Bewegung zu setzen. Diese mechanische Energie wird dann von einem Generator in elektrische Energie umgewandelt. In der Schweiz gibt es bereits seit 1986 Windenergieanlagen, die erste wurde in Langenbruck/BL mit einer Leistung von 28 kW in Betrieb genommen. Heute sind es knapp 40 Großanlagen, die zusammen rund 140 Gigawattstunden Windstrom produzieren. Diese Form der Energieerzeugung kann eine wertvolle Ergänzung zu Wasserkraft und Solaranlagen sein, besonders in den Wintermonaten, wenn der Bedarf an Heizenergie und Strom steigt.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Energiegesetz verpflichtet die Kantone, geeignete Gebiete für die Nutzung von Wasser- und Windkraft in ihren Richtplänen festzulegen. Windparks, die 20 GWh pro Jahr oder mehr produzieren, gelten als von nationalem Interesse. Das zeigt, wie wichtig der Ausbau erneuerbarer Energien für die Zukunft der Schweiz ist. Der Windpark Sur Grati könnte also nicht nur einen Schritt in Richtung nachhaltiger Energieversorgung darstellen, sondern auch ein Zeichen setzen für den notwendigen Wandel in der Energiepolitik.