Die Geothermie in der Schweiz ist ein Thema, das wie ein heißes Eisen in der Hand aller Beteiligten liegt. Nach den Erdbeben in Basel im Jahr 2006 und in St. Gallen 2013, die das Vertrauen in diese Technologie stark erschütterten, ist die Diskussion über die Nutzung von Erdwärme neu entbrannt. Damals, als Basel mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 zu kämpfen hatte, das durch das Projekt Deep Heat Mining ausgelöst wurde, gingen die Schäden in die Millionen. Die zuständige Regierungsrätin wurde regelrecht zum Rücktritt aufgefordert – ein wahres Politikum, das die Geothermie ins Abseits drängte. Doch die Schweiz gilt dennoch als Vorreiter, wenn es um die Nutzung von Geothermie mit Erdsonden und Wärmepumpen geht, die bis zu 500 Meter tief bohren.

Zusätzlich gibt es ambitionierte Pläne, die Geothermie weiter auszubauen. Ein neues Projekt in Haute-Sorne im Kanton Jura, an dem die Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) beteiligt ist, könnte hier neue Hoffnung bringen. Die Explorationsphase wurde als erfolgreich beschrieben. Hier sollen Wasser und Gestein in etwa 4000 Metern Tiefe miteinander in Kontakt kommen, wodurch das Wasser auf etwa 135 Grad erhitzt wird. Das klingt doch vielversprechend, oder? Dieses erhitzte Wasser soll nicht nur für die Erzeugung von Fernwärme, sondern auch für Strom genutzt werden – genug, um rund 6000 Haushalte zu versorgen!

Ein gespaltenes Publikum

Aber nicht alles ist rosig. Massive Proteste begleiten das Projekt in Haute-Sorne, das von Kritikern als Fracking bezeichnet wird. Auch Ruedi Rechsteiner, ein bekannter Energieexperte, äußert Bedenken. Er spricht von den hohen Kosten und der finanziellen Rentabilität des Projekts. In der Tat – die Skepsis gegenüber der Geothermie zur Stromerzeugung bleibt bestehen. Tobias Andrist, CEO der EBL, sieht das anders und betont die Notwendigkeit, die Technologie weiterzuentwickeln. Irgendwie ein klassischer Fall von „Was der eine denkt, sieht der andere völlig anders.“

Mit einem Blick über den großen Teich kann man jedoch sehen, dass die Geothermie in den USA gerade einen Boom erlebt. Große Investitionen fließen in diese Technologie! Das Potenzial für die Schweiz bis 2040 wird auf etwa 250 Megawatt geschätzt – eine Zahl, die uns eine Vorstellung davon gibt, wie viel Strom wir aus der Erde ziehen könnten. Doch trotz dieser Perspektiven bleibt die Bevölkerung skeptisch. Der Mangel an Leidensdruck und die Ängste vor erneuten Erdbeben halten viele von der Unterstützung ab.

Die Zukunft der Geothermie

Der Erfolg des Projekts im Jura könnte entscheidenden Rückenwind für die Geothermie-Technologie geben. In Basel und St. Gallen hat man jedoch aus den Rückschlägen gelernt. Neben den bereits erwähnten Ereignissen gab es auch Projekte in Inwil LU und Vinzel VD, die aufgrund unklarer Daten oder niedrigerer Temperaturen als erwartet gestoppt wurden. Das Baselbieter Parlament hat beschlossen, vorerst auf weniger riskante Varianten zu setzen. Verständlich, wenn man bedenkt, wie die Vergangenheit die Ängste geschürt hat. Gleichzeitig gibt es jedoch neue Testinitiativen in verschiedenen Regionen, die die Suche nach Energiequellen tief unter der Erde vorantreiben.

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Innovative Projekte wie Genilac und HeatStore zeigen, dass in der Schweiz viel Potenzial steckt. Das Bundesamt für Energie hat sogar 27,5 Millionen Franken für geothermische Bohrungen bereitgestellt. In Genf plant man, bis 2035 20% des Wärmebedarfs aus geothermischen Quellen zu decken. Man könnte fast sagen, die Schweiz ist auf einem guten Weg – auch wenn es manchmal wie ein Tanz auf dem Vulkan wirkt.

Die Geothermie bleibt ein faszinierendes und zugleich umstrittenes Thema. Es bleibt abzuwarten, ob das Projekt in Haute-Sorne den nötigen Schub geben kann, um die Technologie aus ihrer Nische zu befreien. Die Hoffnung stirbt zuletzt, und es gibt viele, die auf ein Comeback der Geothermie setzen. Man könnte sagen, die Erde könnte bald zum besten Freund der Schweizer Energieversorgung werden – wenn man sie richtig behandelt.