Rachel Rinast: Die Pionierin des Kommentierens im Männerfußball
Rachel Rinast, geboren am 2. Juni 1991 in Bad Segeberg, hat sich nicht nur als talentierte Fußballerin, sondern auch als mutige Kommentatorin einen Namen gemacht. Die ehemalige Nationalspielerin hat vor kurzem ein echtes Novum geschaffen: Sie kommentierte als erste Frau ein WM-Spiel der Männer. Das „Pride Match“ zwischen Ägypten und Iran war ihre Premiere, und dabei ließ sie sich nicht von den Protesten der Verbände ablenken, die gegen die Erlaubnis der Regenbogenflaggen während des Spiels waren. Mit einer Nüchternheit, die man nur von einer erfahrenen Sportlerin erwarten kann, ordnete sie die Rahmenbedingungen ein und das Spiel endete 1:1 – ohne Komplikationen.
Nachdem sie im Frühling 2023 ihren Rücktritt vom aktiven Fußball bekannt gab, war es für Rinast an der Zeit, ihren Platz auf der Kommentatorenbank einzunehmen. Sie hätte es sich leicht machen können, als Ergänzungsverteidigerin zur WM zu reisen, doch das wäre nicht sie gewesen. „Ich wollte nicht nur als Kleber zwischen den Spielerinnen fungieren“, erklärte sie klar und deutlich. In der kommenden Heim-EM der Frauen 2025 wird sie als erste Frau im Deutschschweizer Fernsehen Frauenspiele alleine kommentieren. Aber wir wissen ja, dass sie auch nicht davor zurückschreckt, Männerspiele zu kommentieren, wie zum Beispiel die Premier-League-Partien für Sky Deutschland.
Die Herausforderungen einer Pionierin
Ihr Weg war nicht immer einfach. Mit sexistischen Kommentaren musste sie sich besonders als Frau im Kommentatorenbereich auseinandersetzen. Auch wenn Kritik nicht ausblieb, etwa wegen ihrer Nähe zu Spielerinnen, bleibt Rinast standhaft und verteidigt ihren Platz in dieser Männerdomäne. Ihre angenehm klingende Stimme und die Fähigkeit, Emotionen zu zeigen, ohne das Publikum zu überfordern, machen sie zu einer sympathischen und kompetenten Kommentatorin.
Rachel hat eine beeindruckende Fußballkarriere hinter sich: 48 Länderspiele für die Schweiz, darunter die Teilnahme an der WM 2015 in Kanada und den EM 2017 sowie 2022. Ihre Vereinslaufbahn führte sie durch zahlreiche Stationen, vom FFC Oldesloe 2000 über den 1. FC Köln bis hin zum FC Basel, wo sie 30 Spiele absolvierte und sogar 12 Tore erzielte. Letztlich kam sie 2023 zum FC St. Pauli. Dabei hat sie sich immer mit vollem Einsatz in jedes Spiel gestürzt und nie den Fokus auf ihre Leidenschaft für den Sport verloren.
Ein Blick auf die Medienkarriere
In den letzten Jahren hat sich Rachel Rinast auch in den Medien hervorgetan. Neben ihrer Kommentatorentätigkeit hat sie einen Podcast gestartet, der sich mit dem Fußball beschäftigt, und sich als Mitglied des Frauenfußball-Expertenteams des Schweizer Radio und Fernsehens etabliert. Mit ihrem Hintergrund — sie hat Lehramt mit Sport und Germanistik studiert — bringt sie nicht nur Fachwissen, sondern auch eine persönliche Note in ihre Kommentare ein. Der Tod ihres Vaters hat sie öffentlich gemacht und zeigt damit, dass auch Sportlerinnen menschlich sind und Herausforderungen haben.
Mit ihrem eigenen Stil und ihrer fesselnden Art könnte es durchaus sein, dass wir sie in naher Zukunft auch beim Männer-Nationalteam sehen. Und während sie sich in die Welt des Fußballs einarbeitet, bleibt sie eine Vorreiterin in einem Bereich, der lange Zeit von Männern dominiert war. Es ist spannend zu sehen, wie sich ihre Karriere weiterentwickelt und welche Spuren sie im Fußball hinterlassen wird.
