Nina Zimmer: Abschied von Bern und die Zukunft der Provenienzforschung
Am 20. Juli 2026, während die Sonne über Bern aufgeht und das Leben in der Stadt pulsiert, ist es ein guter Moment, um auf die jüngsten Entwicklungen im Kunstmuseum Bern und die Veränderungen, die die Direktorin Nina Zimmer hinterlässt, zu blicken. Zimmer, die seit Jahren die Geschicke des Museums leitet, wird bald in die Wiener Galerie Belvedere wechseln. Ihr Abschied steht bevor, und die Stadt wird eine starke Persönlichkeit im Kulturbereich vermissen.
Die Entscheidung der Berner Stimmbevölkerung, die geplante Sanierung des Kunstmuseums mit einem geschätzten Kostenrahmen von 147 Millionen Franken abzulehnen, hat in der Kulturszene für Aufregung gesorgt. Bei einer Abstimmung am 14. Juni 2026 sprachen sich 51,8% der Stimmberechtigten gegen den Umbau aus. Ein überparteiliches Komitee sammelte dafür 10.000 Unterschriften und forderte eine bescheidenere Lösung. Zimmer respektiert diesen Entscheid und sieht die Notwendigkeit, neue Wege zur Finanzierung zu finden. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich das Kunstmuseum in dieser neuen Realität entwickeln wird.
Nina Zimmers Erbe
Während ihrer Amtszeit hatte Zimmer die anspruchsvolle Aufgabe, das Erbe von Cornelius Gurlitt zu verwalten. Gurlitt, der im Zuge eines Skandals 2012 über 1200 Kunstwerke in seiner Wohnung beschlagnahmt sah, hinterließ dem Kunstmuseum Bern eine Sammlung von rund 1600 Kunstwerken. Diese Verantwortung brachte nicht nur Herausforderungen, sondern auch die Chance mit sich, die Provenienzforschung voranzutreiben. Zimmer betont, wie wichtig es ist, mit Nachfahren jüdischer Sammler:innen zusammenzuarbeiten und eine Abteilung für Provenienzforschung einzurichten. In der Schweiz gab es seitdem Fortschritte, und viele Museen folgen diesem Beispiel.
In ihrer neuen Rolle in der Galerie Belvedere wird sie sich erneut mit dem Thema NS-Raubkunst auseinandersetzen müssen. Dort wurden bereits über 60 Werke restituiert. Zimmer hebt die Unterschiede zwischen den Restitutionsstrukturen in Österreich und der Schweiz hervor – ein Thema, das auch in der breiten Öffentlichkeit immer mehr Beachtung findet. Ihre Vorfreude auf die Herausforderung ist spürbar, und sie freut sich auf die digitale Innovationskultur und die vielfältigen Menschen, die die Galerie Belvedere besuchen werden.
Provenienzforschung in der Schweiz
Provenienzforschung ist ein wichtiges Thema, das nicht nur Zimmers Arbeit, sondern die gesamte Museumslandschaft in der Schweiz betrifft. Museen tragen zur Sammlung, Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes bei. Die Feststellung problematischer Verbindungen zu NS-Raubkunst und kolonialer Raubkunst ist ein zentrales Ziel dieser Forschung. Das Bundesamt für Kultur unterstützt seit 2016 Museen mit Finanzhilfen zur Abklärung und Publikation von Provenienzen. Zunächst lag der Fokus auf NS-Raubkunst, seit 2018 werden auch Projekte mit archäologischem oder kolonialem Kontext unterstützt. Informationen über diese Finanzhilfen für die Förderperiode 2023-2024 sind für Museen und Sammlungen verfügbar.
Die Herausforderungen, die mit der Provenienzforschung verbunden sind, sind zahlreich. Aber die Fortschritte, die in diesem Bereich gemacht werden, sind ermutigend. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Generationen von Kunstliebhabern und Historikern von den Initiativen profitieren, die heute ergriffen werden. Nina Zimmer hat in Bern einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und ihre neue Rolle in Wien wird mit Sicherheit ebenso spannend und herausfordernd sein.
