Am 6. Juni 2026 wird Kapellen zum Schauplatz einer ersten Pride-Parade, und das in einer Art und Weise, die man sich kaum schöner vorstellen kann. Unter dem Motto „Durchs Dorf in Liebe und Frieden“ ziehen die Teilnehmer durch die Straßen, um sichtbar zu machen, dass die LGBTQIA+-Community auch im ländlichen Raum Gehör finden möchte. Voß, einer der Organisatoren, zieht bereits jetzt ein durchweg positives Resümee: „Bisher nur gute Erfahrungen!“, sagt er mit einem breiten Lächeln, während er die Vorbereitungen vorantreibt.

Die Polizei hat hilfreiche Tipps zur Organisation der Veranstaltung gegeben, und die Unterstützung vom CSD-Verband sowie dem örtlichen BSV gibt den Initiatoren den Rückenwind, den sie brauchen. Bis zu 100 Teilnehmer sind angemeldet, und der Tag verspricht bunt und fröhlich zu werden. Laura Finck, Autismus-Therapeutin, und Alex Plaul, Veranstaltungstechniker, sind seit fünf Jahren in Kapellen ansässig und freuen sich darauf, Teil dieser besonderen Demonstration für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung zu sein.

Ein Treffen mit den Schützen

Die Vorbereitungen sind nicht ohne Herausforderungen. Gerüchte über mögliche Störungen des parallel stattfindenden Kapellener Schützenfestes machen die Runde. Aber Voß und sein Team scheuen sich nicht, das Gespräch mit dem Schützenpräsidenten zu suchen. Das Ergebnis? Einvernehmlichkeit! „Wir wollen keine Provokation oder Missionierung“, betont Voß und sieht die Parade als eine Gelegenheit, freundlich zu winken und zu lächeln – eine schöne Geste der Verständigung.

Am großen Tag wird der Zug um 16 Uhr von der Ecke Tal-/Neusser Straße starten. Die Teilnehmer haben versprochen, sich herauszuputzen, und es wird nicht an bunten Regenbogen-Flaggen und aufwendig gestalteten Outfits fehlen. Zwei Stunden Fußweg sind eingeplant, um durch die Straßen zu ziehen und die Farben der Vielfalt zum Leuchten zu bringen. „Es wird einfach herrlich!“, sagt Voß begeistert.

Ein Blick auf die globale Situation

Während in Kapellen ein Zeichen für Gleichheit gesetzt wird, gibt es weltweit noch viele dunkle Wolken über den Rechten der LGBTQIA+-Gemeinschaft. In Ländern wie dem Irak wird gleichgeschlechtliche Liebe mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft. Politische Gruppierungen schüren dort Hass und Diskriminierung, zwingen Medien sogar dazu, das Wort „Homosexualität“ durch „sexuelle Abweichung“ zu ersetzen. Solche Nachrichten stimmen nachdenklich.

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In vielen afrikanischen Staaten sind einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen kriminalisiert. Uganda hat 2023 ein Anti-Homosexualitätsgesetz verabschiedet, das im schlimmsten Fall sogar die Todesstrafe vorsieht. Und in Ungarn schränkt ein „Propaganda-Gesetz“ die Diskussion über LGBTI-Themen in Schulen und Medien massiv ein. Solche Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, sich für die Rechte der LGBTQIA+-Gemeinschaft einzusetzen, wo auch immer man ist.

Doch es gibt auch Hoffnung: In Namibia wurden Gesetze, die gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisierten, aufgehoben, und Griechenland hat im Februar 2024 die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt. Solche positiven Entwicklungen sind ein Lichtblick und zeigen, dass der Kampf für Gleichheit in vielen Teilen der Welt weitergeht.

Am 6. Juni in Kapellen, während die Parade durch die Straßen zieht, wird es nicht nur um Feierlichkeiten gehen. Es wird ein Zeichen gesetzt – für Sichtbarkeit, für Akzeptanz und für die Liebe, die in all ihren Formen gelebt werden sollte. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Wellen der Veränderung weiter ausbreiten werden.