Braunwalds mutiger Schritt ins neue Zeitalter des Tourismus
Im beschaulichen Glarus tut sich etwas, das viele nicht für möglich gehalten hätten. Das idyllische Bergdorf Braunwald hat beschlossen, ab der Wintersaison 2026/27 den klassischen Skibetrieb dauerhaft einzustellen. Eine Entscheidung, die auf finanziellen Verlusten und den veränderten klimatischen Bedingungen basiert. Die vier Ski- und Sessellifte – Mattwald, Gumen, Seblengrat und Bächital – werden stillgelegt. Das klingt dramatisch, ist aber leider eine bittere Realität. Letztlich betrug das jährliche Defizit zuletzt rund 1,5 Millionen Franken, und für die kommende Saison 2023/24 wird sogar ein Minus von 2,3 Millionen Franken erwartet. Das ist, um es mal salopp zu sagen, schon ein ganz schön dicker Brocken!
Ein schneearmer Winter 2025/26 hat die Situation zusätzlich verschärft: Die Einnahmen aus dem Wintergeschäft sind auf mickrige 865.000 Franken gesunken. Die Pistenpräparation und die alternden Liftanlagen kosten weiterhin ein Vermögen. Zukunftsorientiert denkt Braunwald jetzt um und setzt auf Ganzjahrestourismus. Man möchte Angebote für Winterwanderer, Schneeschuhläufer und Schlittler schaffen, während das Sommergeschäft ebenfalls ausgebaut wird. Immerhin – die Gondelbahn zum Grotzenbüel und ein Förderband bleiben in Betrieb. Das ist doch ein kleiner Lichtblick!
Ein Blick über die Grenzen
Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen Teilen der Alpen zu beobachten. In den bayerischen Alpen beispielsweise wird während der Skisaison zunehmend auf Kunstschnee gesetzt. Ferienregionen wie Garmisch-Partenkirchen sind stark vom Skisport abhängig, besonders über die Feiertage. Doch die Realität sieht oft düster aus: Nur etwa die Hälfte der Pisten ist geöffnet, weil einfach der Naturschnee fehlt. Im Skigebiet Kranzberg bei Mittenwald sind alle Pisten geschlossen – ein Bild des Jammers, wenn man bedenkt, dass dort in einer normalen Saison 80 bis 90 Betriebstage zu erwarten wären.
Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. Die Schneehöhen haben sich im Vergleich zum Mittelwert von 1991 bis 2020 nahezu halbiert. Das führt dazu, dass nicht nur die Skigebiete kämpfen müssen, sondern auch die Familienbetriebe. Ein Beispiel dafür ist der Familienbetrieb im Kranzberg, der Insolvenz anmelden musste, weil in der Saison 2023/24 nur 34 Betriebstage möglich waren. Ein besorgniserregender Trend, der viele Betreiber in der Branche in die Knie zwingt.
Der Weg in die Zukunft
Doch es gibt auch Hoffnung. Ferienregionen setzen verstärkt auf Ganzjahrestourismus. Alternativangebote wie Wandern und Rodeln gewinnen zunehmend an Bedeutung, auch wenn sie nicht den gleichen Umsatz wie der Skitourismus generieren. Um einen Skifahrer zu ersetzen, sind bekanntlich zwei Wanderer nötig. Nachhaltigkeit wird dabei oft ignoriert – ein Phänomen, das als kognitive Dissonanz bezeichnet wird. Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, müssen innovative Ideen her. Kathrin Wurmer plant beispielsweise, Wohnmobilstellplätze einzurichten und die Gastronomie auch im Sommer zu öffnen. Das zeigt, dass es auch anders geht!
Die Prognosen sind klar: Bis 2050 könnten über 70% der alpinen Skigebiete unter natürlicher Schneeunsicherheit leiden. Der Druck auf die Branche ist enorm. Die klassischen Winterurlaube werden weniger planbar, und ganzjährige Konzepte müssen her. Dabei gewinnen attraktive Sommer- und Herbstangebote zunehmend an Bedeutung. Nachhaltige Strategien, wie der Einsatz erneuerbarer Energien und Naturschutz, sind entscheidend, um zukunftsfähig zu bleiben. Die Frage bleibt, ob die Branche bereit ist, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen und sich neu zu erfinden.
