In Zug, wo man fast nur noch Englisch hört, brodelt es gewaltig im politischen Kessel. Daniel Gruber, der Parteichef der FDP Zug, hat sich klar gegen die umstrittene 10-Millionen-Schweiz-Initiative positioniert. Bei der letzten Generalversammlung stimmten immerhin 40 % der Mitglieder für die Initiative, aber auch 32 % waren dagegen, was zeigt, wie gespalten die Meinungen innerhalb der Partei sind. Es geht um mehr als nur Zahlen; es geht um das Lebensgefühl der Zuger, die zunehmend unter Dichtestress leiden. Jährlich müssen etwa 4000 Einheimische die Stadt verlassen, oft aufgrund der Verdrängung durch Expats. Gruber selbst kennt persönlich niemanden, der wegen Wohnungsmangel Zug verlassen hat – komisch, oder?

Die Ursachen für diese Entfremdung sind vielfältig. In einer Primarklasse sind 13 von 18 Kindern fremdsprachig, was zeigt, dass die Integration nicht für alle gelingt. Viele Expats leben in ihrer eigenen Bubble und scheinen sich nicht wirklich für die einheimische Kultur zu interessieren. Das hat zur Folge, dass sich das Stadtbild verändert, und das nicht nur im sprachlichen Sinne. Im Sommer 2023 hat die Bevölkerung für die Initiative „2000 Wohnungen für den Mittelstand“ gestimmt, die bis 2040 20 % preisgünstigen Wohnraum fordert. Diese Quote ist zwar bereits erfüllt, jedoch schreckt die 40 %-Vorgabe potenzielle Investoren ab. Hier wird deutlich, dass Wachstum nicht nur eine Frage der Zahlen ist, sondern auch der Lebensqualität.

Die Zuwanderungsdebatte und ihre Folgen

Die SVP hat sich der Initiative „Keine 10-Millionen-Schweiz“ verschrieben, die eine Begrenzung der Zuwanderung fordert. Am 14. Juni wird darüber abgestimmt. Ein neuer Artikel zur nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung soll in die Bundesverfassung aufgenommen werden, mit dem Ziel, die ständige Wohnbevölkerung unter 10 Millionen zu halten. Aktuell ziehen jährlich rund 100.000 Menschen in die Schweiz – das verlangt nach 45.000 neuen Wohnungen, einem zusätzlichen Spital und mehr Lehrkräften. Man fragt sich, wo das alles enden soll.

Thomas Matter, ein Nationalrat der SVP, hat kürzlich betont, dass die Kontrolle über die Zuwanderung verloren gegangen sei. Und das spürt man auch in den überlasteten Zügen und auf den verstopften Straßen. „Sicherheitschaos“ wird von Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz als Schlagwort verwendet, um die Ängste der Bevölkerung aufzugreifen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht zu vernachlässigen – verstopfte Straßen kosten Zeit und Geld und frustrieren die Pendler.

Dichtestress als gesellschaftliches Phänomen

Der Begriff „Dichtestress“ ist kein neuer. Bereits 1987 wurde er in einem Leserbrief der NZZ erwähnt. Damals beschwerten sich Auslandschweizer über die Zuwanderung und warnten vor den Folgen für die Umwelt. Komisch, wie sich die Zeiten gleichen, oder? Die Argumentation war, dass Schweizerinnen sich mit Fortpflanzung zurückhalten, was als natürliche Anpassung an den steigenden Dichtestress verstanden wurde. Der Leserbrief warnte vor einer „Grossagglomeration“ – und wo stehen wir heute? Die Schweiz wächst schneller als Deutschland, und die Bedenken über die Wohnsituation sind real.

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Gruber sieht das Wachstum jedoch nicht negativ. Er betont, dass es entscheidend für den Wohlstand ist, und fordert eine nachhaltigere Gestaltung der Zuwanderung. Es ist ein Balanceakt zwischen wirtschaftlichem Wachstum und der Lebensqualität der Einheimischen. Die Herausforderungen sind groß, und die Meinungen innerhalb der politischen Landschaft sind ebenso vielfältig wie die Menschen, die in Zug leben.