Basel im Wohnschutz-Dilemma: Zwischen Dramatik und Wohnraummangel
Heute ist der 11.06.2026 und während in Zürich über die Wohnschutzinitiative entschieden wird, werfen wir einen Blick auf Basel, das als Beispiel für die Debatte um den Wohnschutz herangezogen wird. Die Diskussion hier ist alles andere als einfach. Ein Immobilienexperte namens Fabian Halmer hat klare Worte für den Basler Wohnschutz gefunden – er bezeichnet ihn als eine Sackgasse. Das Ganze klingt fast wie ein Drama, bei dem sich die Protagonisten in einem ständigen Konflikt befinden. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die den Rückgang der Sanierungsinvestitionen als Erfolg feiern. Auf der anderen Seite warnen Kritiker wie Halmer, dass dieser Rückgang dazu führen könnte, dass der verfügbare Wohnraum in Basel stark abnimmt.
Ein Blick in das Trendquartier Gundeldingen zeigt, wie sich die Lage konkret auswirkt. Hier stehen sieben von zehn Wohnungen leer, weil Sanierungen blockiert werden. Eigentümer möchten sanieren, aber die Rechtsstreitigkeiten machen ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Sanierungskosten sind hoch, zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Franken werden geschätzt. Die Mietzinssteigerungen sind durch den Wohnschutz auf maximal 160 Franken begrenzt – was auf den ersten Blick gut klingt, in der Realität aber oft nicht kostendeckend ist.
Rückläufige Neubautätigkeit
Die Neubautätigkeit in Basel hat in den letzten Jahren stark nachgelassen. 2022 wurden noch 902 neue Wohnungen gebaut, 2025 sollen es nur noch 263 sein. Auch die Zahl der Baugesuche zeigt einen dramatischen Rückgang. Von einem Höchststand von 1.074 Wohneinheiten im Jahr 2018 sind wir auf gerade mal 67 Einheiten im Jahr 2023 gefallen – ein Rückgang um stolze 95 Prozent! Wie aus einer Studie von SVIT Schweiz, HEV Schweiz und dem Swiss Real Estate Institute hervorgeht, ist dieser Rückgang nicht nur auf die allgemeine landesweite Baukonjunktur zurückzuführen, sondern wird durch die Wohnschutzverordnung noch verstärkt. Langwierige Bewilligungsverfahren und eine zunehmende Regeldichte führen dazu, dass immer weniger Investitionen in den städtischen Wohnungsbau fließen.
Die Wohnschutzverordnung trat im April 2022 in Kraft und sollte eigentlich Kündigungen und Luxussanierungen verhindern. Doch während die Befürworter den Rückgang der Investitionen als Erfolg werten, sieht Halmer die Sache kritischer. Er warnt, dass wir langfristig vor einem Mangel an saniertem Wohnraum stehen könnten. Ein besorgniserregender Gedanke, wenn man bedenkt, dass die Mieten in Basel 2025 um bis zu drei Prozent gestiegen sind – und die Tendenz zeigt nach oben.
Überarbeitung des Wohnschutzgesetzes in Sicht
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben die Basler Behörden angekündigt, bis 2027 das Wohnschutzgesetz zu überarbeiten. Die geplanten Anpassungen sollen nicht nur energetische Sanierungen fördern, sondern auch die Verfahren beschleunigen. Die Zahl der Sanierungsgesuche ist bereits um 40 Prozent gestiegen, was zeigt, dass es einen Bedarf gibt – auch wenn die Umsetzung nicht immer reibungslos verläuft.
Schaut man auf die Situation in Basel, wird einem klar, dass hier ein spannendes – wenn auch angespanntes – Spiel zwischen Wohnschutz und Wohnraummangel stattfand. Das Stimmvolk hat 2021 für die Wohnschutzinitiative gestimmt, doch die Folgen dieser Entscheidung sind nun deutlich sichtbar. Die Frage bleibt, ob die geplanten Reformen tatsächlich ausreichen werden, um die Herausforderungen zu meistern. Die Debatte wird mit Sicherheit noch lange weitergehen, und das nicht nur in Basel, sondern auch in Zürich, wo die Bürger an der Urne entscheiden werden, ob sie ähnliche Wege gehen wollen.
