In Basel, genauer gesagt im Kleinbasel, hat sich in den frühen Morgenstunden ein spannendes, wenn auch turbulentes Schauspiel abgespielt. Aktivistinnen und Aktivisten des „Zack-Kollektivs“ hatten seit vier Wochen ein ehemaliges Chemieproduktions-Areal besetzt. Ihr Ziel war es, einen Raum für Kreativität und Selbstverwaltung zu schaffen, der im Gegensatz zu unserer konsumorientierten Gesellschaft steht. Doch nach einem abgelaufenen Ultimatum am Sonntagabend begann die Polizei um 4 Uhr mit der Räumung des 7000 Quadratmeter großen Areals an der Klybeckstrasse, das aus drei Gebäuden besteht.

Die Eigentümerin, Swiss Life, rechtfertigte die Räumung aus Sicherheitsgründen. Man könnte meinen, dass bei der Besetzung der leerstehenden Gebäude etwas Aufregung und Unruhe in die ruhigen Straßen der Stadt eingezogen sind. Anwohner äußerten sich kritisch über den Polizeieinsatz, der als überdimensioniert empfunden wurde. Die Absperrungen und der Lärm der Einsatzkräfte sorgten für Unmut im Quartier. Zu Beginn der Räumung befanden sich noch zwei Personen auf dem Dach eines der Gebäude, mit denen die Polizei stundenlang im Austausch stand. Die Verhandlungen und Gespräche zogen sich in die Länge und sorgten dafür, dass die Räumung nicht so glatt vonstatten ging, wie vielleicht geplant.

Ein Ort der Experimente

Vor einem Monat war das Gelände besetzt worden, um ein selbstverwaltetes Kulturzentrum einzurichten. Die Aktivistinnen und Aktivisten wollten damit einen Raum für „Experimente und Interaktionen“ schaffen, in einer Stadt, die oft von Kommerz und Konsum geprägt ist. Sie forderten, dass die leerstehenden Gebäude der Selbstverwaltung überlassen werden sollten, um kulturelle Freiräume zu schaffen. Die Polizei, die für den Einsatz verantwortlich war, hatte die Situation als kritisch eingestuft, was die Absperrungen und den großflächigen Einsatz erklärt.

Die Gebäude K102, K104 und K106, die nun im Fokus stehen, gehören allesamt dem Versicherungskonzern Swiss Life. Diese hatte zuvor den Zwischennutzungsvertrag mit dem ehemaligen Musikclub Humbug nicht verlängert. Und so war der Weg für die Aktivisten geebnet, die dann das Areal besetzten und ihren Traum eines Kulturzentrums in die Tat umsetzten. Während des Polizeieinsatzes wurde das Areal weiträumig abgesperrt, um den Einsatzkräften eine sichere Arbeit zu ermöglichen. Teile der Klybeckstrasse waren für den Individualverkehr gesperrt.

Die Zukunft des Areals

Nach der Räumung bleibt das Gelände weiterhin gesperrt; unbefugter Zutritt ist strafbar. Die Verantwortung für die Sicherung des Areals liegt nun wieder bei der Eigentümerschaft. Swiss Life plant, die bestehenden Gebäude bis Ende 2027 in Etappen abzureißen, um einem neuen Stadtquartier Platz zu machen, das Wohnungen für 8500 Menschen und Raum für 7500 Arbeitsplätze bieten soll. Das Transformationsprojekt „Klybeck plus“ soll ein 30 Hektar großes Stadtquartier schaffen, das auch Grün- und Freiräume umfasst. Das klingt nach einer ambitionierten Vision, aber die Frage bleibt: Wo bleibt der Platz für kulturelle Experimente und Alternativen?

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Die Aktivistinnen und Aktivisten haben bereits mit weiteren Besetzungen gedroht und für Mittwochabend zu einer Demonstration aufgerufen, die auf der Dreirosenanlage stattfinden soll. In sozialen Medien wird das Event bereits heiß diskutiert. Es wird sich zeigen, ob der Druck der Zivilgesellschaft und der Wunsch nach kulturellen Freiräumen in Basel gehört werden. Die Transformation zur Stadt der Zukunft ist nicht nur eine Aufgabe für Investoren und Planer – sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die alle betrifft. Stadtentwicklung muss alle Stimmen einbeziehen, um lebendige, inklusive und nachhaltige Räume zu schaffen.