In Basel, genauer gesagt in Liestal, ist die Verkehrssituation in den letzten Monaten ein heiß diskutiertes Thema. Domenic Schneider, der Präsident der GLP Liestal – Pratteln, wohnt in der Nähe der Sichternstrasse und nutzt diese täglich. Seine Beobachtungen sind durchaus spannend: Er beschreibt die aktuelle Begegnungszone als eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu früher. Die Autofahrer haben offenbar mehr Rücksicht aufeinander, und der Verkehr ist ruhiger und langsamer geworden. Das war nicht immer so, denn früher wurde oft viel zu schnell gefahren, insbesondere talwärts in Richtung Bahnhof. Die neue Regelung hat also ihre Vorzüge.

Doch nicht alle sind so begeistert von der neuen Verkehrsführung. Eine Initiative plant, einen Großteil der Änderungen zurückzubauen. Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man die positiven Auswirkungen sieht! Schneider kann die Initiative nicht nachvollziehen. Polizei, Stadtrat und andere Behörden bewerten die aktuelle Situation als funktionierend. Die Sicherheit hat sich verbessert, und bereits bestehende Schwachstellen wurden entschärft. Ein Rückbau würde zudem stolze 300.000 Franken kosten – eine Summe, die man sich gut überlegen sollte, wenn die Sicherheitslage doch so gut ist.

Die Tempolimits und ihre Herausforderungen

Ein weiteres Thema sind die Schwierigkeiten bei der Einhaltung des Tempolimits von 20 km/h in der Begegnungszone rund um das Liestaler Stedtli. Der neue Vorstoß im Einwohnerrat thematisiert genau diese Problematik. Autofahrer neigen dazu, das Tempolimit zu überschreiten, insbesondere auf weniger durchmischten Straßen wie der See- oder Poststraße. Fußgänger haben in der Begegnungszone Vortritt, dürfen den Verkehr jedoch nicht unnötig behindern – eine Gratwanderung, die nicht immer einfach zu meistern ist. Zwei Sensibilisierungsaktionen im letzten Jahr haben versucht, das Bewusstsein für die Geschwindigkeitsbegrenzung zu schärfen, aber die Ergebnisse sind gemischt.

Sicherheitschef René Frei berichtete, dass es bislang keine Unfälle in der Begegnungszone gegeben hat. Trotzdem überschreiten rund 20 % der Autofahrer das Tempolimit, wobei die meisten nur um ein bis fünf km/h zu schnell fahren. Die mobile Geschwindigkeitsanzeiger, die zur Kontrolle eingesetzt werden, sind ein Versuch, die Autofahrer auf ihre Geschwindigkeit aufmerksam zu machen. Man muss sich fragen, ob mehr Sensibilisierung wirklich ausreicht oder ob vielleicht andere Maßnahmen notwendig sind. Die Baselbieter Polizei führt Geschwindigkeitsmessungen durch und hat festgestellt, dass es in anderen Gemeinden mit Begegnungszonen keine größeren Probleme gibt – ein interessanter Vergleich.

Ein Blick über die Grenzen hinaus

Die Diskussion über Begegnungszonen und Shared Space ist nicht nur lokal, sondern hat auch internationale Dimensionen. Verschiedene Publikationen haben die Thematik beleuchtet, etwa Baier et al. (2015) oder Gehl (2010) in „Cities for People“. Diese Studien zeigen, dass die Gestaltung öffentlicher Räume eine wichtige Rolle spielt, um das Zusammenleben von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern zu fördern. Shared Space ist nicht nur ein Konzept, sondern eine Philosophie, die darauf abzielt, lebendige und sichere öffentliche Räume zu schaffen.

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In der Schweiz und anderen Ländern gibt es bereits interessante Ansätze und Beispiele für solche Zonen. Die Idee, den Verkehr nicht nur durch Fußgängerstreifen, sondern auch durch niedrigere Geschwindigkeiten und gegenseitige Rücksichtnahme zu lenken, könnte vielleicht auch in Liestal ein Weg sein, um die Situation zu verbessern. Schneider plädiert dafür, die Gesamtsituation zu betrachten und neue Lösungen zu akzeptieren. Am 14. Juni wird er gegen die Rückbau-Initiative sprechen – ein klares Zeichen für Veränderung und Fortschritt.