Am Sonntag findet die Landsgemeinde in Appenzell statt, ein Ereignis, das die Traditionen des Kantons mit Leben füllt. Gleichzeitig wird die Narregmend in Appenzellen Ausserrhoden abgehalten, ein Brauch, der seit 2015 wieder regelmäßig und zeitgleich zur Landsgemeinde stattfindet. Die Narregmend, die erstmals im Jahr 1680 erwähnt wurde, war über die Jahre hinweg in Vergessenheit geraten, doch heute erfreut sie sich wieder großer Beliebtheit.

Ein Blick in die Archive der Appenzeller Zeitung zeigt, dass die Entwicklung des Frauenstimmrechts in der Region eine bewegte Geschichte hat. So berichtete die Zeitung im Jahr 1976 über eine Frau, die um die Aberkennung ihres Bürgerrechts bat, nachdem die Männer des Kantons das Frauenstimmrecht abgelehnt hatten. Diese Ereignisse stehen im Kontrast zu den Fortschritten, die in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden.

Ein Blick auf die Badi Herisau

Die Badi Herisau hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ziel für Einheimische und Besucher entwickelt. Besonders der Badmeister Beat Hefti, ein Olympiasieger im Bobfahren, hat dazu beigetragen, dass die Badi positive Aufmerksamkeit erlangte. Vor einigen Jahren sah die Situation jedoch ganz anders aus: 1975 war die Badi mit schlechtem Wetter, der Konkurrenz durch beheizte Bäder und einer unglücklichen Badmeisterwahl konfrontiert. Damals lösten lediglich rund 12.500 Personen einen Badieintritt in der Badi Herisau aus.

Heute, im Jahr 2025, hat sich die Situation grundlegend gewandelt. Über 32.000 Eintritte zeigen, dass die Badi Herisau zu einem wahren Publikumsmagneten geworden ist. Besonders bemerkenswert ist, dass die Badi mittlerweile beheizt ist und das Wasser durch schwarze Wasserrohre von der Sonne erwärmt wird – ein umweltfreundlicher Schritt, der den Besuchern zugutekommt.

Historische Entwicklungen im Bahnhof Herisau

Die Geschichte der Region ist auch eng mit der Entwicklung des Bahnhofs Herisau verbunden. Im Jahr 1976 begannen die Bauarbeiten an der Überbauung West, die ein Mehrzweckgebäude für die Bodensee-Toggenburg-Bahn beinhaltete. Während dieser Bauarbeiten wurde auch der Mühlebühl-Tunnel umgebaut, was bedeutete, dass die Appenzeller Bahnen zeitweise auf provisorischen Schienen fahren mussten. Solche Veränderungen sind Teil der ständigen Weiterentwicklung der Infrastruktur, die die Lebensqualität der Bevölkerung verbessert.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der lange Weg zum Frauenstimmrecht

Ein bedeutender Wendepunkt in der Geschichte Appenzell Ausserrhoden war die Einführung des Frauenstimmrechts, die am 30. April 1989 stattfand. Dieser Schritt kam 18 Jahre nach der Volksabstimmung von 1971, die das Frauenstimmrecht in der Schweiz beschloss. Politische Unterstützung erhielt die Bewegung von engagierten Politikerinnen und Prominenten, darunter Martha Emmenegger. Die Abstimmung in Hundwil war zwar knapp, doch letztlich stimmten die Männer mit einem erkennbaren Mehr für das Frauenstimmrecht.

Die Geschichte des Frauenstimmrechts in Ausserrhoden war von Widerständen geprägt. Zwischen 1970 und 1984 sprach sich die Landsgemeinde fünfmal gegen das Frauenstimmrecht aus. Es gab zwar erste Erfolge auf Gemeindeebene, doch das kantonale Stimmrecht wurde immer wieder abgelehnt. Erst 1990 durften Frauen an der Landsgemeinde mitentscheiden, was einen Meilenstein in der Gleichstellung darstellt.

Die Entwicklung in Appenzell Ausserrhoden steht im Kontext des breiteren gesellschaftlichen Wandels in der Schweiz, wo die ersten Kantone, die das Frauenstimmrecht einführten, Waadt und Neuenburg im Jahr 1959 waren. Der Kanton Innerrhoden, der 1990 das Frauenstimmrecht ablehnte, wurde später durch eine Entscheidung des Bundesgerichts gezwungen, dieses Recht einzuführen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, Traditionen zu hinterfragen und Fortschritt zuzulassen.

Die heutige Landsgemeinde in Appenzell ist nicht nur ein symbolträchtiges Event, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Veränderungen, die die Region in den letzten Jahrzehnten durchlebt hat. Sie erinnert uns daran, wie weit wir gekommen sind und welche Herausforderungen noch vor uns liegen.