Verkehrschaos in Graubünden: Kommt das Birsfelder Modell?
Die Diskussion um den Verkehr in Graubünden wird immer hitziger. Autofahrer weichen häufig auf die umliegenden Dörfer aus, was bei der lokalen Politik Besorgnis auslöst. Um dem entgegenzuwirken, wird nun ein Modell in Betracht gezogen, das der Gemeinde Birsfelden im Kanton Basel-Landschaft nachempfunden ist. Dort gilt seit 2025 ein Durchfahrtsverbot auf mehreren Quartierstraßen, um den Ausweichverkehr zu reduzieren. Autofahrer, die weniger als 15 Minuten in den betroffenen Zonen verweilen, müssen mit einer Busse rechnen. Diese Durchfahrtskontrollen werden automatisiert durchgeführt, wodurch Einwohner und ortsansässiges Gewerbe von den Regeln ausgenommen sind.
Anita Mazzetta, eine engagierte Grossrätin der Grünen, hat sich bereits für eine Überprüfung des Birsfelder Modells ausgesprochen. Sie betont, dass die Verkehrslast für viele Bündner Gemeinden nicht mehr tragbar sei. Auch Thomas Gort von der SVP unterstützt diese Idee und hat einen entsprechenden Vorstoß initiiert, der auf breite Zustimmung innerhalb der SVP-Fraktion stößt. Dennoch zeigt sich die Bündner Regierung skeptisch. Sie verweist auf die Unterschiede zwischen den Gemeindestrassen in Birsfelden und den Durchgangsstraßen in Graubünden, die in einer speziellen Verordnung aufgeführt sind.
Die Herausforderungen des Ferienverkehrs
Ein weiteres Problem stellt der Ferienverkehr dar, der die Strassen in diesen Gebieten stark belastet. Insbesondere an Wochenenden, wie Ostern oder Pfingsten, kommt es regelmäßig zu Staus, und der Verkehr verlagert sich auf die kleinen Dörfer. Die A13, die von Sargans über Chur bis nach Thusis führt, ist besonders betroffen. An Spitzentagen leiden die Anwohner unter dem Lärm und der Hektik, die der Verkehr mit sich bringt. Mazzetta fordert daher, dass die Regierung überlegt, ob das Birsfelder Modell auch für ganze Dörfer und Kantonsstraßen angepasst werden könnte.
Die Bündner Regierung hat bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu entschärfen. Dazu zählen Verkehrsdosierungen, temporäre Sperrungen und der Einsatz von Securitas-Personal. In Domat/Ems wurde kürzlich eine Straße getestet, die nur für Einheimische zugänglich war – ein klarer Hinweis darauf, dass der Handlungsdruck wächst. Doch die rechtlichen Fragen rund um ein mögliches Durchfahrtsverbot müssen gründlich geprüft werden, bevor ein Pilotversuch gestartet werden kann.
Ein Blick auf die Zukunft
Die Skepsis der Bündner Regierung wird durch die laufenden Gerichtsverfahren zum Birsfelder Modell noch verstärkt. Anita Mazzetta möchte politischen Druck erzeugen, um Lösungen auf Bundesebene zu erreichen. Gleichzeitig ist die internationale Aufmerksamkeit, die das Birsfelder Modell erfahren hat, nicht zu unterschätzen. Insbesondere deutsche Medien berichten über die Entwicklungen, und der Bund zeigt sich eher zurückhaltend gegenüber der Einführung ähnlicher Kontrollen in Graubünden.
Es bleibt abzuwarten, ob die Bündner Regierung die rechtliche Situation zügig klären kann und ob ein automatisiertes System tatsächlich in den betroffenen Gebieten umgesetzt wird. Das Vordere Prättigau, die Bündner Herrschaft, das Rheintal, das Domleschg, das Schams, das Rheinwald und das Misox sind nur einige der Regionen, die unter dem Verkehrschaos leiden. Die Diskussion um ein Durchfahrtsverbot ist in vollem Gange, und die nächsten Schritte werden entscheidend sein für die Zukunft des Verkehrs in Graubünden.
