Heute ist der 9.06.2026 und in Basel tut sich einiges im Schulwesen. Ein frischer Wind weht durch die Klassenzimmer, und das nicht nur, weil die Fenster endlich wieder auf sind. Melanie Saracevic, Lehrerin einer 6. Klasse, ist ganz begeistert von den neuen Regelungen. Ihre Schüler sind nicht mehr so sehr dem Druck der Noten ausgesetzt wie früher. Im Deutschunterricht arbeiten die Kinder fleißig an den vier Fällen, und es scheint, als hätten sie von der neuen Jahrespromotion richtig profitiert. „Die Kinder haben endlich die Möglichkeit, ihre Leistungen zu zeigen und sich zu verbessern“, sagt sie und strahlt dabei förmlich. Die Standortgespräche, die wie gewohnt im Dezember und Januar stattfanden, haben ebenfalls dazu beigetragen, dass alle wissen, wo sie stehen.

Die Veränderungen bringen auch viel Positives mit sich: Statt frustrierender Prüfungen gibt es jetzt mehr Zeit für kreative Workshops und spannende Ausflüge. Das ist nicht nur für die Schüler eine Erleichterung, sondern auch für die Lehrkräfte. „Ich kann jetzt Themen viel intensiver bearbeiten, besonders in Mathematik und NMG“, erzählt Saracevic. Und auch Tizian Reist, ein Kollege aus der gleichen Schule, stimmt ihr zu. Er sieht die Möglichkeit, individueller auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. „Der Prüfungsdruck ist deutlich gesunken“, sagt er, auch wenn die Phase vor Weihnachten noch immer eine Herausforderung darstellt.

Ein neuer Blick auf Prüfungen

Doch was passiert mit der Prüfungskultur, die so lange den Schulalltag geprägt hat? Philippe Wampfler, ein Schweizer Autor und Lehrer, spricht sich klar für eine Reform aus. Prüfungen sind oft einfach zu früh oder zu spät angesetzt, was kontinuierliches Lernen behindert. „Die Normalisierung von Prüfungen führt dazu, dass Veränderungsvorschläge als utopisch erscheinen“, sagt Wampfler. Das ist ein Punkt, den viele Eltern und Lehrer nachvollziehen können. Anstatt sich um Noten zu drehen, könnte man doch lieber Feedback geben, das nachhaltig wirkt und die Lernenden besser unterstützt.

Veronika Orasch von den Volksschulen Basel-Stadt begleitet die Einführung der Jahrespromotion und hat festgestellt, dass der Druck unterschiedlich wahrgenommen wird. Sie betont, dass die längere Beurteilungsphase den Übertritt der Kinder positiv beeinflusst. „Jetzt haben die Kinder mehr Zeit, ihre Leistungen zu zeigen“, sagt sie. Und das ist für viele Schüler eine willkommene Entlastung. Sophie, eine Schülerin, beschreibt den wechselnden Prüfungsdruck als herausfordernd. „Ehrlich gesagt, manchmal ist es stressig, aber jetzt ist es lockerer“, fügt sie hinzu. Jan, ein anderer Schüler, hat ähnliche Gefühle. Vor dem Notenschluss war alles noch viel nervenaufreibender.

Die Balance zwischen Leistung und Menschlichkeit

Die Herausforderungen, die mit der traditionellen Prüfungsform verbunden sind, sind nicht zu unterschätzen. Prüfungen senken oft die Motivation, da sie nicht immer zu den Interessen der Lernenden passen. Außerdem wird der Vergleich mit anderen schnell demotivierend und ungenau. Klaus Zierer hebt die duale Rolle der Schule hervor: die Förderung der Kinder und die Sicherstellung des Gemeinwohls. Das klingt gut, aber wie kann man das im Schulalltag umsetzen? Lehrer müssen sich der Risiken bewusst sein, die durch Leistungsorientierung entstehen können, und gleichzeitig eine humane Prüfungskultur schaffen, die auf kontinuierlichem Lernen und positiver Rückmeldung basiert.

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In Basel spüren die Schüler und Lehrer bereits die Vorteile dieser neuen Herangehensweise. Ein Jahreszeugnis statt zwei Semesterzeugnissen – das empfinden viele als entspannter. Vielleicht ist das der Schlüssel, um den Druck aus der Schule zu nehmen und den Schülern Raum für Entwicklung zu geben, während sie gleichzeitig wichtige Kompetenzen erwerben. Die Zukunft der Prüfungskultur in der Schule bleibt spannend und zeigt, dass ein Umdenken möglich ist.