Luchse auf dem Vormarsch: Graubünden plant neue Ansiedlung im Jura
Die Luchse sind zurück auf der Agenda. In Graubünden gibt’s spannende Neuigkeiten: Die Bündner Regierungsrätin Carmelia Maissen hat die Wiederaufnahme der Arbeiten zur Aussetzung von zwei neuen Luchsen im Kanton angekündigt. Nach einigem Hin und Her, das vor allem durch politische Diskussionen und parlamentarische Vorstöße der Mitte und SVP geprägt war, scheint es nun ernst zu werden. Ursprünglich war die Ansiedlung für dieses Jahr geplant, doch die Pläne wurden vorerst gestoppt. Jetzt, nach einer positiven Entscheidung des Bündner Grossen Rates in der Junisession, geht’s weiter! Der erste Luchs soll voraussichtlich im Winter 2027 im Jura eingefangen werden – das ist immerhin ein Lichtblick.
Der Grund für diese Wiederbelebung der Pläne ist nicht ganz unproblematisch. Im November 2024 gab es drei Fehlabschüsse von Luchsen durch Bündner Wildhüter im Rahmen der Wolfsregulierung. Solche Fehler machen natürlich lange Gesichter und werfen Fragen auf. Umso wichtiger ist es, dass die Luchse in Zukunft sicherer angesiedelt werden. Das kantonale Amt für Jagd und Fischerei steht in engem Kontakt mit dem Bundesamt für Umwelt und der Fachorganisation Kora, um den Prozess zu unterstützen. Man hat sich nämlich darauf geeinigt, dass die Fangzeit so gewählt werden muss, dass Jungtiere ohne ihre Mutter überleben können und hochträchtige Weibchen nicht narkotisiert werden. Ein durchdachter Plan – und das ist auch gut so!
Ein langer Weg zur Rückkehr
Die Diskussionen um die Rückkehr der Luchse sind nicht neu. Bereits seit 1971 wird der Luchs aufgrund eines Bundesratsbeschlusses wieder in der Schweiz angesiedelt. In der Zwischenzeit haben sich stabile Luchsbestände in den Nordwestalpen und im Jura etabliert. Tatsächlich hat sich die größte Luchspopulation im Alpenraum in der Schweiz gebildet, was die Verantwortung des Landes für den Erhalt und Schutz dieser majestätischen Tiere nur noch unterstreicht. Die Schweiz ist gefordert – nicht nur lokal, sondern auch international.
Von 2000 bis 2008 gab es das LUNO-Projekt, das die Umsiedlung von Luchsen aus dem Jura und den Nordwestalpen in die Nordostschweiz zum Ziel hatte. Hier hat sich eine stabile Luchspopulation entwickelt, die sich mittlerweile in Richtung Zentralschweiz und Österreich ausbreitet. Diese internationalen Verbindungen sind wichtig, denn es gibt regelmäßige Treffen der betroffenen Alpenländer, um den Umgang mit dem Eurasischen Luchs zu besprechen. Der Austausch mit Experten aus Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Slowenien und Österreich spielt eine entscheidende Rolle.
Schutzmaßnahmen und Herausforderungen
Natürlich ist der Luchs in der Schweiz gemäß Jagdgesetz geschützt. Das Luchskonzept des BAFU regelt die Grundsätze des Artenschutzes und die Schadensverhütung. Herdenschutzmaßnahmen sind ein weiteres wichtiges Thema, um landwirtschaftliche Nutztiere vor Großraubtieren zu schützen. Hier kommt der Bund ins Spiel und fördert entsprechende Maßnahmen. Für die Bauern ist das von großer Bedeutung, denn ein gutes Zusammenspiel zwischen Natur und Landwirtschaft ist der Schlüssel zu einer harmonischen Koexistenz.
Die Rückkehr der Luchse ist ein vielschichtiges Thema, das nicht nur die Tierwelt, sondern auch die Menschen in der Region betrifft. Graubünden steht an einem Wendepunkt, und die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Situation entwickelt. Das Einfangen und die Aussetzung der Luchse sind nur der erste Schritt – die Integration in die bestehende Landschaft erfordert Geduld, Verständnis und vor allem Zusammenarbeit.
