Am Sonntag, dem 11. Mai 2026, erstrahlte Genf im Glanz einer besonderen Feier: Der Jüdische Weltkongress (WJC) beging sein 90-jähriges Bestehen. In einem feierlichen Gala-Dinner, gemeinsam ausgerichtet mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), versammelten sich hochkarätige Gäste aus der ganzen Welt. WJC-Ländervertreter, Diplomaten und Regierungsvertreter waren anwesend, um dieses bedeutende Jubiläum zu würdigen. Ein Moment, der die Anwesenden berührte, war die Verleihung des „Israel Resilience Award“ an die Familie von Ran Gvili, dem letzten Geisel, der nach den turbulenten Ereignissen im Gaza-Streifen am 7. Oktober 2023 in Gefangenschaft war.

Bundespräsident Guy Parmelin ließ es sich nicht nehmen, die Rolle der Schweiz als Zentrum der Diplomatie zu betonen und die Rückkehr des WJC an seinen Gründungsort von 1936 zu feiern. Ronald S. Lauder, der Präsident des WJC, nutzte die Gelegenheit, um auf die besorgniserregenden Themen aufmerksam zu machen, mit denen jüdische Gemeinschaften derzeit konfrontiert sind: wachsender Hass, Extremismus und Unsicherheit. Chella Safra, die neu gewählte Vorsitzende des WJC-Gouverneursrats, äußerte sich kritisch zur einseitigen Behandlung Israels in internationalen Gremien.

Ein Blick in die Vergangenheit

Doch trotz der feierlichen Stimmung schwebte eine gewisse Schwere über dem Anlass. Die turbulente Geschichte des Genfer WJC-Büros blieb unausgesprochen, und die Rolle von SIG-Präsident Ralph Friedländer wurde nicht thematisiert. Man könnte fast meinen, dass die Schatten der Vergangenheit im Raum hingen. Die Enthüllungen des Wochenmagazins tachles aus dem Jahr 2004 über finanzielle Unregelmäßigkeiten im Genfer Büro, die von der New Yorker Zentrale verantwortet wurden, schüttelten das Vertrauen in die Organisation. Ein UBS-Konto, auf dem WJC-Generalsekretär Israel Singer innerhalb weniger Monate 1,2 Millionen Dollar deponierte, verwandelte sich in einen Skandal, als das Geld an den israelischen Anwalt Zwi Barak weitergeleitet wurde.

Die Folge war das plötzliche Schließen des Genfer Büros, das jahrelange Rechtsverfahren nach sich zog. Alfred Donath forderte eine unabhängige externe Revision und drohte mit seinem Austritt aus dem WJC, sollte keine Prüfung stattfinden. Mit dem Rücktritt von Generalsekretär Singer und Präsident Edgar Bronfman wurde die Organisation in eine tiefe Krise gestürzt. Das Genfer Büro war zudem eng mit Gerhard Riegner verbunden, der bis zu seinem Tod im Jahr 2001 dessen Leitung innehatte und 1942 den Westen über Hitlers Vernichtungspläne informierte.

Gegenwart und Zukunft

Wie geht es nun weiter? Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist es für die jüdischen Gemeinschaften weltweit wichtiger denn je, zusammenzustehen. Die Feierlichkeiten in Genf erinnerten nicht nur an die Errungenschaften der letzten 90 Jahre, sondern auch an die Verantwortung, die auf den Schultern der heutigen Generation liegt. Die Ermahnungen von Ronald S. Lauder und Chella Safra sind ein klarer Aufruf, sich den gegenwärtigen Gefahren zu stellen und sicherzustellen, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

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In dieser festlichen Atmosphäre war es spürbar, dass trotz aller Schwierigkeiten das Engagement und der Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft stark bleiben. Genf wird weiterhin ein Ort der Diplomatie und des Dialogs sein, und der WJC wird sich bemühen, seine Stimme in einer Welt zu erheben, die oft von Spaltung geprägt ist.