Im Aargau lebt die talentierte Autorin und Übersetzerin Sahar Tavakoli, die aus dem Iran geflohen ist. Ihre Geschichte ist bewegend und zeigt, wie stark der Einfluss eines repressiven Regimes auf das Leben von Menschen sein kann. Nach drei Monaten der Internetsperre im Iran, die die Bevölkerung in eine digitale Isolation stürzte, konnte sie endlich wieder mit ihrer Familie in Teheran kommunizieren. Monatelang waren ihre Telefonate auf etwa 30 Sekunden beschränkt. Was für eine frustrierende Situation! Der Iran war insgesamt 2088 Stunden vom Internet abgeschnitten, während Tavakoli und ihr Mann Faryad Shiri, die vor drei Jahren aus ihrer Heimat geflohen sind, in der Schweiz Schutz suchen.
Die Erinnerungen an die Zeit im Iran sind schmerzhaft. Tavakoli beschreibt die monatelange Isolation als „echte Widerstandsfähigkeit“. Auch wenn sie in der Schweiz Internetzugang hat, bleibt das Gefühl der Ohnmacht, ihre Familie in Teheran nicht richtig erreichen zu können. Die Berichte über die Proteste im Iran, die durch hohe Lebenshaltungskosten und eine schlechte Wirtschaftslage ausgelöst wurden, sind alarmierend. Iran Human Rights berichtet von mindestens 45 getöteten Demonstranten – darunter sogar Minderjährige. In solch einer bedrückenden Atmosphäre zu leben, ist kaum vorstellbar.
Eine Stimme für die Trauer
Die Isolation in der Kommunikation hat Sahar Tavakoli dazu gebracht, ihren Schmerz und ihre Erfahrungen literarisch zu verarbeiten. In ihren Gedichten, die Titel wie „Schmerz 1“, „Schmerz 2“ tragen, spiegelt sich die Trauer wider, die sie und ihre Angehörigen empfinden. Diese Werke sind nicht nur Ausdruck ihrer persönlichen Erlebnisse, sondern auch ein Zeichen des Widerstands gegen das Unrecht, das im Iran geschieht. Während der Internetsperre waren Berichte über einen „Internet-Blackout“ im Land weit verbreitet, und die iranischen Behörden haben das Recht auf Kommunikation massiv eingeschränkt.
Tavakoli und ihr Mann haben in Teheran einen Verlag betrieben, doch der Druck des iranischen Geheimdienstes war erdrückend. Sie ließen alles hinter sich, kauften ein Flugticket nach Zürich und begannen ein neues Leben in der Schweiz. Hier dokumentiert sie ihre Erfahrungen im Asylprozess literarisch. Doch das Leben im Asylzentrum beschreibt sie als gefängnisähnlich. Trotz der Schwierigkeiten ist sie dankbar für den Schutz, den die Schweiz bietet, und hat sich mittlerweile im Aargau gut eingelebt.
Der Blick auf den Iran
Trotz der neuen Heimat bleibt der Blick auf den Iran für Tavakoli bedrückend. Sie sieht eine Spaltung der Gesellschaft und berichtet von den aktuellen Entwicklungen, die alles andere als positiv sind. Die iranische Regierung nutzt die Straße von Hormuz als Druckmittel, was die Lage zusätzlich verschärft. Die digitale Überwachung der Bevölkerung hat in den letzten Jahren stark zugenommen, und die Behörden passen ständig ihre Methoden an. Die Mehrheit der Iraner nutzt Smartphones, aber die hohen Kosten für Highspeed-Datenpakete machen den Zugang zur digitalen Welt schwierig. Die Regierung blockiert internationale Nachrichtenseiten und soziale Netzwerke, und viele greifen auf VPNs zurück, um die Zensur zu umgehen.
Sahar Tavakoli plant, am 5. Juli in Winterthur aufzutreten, um über ihre Arbeit zu sprechen und die schönen Seiten Teherans zu präsentieren. Diese Veranstaltung, die im Park Berufsschulhaus Wiesental stattfindet, ist eine Gelegenheit für die Menschen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Der Eintritt ist frei, aber eine Anmeldung wird erwünscht. In einer Zeit, in der der Austausch zwischen Kulturen und das Verständnis füreinander so wichtig sind, ist es ein Schritt in die richtige Richtung, solche Stimmen zu hören und zu unterstützen.