Basel, die Stadt, die für ihre kulturelle Vielfalt und ihre lebendige Gemeinschaft bekannt ist, steht derzeit im Zeichen der „Dritten Orte“. Cathérine Miville, eine engagierte Kolumnistin, hat in einem aktuellen Beitrag die Notwendigkeit solcher Begegnungsräume thematisiert. Sie beschreibt, wie wichtig es ist, Orte zu schaffen, an denen Menschen jenseits von Zuhause und Arbeitsplatz zusammenkommen können. Das sogenannte Klybeck-Areal ist dabei in den Fokus gerückt, wo die Gruppierung „Zack“ die langfristige und vertragslose Abtretung besetzter Gebäude fordert. Es wird deutlich, dass trotz einer Fülle an offenen Räumen in Basel der Bedarf an solchen „Dritten Orten“ noch lange nicht gedeckt ist.

Der Begriff „Dritte Orte“ wurde von Soziologe Ray Oldenburg geprägt und umfasst all jene Plätze, die für soziale Interaktionen und kulturelle Begegnungen genutzt werden. Im Mai fand in Basel eine internationale Fach-Konferenz zu diesem Thema statt, an der beteiligte Städte wie London, Wien, München, Paris und Stockholm ihre Erfahrungen und Ideen teilten. Die Vielfalt der Initiativen, die von Institutionen wie dem Theater Basel, dem Unternehmen Mitte und den GGG Stadtbibliotheken präsentiert wurden, zeigt das Engagement der Stadt für kulturelle Projekte. Allerdings stehen verschiedene Interessen und Herausforderungen dem Fortschritt im Wege. So gibt es beispielsweise Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Planungen im Franck-Areal, bedingt durch die gestiegenen Kosten für die Verlegung der Hafenbahn.

Die Herausforderung der Finanzierung

Ein weiteres drängendes Problem ist der Rückgang der Fördergelder für Kulturprojekte. Das hat zur Folge, dass ein breites Engagement in der Gemeinschaft erforderlich wird. Ehrenamtliche Helfer*innen sind für viele Institutionen unverzichtbar, jedoch ist ein Rückgang der Bereitschaft zur regelmäßigen Mitarbeit festzustellen. Dabei ist die Unterstützung von „Dritten Orten“ für diverse Lebensrealitäten unerlässlich. Hier in Basel wird spürbar, wie wichtig es ist, dass die lokale Bevölkerung aktiv in die Gestaltung ihrer kulturellen Räume einbezogen wird. Sie sollen nicht nur konsumieren, sondern auch mitgestalten – ein echtes Miteinander.

In Nordrhein-Westfalen wird die Entwicklung solcher kultureller Begegnungsorte auf politischer Ebene aktiv gefördert. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft hat ein offenes und flexibles Förderprogramm ins Leben gerufen, das nicht nur Konzeptentwicklung, sondern auch Beratungsangebote für Projektträger umfasst. Die Merkmale eines „Dritten Ortes“ sind klar: kulturelle Angebote, Vernetzung, die Einbindung der örtlichen Bevölkerung, gute Erreichbarkeit und eine einladende Atmosphäre. Von 2019 bis 2023 wurden in Nordrhein-Westfalen bereits 26 „Dritte Orte“ gefördert, und die Zusammenarbeit mit örtlichen Akteuren zeigt, wie wichtig Nachhaltigkeit in der Kulturszene ist.

Ein Blick über den Tellerrand

Ein Beispiel für die gelungene Etablierung eines „Dritten Ortes“ ist der historische Wasserturm in Wesel. Dieser Ort, der seit 1991 für Wechselausstellungen genutzt wird, soll zukünftig nicht nur Kunst beherbergen, sondern auch als inklusiver Begegnungsort fungieren. Hier werden erweiterte Öffnungszeiten, die Einrichtung eines Cafés und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern geplant. Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, der für alle Menschen zugänglich ist – unabhängig von Alter, Herkunft oder Behinderung. Das Netzwerk von Kunst- und Kulturschaffenden in der Region wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In Basel ist die Situation ähnlich, auch wenn die Herausforderungen hier ganz eigene Dimensionen annehmen. Der historische Kontext der Hausbesetzungen, die in Basel eine lange Tradition haben, bringt sowohl Chancen als auch Schwierigkeiten mit sich. Die Erfahrungen im Umgang mit solchen Situationen könnten wertvolle Hinweise für die Entwicklung und Unterstützung von „Dritten Orten“ bieten.

Die Dynamik, die in diesen Prozessen steckt, ist faszinierend. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen kulturellem Angebot und den Bedürfnissen der Bevölkerung. Die Frage bleibt: Wie können wir diese Orte so gestalten, dass sie für alle zugänglich sind und die Gemeinschaft stärken? Ein lebendiger Austausch, der genau diese Fragestellungen aufwirft, ist unerlässlich.