Heute ist der 24.05.2026 und während Basel seine charmanten Straßen und Plätze genießt, gibt es eine neue Herausforderung, die die Stadtbewohner beschäftigt. Die Tina-Trams, die seit September 2023 auf den Schienen unterwegs sind, haben sich schnell einen umgangssprachlichen Beinamen erarbeitet: «Erdbeben-Drämmli». Denn was als modernes Transportmittel gedacht war, sorgt bei vielen Anwohnern für jede Menge Unmut.
Die ersten Tina-Trams der Baselland Transport AG (BLT) haben die alten Schindler-Trams ersetzt, doch der Lärm und die Vibrationen, die diese neuen Fahrzeuge verursachen, sind alles andere als willkommen. Berichte von Geschirr, das in Schränken klappert, und Wänden, die bei der Durchfahrt der Trams zu wackeln scheinen, sind keine Seltenheit mehr. Anwohner fühlen sich durch das «anschwellende Donnergrollen», wie es eine Betroffene aus Darmstadt beschreibt, gestört. Und das nicht nur hier, sondern auch in deutschen Städten wie Darmstadt, wo Bürgerinitiativen wie «Tina – so nicht!» sich vehement gegen die Lärmbelastung wehren.
Maßnahmen zur Lärm- und Vibrationsreduzierung
Die Hersteller von Stadler und das Transportunternehmen BLT haben die Beschwerden ernst genommen und bereits erste Maßnahmen zur Lärm- und Vibrationsreduzierung getestet. Ein neues Fahrwerk wurde entwickelt, das den Lärmpegel um etwa 50% senken soll – und damit die Tina-Trams wieder auf ein Niveau bringt, das ähnlich laut ist wie die älteren Tango-Modelle. Ab Juli wird ein BLT-Tram mit neuen gummigefederten Rädern ausgestattet, die speziell dafür konzipiert sind, die Schwingungen zwischen Rad und Schiene zu dämpfen. Die Tests der neuen Räder beginnen zunächst ohne Fahrgäste, bevor die Ergebnisse nach einem Monat ausgewertet werden.
Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mittlerweile auch beschlossen, keine weiteren Tina-Trams zu bestellen. Grund dafür sind die hohen Erschütterungsmesswerte, die beim eingereichten Tramtyp gemessen wurden. Eine neue Ausschreibung für Tramfahrzeuge wurde bereits gestartet, auch wenn sich bisher kein anderer Anbieter beworben hat. Das zeigt, wie groß die Herausforderungen in der modernen Tramgestaltung sind. Die Anschaffung der Tina-Trams hat die BLT und die Stadt immerhin rund 100 Millionen Euro gekostet, und das Ziel war es, die Fahrzeugflotte zu modernisieren. Aber das soll nicht auf Kosten der Anwohner gehen.
Ein Blick über die Grenze
Die Probleme mit den Tina-Trams sind nicht nur ein baselstädtisches Phänomen. In Darmstadt haben Anwohner ähnliche Erfahrungen gemacht. Hier berichten sie von vibrierenden Gegenständen und sogar Rissen in Wänden. Ein Gutachten hat bestätigt, dass die neuen Niederflurfahrzeuge erhöhte Schwingungsemissionen verursachen. Experten vermuten, dass ein Zusammenspiel von Tram, Gleisen und Baukörpern die Ursache ist. Der Hersteller Stadler hat die komplexen Drehgestelle der Trams ins Spiel gebracht – sie sind für die Niederflurigkeit und die barrierefreie Nutzung notwendig, scheinen aber auch die Lärm- und Vibrationsproblematik zu verschärfen.
Dieses Dilemma, zwischen modernem Transport und der Lebensqualität der Anwohner, ist ein schmaler Grat, den die Städte nun zu balancieren versuchen. Während die BLT und Stadler nach Lösungen suchen, bleibt zu hoffen, dass die neuen Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen. Denn die Baslerinnen und Basler wünschen sich nichts sehnlicher, als dass ihre Stadt ein Ort bleibt, an dem man sich wohlfühlt – mit oder ohne «Erdbeben-Drämmli».