Am Mittwochmorgen, es war noch dunkel, begann die Polizei in Basel mit der Räumung eines seit Wochen besetzten Chemie-Areals. Was als geordnete Aktion geplant war, entwickelte sich schnell zu einem explosiven Szenario. Die Besetzer, die ihr Kulturzentrum auf dem Klybeckareal „Zone Autonome Culturelle Klybeck“ (Zack) getauft hatten, waren alles andere als bereit, kampflos aufzugeben. Der Einsatz setzte eine Kettenreaktion in Gang, die in einer heftigen Demonstration mündete.

Die Demonstration war nicht nur ein Ausdruck des Protests, sondern auch ein großes Spektakel mit erheblichen Sachschäden. Schmierereien – unter anderem am Rathaus – und Farbbeutel, die gegen die UBS-Filiale und das Warenhaus Globus geschleudert wurden, hinterließen ihre Spuren. Stühle flogen gegen die Fenster der Starbucks-Filiale, eine chaotische Szenerie, die die Gemüter hochkochen ließ. Mehrere hundert Menschen zogen vom Kleinbasel zum Marktplatz, während die Polizei mit Wasserwerfern und Reizgas reagierte. Es war ein Bild des Aufruhrs, das man so schnell nicht vergisst.

Die Wut der Demonstrierenden

Die Wut über die Räumung war deutlich spürbar. An der Spitze des Demonstrationszugs wurden Böller und Raketen gezündet, die in Richtung Polizei flogen. Laut Polizei entstand erheblicher Sachschaden entlang der Route. Eine Person wurde festgenommen, verdächtigt des Landfriedensbruchs und massiver Sachbeschädigungen. Politische Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Die Jungfreisinnigen bezeichneten die Gewalt als einen Angriff auf die Gesellschaft, während die SVP ermittelte und finanzielle Verantwortung für den Schaden forderte.

Die SVP hat sogar eine Initiative eingereicht, die unbewilligte Demonstrationen verbieten und Demonstrierende für Polizeikosten und Schäden haftbar machen soll. Das Echo auf diese Initiative war gespalten. Der Basler Grosse Rat sowie die Regierung lehnten sie ab, um das Grundrecht der Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu schützen. Ein schwieriger Balanceakt zwischen Sicherheit und Freiheit, der das basel-städtische Stimmvolk am 27. September zur Abstimmung bringen wird.

Ein Blick auf die Hintergründe

Das „Zack“-Kollektiv hatte bereits Ende Mai drei leer stehende Gebäude auf dem Klybeck-Areal besetzt, in einem Versuch, Raum für kulturelle Aktivitäten zu schaffen. Die Eigentümerin, das Versicherungsunternehmen Swiss Life, hatte offensichtlich andere Pläne. Bei der Räumung ließ die Polizei nichts unversucht, um die Situation zu kontrollieren. Zwei Personen blieben nach der Räumung auf dem Dach des Chemie-Areals und lehnten sowohl Verpflegung als auch medizinische Hilfe ab – ein klares Zeichen für ihren Widerstand.

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Franziska Stier von der Linksaussen-Partei Basta äußerte Verständnis für die Wut über die Räumung, verurteilte aber die Sachbeschädigungen. Ein Zwiegespräch zwischen Verständnis und Ablehnung, das die Komplexität der Situation unterstreicht. Die Auseinandersetzung um das Chemie-Areal ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern spiegelt größere gesellschaftliche Konflikte wider, die in vielen Städten zu finden sind.