Lehrer am Limit: Wenn der Unterricht zur Belastung wird
Heute ist der 11.06.2026 und die Situation an Basels Schulen spitzt sich zu. Lehrkräfte, die einst mit Leidenschaft und Hingabe unterrichteten, sehen sich zunehmend mit Belastungen konfrontiert, die ihre Gesundheit und ihre Arbeit beeinträchtigen. Seit 2020 sind die Krankheitsausfälle unter Basler Lehrerinnen und Lehrern um satte 27 Prozent gestiegen. Ein alarmierender Anstieg, der den Kanton Basel-Stadt jährlich fast acht Millionen Franken kostet, um die fehlenden Stunden zu kompensieren. Wo bleibt da die Würde des Lehrberufs?
Die Finanzkommission des Grossen Rates hat in ihrem Jahresbericht auf dieses Problem hingewiesen und damit ein Licht auf die Schattenseiten des Lehreralltags geworfen. Jean-Michel Héritier, der Präsident des Verbands Freiwillige Schulsynode, fordert dringend ein betriebliches Gesundheitsmanagement an Schulen. Schließlich engagieren sich Lehrpersonen oft auch bei Krankheit – sie möchten ihre Schüler nicht im Stich lassen. Doch die Realität sieht anders aus. Besonders an der Unterstufe ist die Belastung enorm, weil in einer Klasse viele verschiedene Kinder betreut werden müssen. Das führt zu einem hohen Stresslevel, das nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Schülerinnen und Schüler betrifft.
Ein überladener Lehrplan
Der Lehrplan 21 wird als „überladen“ kritisiert und ist nicht nur in Basel-Stadt ein heißes Thema. Auch im benachbarten Basel-Landschaft ist die Stimmung angespannt. Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland (LVB) hat in einer Versammlung in Muttenz klare Worte gefunden: Der Lehrplan wird als „Burnout-Programm für Kindergärtnerinnen und Unterstufenlehrer“ bezeichnet. Der LVB kritisiert scharf, dass die Schulreformen zu viel des Guten sind und die Lehrkräfte die Leidtragenden sind.
In der Versammlung wurden Resolutionen verabschiedet, die auf die Probleme der Lehrkräfte aufmerksam machen. Das sind Forderungen, die niemand ignorieren sollte: Keine weiteren Verschlechterungen der Anstellungsbedingungen, ein Moratorium für Bildungsreformen und eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse. Seit 1998 haben Lehrkräfte durch nicht gewährte Teuerungsausgleiche einen Lohnverzicht von fast 170 Millionen Franken erlitten. Das ist einfach nicht mehr hinnehmbar!
Die Realität der Lehrkräfte
Eine LCH-Arbeitszeiterhebung aus dem Jahr 2019 hat dokumentiert, dass viele Lehrpersonen viel zu lange arbeiten. Diese Überlastung führt zu einem immer höheren Risiko von Burnouts. Und wo bleibt die Unterstützung von Seiten der Verantwortlichen? Das baselstädtische Erziehungsdepartement erkennt zwar die hohe Belastung, doch ein einheitliches System zur Erfassung von Krankheitstagen gibt es nicht. Das führt dazu, dass die wahren Dimensionen der Problematik oft im Dunkeln bleiben.
Der Bildungsdirektor Urs Wüthrich und seine Nachfolgerin Monica Gschwind waren anwesend, aber irgendwie fielen sie kaum auf. Es bleibt zu hoffen, dass die geplante Umfrage zu Gesundheitsthemen, deren Ergebnisse bis Ende des Jahres vorliegen sollen, zu echten Veränderungen führt. Der Lehrplan muss dringend an die Schulrealität angepasst werden, und die Stimmen der Lehrkräfte müssen gehört werden. Psychologe Allan Guggenbühl hat es treffend formuliert: Lernen ist ein emotionaler Prozess, und Humor im Unterricht kann eine wichtige Rolle spielen. Doch wie soll das alles gelingen, wenn die Lehrkräfte überlastet und demotiviert sind?
Die Herausforderungen, denen sich unsere Lehrkräfte gegenübersehen, sind komplex und erfordern eine sorgfältige Analyse. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich handeln und die Situation an den Schulen in Basel nachhaltig verbessern. Denn eines ist klar: Wenn unsere Lehrkräfte leiden, leiden auch unsere Kinder.
